Eutin : Regine Jepp und ihr Buch über die Arbeiterbewegung

Im Gespräch mit Hartmut Buhmann sprach Regine Jepp über ihr Buch, in dem drei Jahre Arbeit stecken.
Im Gespräch mit Hartmut Buhmann sprach Regine Jepp über ihr Buch, in dem drei Jahre Arbeit stecken.

Launige Vorstellung im Gespräch mit dem Journalisten Hartmut Buhmann.

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06. November 2019, 17:03 Uhr

Eutin | „Was hat Sie bewogen, das Buch zu schreiben?“ Das war die erste Frage, die der Journalist Hartmut Buhmann am Dienstag in der Buchhandlung Hoffmann an Regine Jepp richtete. Dort stellte sie ihr Buch „Geschichte der Arbeiterbewegung in Eutin von 1869 bis 1949“ vor, aus dem sie auch selbst las. Weil sie es spannend fand, wie sich die Arbeiterbewegung mit ihrer Alltagskultur im ländlich geprägten Eutin zunächst im 19. Jahrhundert, dann aber besonders in der Weimarer Republik und im Dritten Reich gebildet und entwickelt habe, antwortete sie.

Quellen des Buches

„Und woher kommen die Quellen zum Buch?“ Da ist die temperamentvolle Eutinerin auch schon in ihrem Element, erzählt von den umfangreichen Arbeiten von Lawrence D. Stokes, der dem Stadtarchiv 35 Leitzordner hinterlassen hat, und von Klaus Francks Unterlagen beim SPD-Ortsverein, ohne die das Buch nicht zustande gekommen wären. Nebenbei erwähnt sie, dass die beiden, von denen der eine eine Chronik und der andere eine Aufsatzsammlung erstellen wollte, zwölf Jahre aneinander vorbeigeredet hätten.

Jepp beantwortete die frech-vergnügten Fragen von Buhmann und bemühte sich ernsthaft, seiner mit einem Augenzwinkern vorgetragenen Bitte, langsamer als gewöhnlich zu sprechen, nachzukommen.

Versammlungsüberwachung wurde ausgetrickst

Dazwischen las sie Passagen aus ihrem Buch, erklärte, wie der riesige Index zustande gekommen sei und dass zum Beispiel um 1900 den 5500 Eutiner Einwohnern 55 Kneipen zur Verfügung gestanden hätten, also Treffpunkte und eine Art öffentliche Wohnzimmer gewesen seien. Sie schilderte, dass im Zug des „Sozialistengesetzes“ seit 1878 öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel verboten waren und in geschlossenen Räumen streng überwacht wurden, die Überwachung durch den örtlichen Polizisten („Büttel“) aber hintergangen worden sei, indem man ein Ende der Versammlung vorgetäuscht und nach Abzug des Polizisten wieder begonnen habe.

Zu den Errungenschaften nach dem Ersten Weltkrieg zähle das Frauenwahlrecht und erstmals ein Stück Transparenz in der Politik. Jepp erwähnte weiter, dass 1933 zehn Prozent der Eutiner Mitglieder der NSDAP angehört hätten, und sie zitierte das böse Gedicht „Zehn kleine Meckerlein“, in dem ein „Meckerer“ nach dem anderen verschwindet, sich alle zehn im Konzentrationslager Dachau wieder treffen.

Liedtext aus dem 18. Jahrhundert

Musikalisch begleitet wurde der Abend von Albrecht Gieseler am Klavier, der auch das bekannte Lied „Sag mir, wo die Blumen sind“ interpretierte. Regine Jepp hatte die kaum bekannte Nachricht bereit, dass der Liedtext aus dem 18. Jahrhundert von Johann Jacobi stamme, einem Bruder von Friedrich Jacobi, der in Eutin lebte. Unter den 60 Anwesenden war Kreispräsident Harald Werner, der Regine Jepps als „eine Eutinerin mit Herz und Verstand“ bezeichnete.

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