Rechtsextremismus: Unterschätzte Frauen

Eine Frau trägt bei einer Veranstaltung der NPD in Neumünster ein T-Shirt mit der Aufschrift Nazi-Braut, ein Archiv-Foto.
Eine Frau trägt bei einer Veranstaltung der NPD in Neumünster ein T-Shirt mit der Aufschrift Nazi-Braut, ein Archiv-Foto.

In der Gedenkstätte Ahrensbök erläuterten Berater gegen Rechtsextremismus (RBT) den subtilen Einfluss radikaler Frauen in der Gesellschaft

shz.de von
13. August 2018, 12:44 Uhr

Was muss der eigenen Würde zugestoßen sein, wenn man die Würde anderer Menschen so sehr missachtet? Es ist bekannt, dass Frauen in unserer Gesellschaft gern unterschätzt werden. Und nicht nur die Werbung macht sich zunutze, dass die Gesellschaft als anonyme Menge Mensch noch immer erstaunlich klischeehaft mit den Frauen oder Männern zugeordneten Eigenschaften umgeht. Das kann gefährlich sein, was weniger geläufig ist.

Genau darum ging es Sonntagnachmittag in der Gedenkstätte Ahrensbök: Um Frauen in der rechten Szene, deren Einfluss, subtiles Durchsetzungsvermögen, aber auch das Potenzial als aktive Täterinnen bei Weitem unterschätzt zu werden. Daniela Kost und Johannes Marhold vom Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus (RBT) des Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt referierten unter dem Titel „Hausfrau, Mitläuferin, Aktivistin“ über rechtsextreme Frauen und deren Methoden, rechte Inhalte zu verbreiten. Sachlich und weitgreifend informierten die beiden Referenten über das Vorgehen dieser Frauen. Zuerst sei da soziales Engagement, ob in der Nachbarschaft, in Kitas oder Schulen. Wenn dann Beziehung hergestellt sei, würden nach und nach die menschenfeindlichen Ideen eingebracht. Schließlich weist man jemandem, der nett und hilfsbereit ist, nicht so leicht die Tür.

Dabei bedienen sie sich aktueller Themen und gebrauchen Slogans, denen man fast immer zunächst zustimmen könnte. Man muss also genauer hinhören, konkreter hinterfragen.

Dass Frauen aus dieser Szene sich bereitwillig instrumentalisieren lassen und zusätzlich kostenfrei arbeiten, passt ins Bild. Wenn man von etwas überzeugt ist, ist man zu so manchem bereit.

Was muss der eigenen Würde zugestoßen sein, wenn man die anderer Menschen so sehr missachtet? Die Fragen, was eine dieser Frauen täte, sollte sie ein behindertes Kind zur Welt bringen oder eines ihrer Kinder seine Homosexualität nicht verbergen wolle oder gar eines dieser Kinder im Heranwachsen sich im Studium unsterblich in einen schwarzafrikanischen Studenten verliebe, wurde nicht gestellt. Es ging darum, aufzuzeigen, was allzu wenig gewusst wird.

Bedauerlicherweise waren nicht viele Zuhörer gekommen. Dennoch ist die Arbeit des Trägervereins der Gedenkstätte Ahrensbök ganz besonders wichtig. Die Initialzündung für die Entstehung dieses Hauses kam vor vielen Jahren von dem damaligen Ahrensböker Pastor Michael Schwer. Der hatte im Konfirmandenunterricht erlebt, dass eine Konfirmandin empört fragte, was Juden in einer deutschen Bibel zu suchen hätten. Da hatte er den Eindruck, er müsse ein paar grundsätzliche Dinge klarstellen und die Ahrensböker Geschichte mit den Jugendlichen genauer beleuchten. Das ist, was diese Veranstaltung transportieren möchte: hinhören, aufmerksam sein, ansprechen, wissen wollen. Und das ist auch, warum Veranstaltungen dieser Art so wichtig sind: Weil sie öffentlich machen, was allzu leicht übersehen oder nicht ernst genommen wird.

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