Brandstifterprozess in Eutin : Reicht eine DNA-Spur als Beweis?

Nur das schnelle Eingreifen der Feuerwehr rettete im Dezember 2012 ein Reethaus (rechts) vor den Flammen.
1 von 2
Nur das schnelle Eingreifen der Feuerwehr rettete im Dezember 2012 ein Reethaus (rechts) vor den Flammen.

Eine Eutinerin steht wegen versuchter schwerer Brandstiftung vor Gericht. Die 45-Jährige könnte für eine Brandserie verantwortlich sein

von
15. Mai 2015, 17:30 Uhr

Die Polizei brachte sie schon mehrmals mit Brandstiftungen in Eutin, darunter zwei Großbränden, in Verbindung, doch für eine Anklage war die Beweislage stets zu dünn. Bis zum 17. Juli 2013: Da soll eine heute 45 Jahre alte Eutinerin versucht haben, ein Feuer im Stadtgebiet zu legen – in einem Wohnblock mit etwa 14 Bewohnern, zu denen sie selbst gehört. Möglicherweise ist es nur einem Zufall zu verdanken, dass Eutin in dieser Nacht von einem Großbrand oder gar einer tödlichen Katastrophe verschont blieb.

Eine Nachbarin schilderte am Mittwoch vor dem Eutiner Schöffengericht, wie sie die versuchte schwere Brandstiftung dienstagabends entdeckte. Um 21.20 Uhr sei sie nach Hause gekommen und habe noch Wäsche auf dem Trockenboden abhängen wollen: „Da hab ich gemerkt, dass es ganz brenzlig riecht“, schilderte die 55-Jährige. Sie forschte nach der Ursache und entdeckte ein brennendes Teelicht, das in einer Ecke des Raumes an einer Dachschräge platziert war. Die Wand war verrußt und die zur Isolierung gehörende Plastikfolie des Dachs bereits geschmolzen.

Geistesgegenwärtig pustete die Zeugin die Flamme aus und rief die Polizei, die das Teelicht sicherstellte. Die DNA-Analyse dauerte ein Dreivierteljahr, doch dann brachte sie es an den Tag: An dem Teelicht fand sich der genetische Fingerabdruck der Angeklagten. Als ein Kripobeamter die Frau mit dem Ergebnis konfrontierte, stritt sie die Tat ab. Sie räumte zwar ein, Teelichter auf dem Dachboden verloren zu haben, doch das Feuer müsse ein anderer gelegt haben. Für den Kripobeamten war die Lage trotzdem klar: „Wenn ich so einen eindeutigen DNA-Beweis habe, brauche ich kein Geständnis mehr“, erklärte der Kriminalhauptkommissar vor Gericht.

Wenige Tage nach der Aussage der Angeklagten trudelte dann ein Bekennerschreiben bei der Polizei ein. Eine Schwester der Angeklagten bezichtigte sich darin selbst gleich mehrerer Brandstiftungen. „Die Schwester fiel aus allen Wolken, weinte“, berichtete der Kripobeamte. Eine weitere DNA-Probe ergab: Das handschriftliche Bekennerschreiben stammt offenbar von der Angeklagten. Zwischen den Schwestern hatte es seit langem kaum noch Kontakt gegeben.

Seit längerem hatte die Polizei die Eutinerin schon im Visier: 2010 habe es drei Brände an der Neumühle gegeben, zunächst sei gegen ihren Sohn ermittelt worden. Gebrannt hätten zunächst Müllsäcke, dann seien in einer Garage und einem Schuppen Feuer gelegt worden. In einem Fall habe die Angeklagte der Feuerwehr die Tür zum Brandort geöffnet, weil sie im Besitz eines Schlüssels gewesen sei.

In der Nacht auf den 12. August 2012 kam es dann zu einem ersten Großbrand. Von einem Holzstapel griffen die Flammen auf eine Halle der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQOH) in der Röntgenstraße über. Schaden: 700  000 Euro. Die Angeklagte soll dieses Feuer damals gemeldet haben. Mit einem weiteren Großfeuer am 17. Dezember 2012 in Fissau wird die Angeklagte ebenfalls in Verbindung gebracht: Damals brannte ein Carport, die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf ein Reetdachhaus gerade noch verhindern, weil der Brand rechtzeitig bemerkt wurde.

Rechtsanwalt Andre Vogel brachte die Verknüpfung mit der Brandserie unterdessen auf die Palme: „Viel Verdacht – kein Ergebnis“, kritisierte er und sprach von einer „unglaublich tendenziellen Ermittlungssituation gegen meine Mandantin“. Es sei niemals der Nachweis geführt worden, dass diese tatsächlich Feuer gelegt habe, betonte er.

Die Angeklagte ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Sie arbeitet als Zeitungszustellerin und in einem Hotel. Vor Gericht zog sie es vor, zu schweigen. Ihr Verteidiger beschrieb sie als „einfach strukturiert“. Sie könne sich kaum länger als fünf Minuten auf den Sachverhalt konzentrieren. Bereits durch einfache Sachen könne er ihr Angst einjagen.

Als mögliches Motiv für die Taten vermutete der Kripobeamte Eheprobleme. Es gebe Hinweise, dass die Angeklagte von ihrem Mann geschlagen werde, zudem gebe es Mietschulden. Wenn sie die Brände gelegt habe, dann „nicht aus hochkrimineller Energie, sondern aus persönlicher Ausweglosigkeit“.

Nach intensiven Gesprächen zwischen Gericht, Verteidiger und Staatsanwalt hinter verschlossenen Türen war bereits von einer Bewährungsstrafe mit der Auflage einer Therapie die Rede. Doch zuvor muss die Beweisaufnahme abgeschlossen werden. Denn ganz so eindeutig, wie es die Polizei gerne hätte, schien die Beweislage noch nicht. Zwar hatten sich DNA-Spuren der Angeklagten sowohl auf der Alu-Hülle des Teelichts als auch auf der Wachsschicht gefunden. Der Verteidiger meldete aber Zweifel an, dass die DNA-Spuren sich in dem flüssigen Wachs eines brennenden Teelichts überhaupt halten könnten. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte die Angeklagte argumentieren, sie habe das Teelicht erst nach der versuchten Brandstiftung angefasst.

Deshalb entschloss sich das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichter Otto Witt, die Sachverständige des Landeskriminalamts zu hören, von der die DNA-Analyse stammt. Sollte diese kurzfristig Zeit haben, wird die Verhandlung am Mittwoch, 20. Mai, um 13 Uhr fortgesetzt. Möglicherweise wird auch noch ein psychologischer Gutachter zu Rate gezogen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen