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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 03:02 Uhr

Rauschen im „Tal der Ahnungslosen“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Im Bereich des Bosauer Kurt-Pause-Weges klagt Jürgen Storm über einen zunehmend schlechten Empfang der Welle Nord des NDR

von
erstellt am 17.Sep.2014 | 12:50 Uhr

Gerade läuft das aktuelle Lieblingslied von Jürgen Storm auf der NDR Welle Nord: „Happy“ von Pharrell Williams. Doch der Rentner sieht als Zuhörer alles andere als glücklich aus. Er hantiert vielmehr in seiner Küche in Bosau mit der kleinen Schleppantenne seines Radios hin und her, damit er sein Glückslied durchgehend klar empfangen kann.

Doch das klappt nicht, wie sich Storm auch windet. „Happy“ kommt nur bruchstückhaft aus dem Lautsprecher. So geht das schon seit ein paar Wochen – und der Bosauer wundert sich: Alle anderen Sender sind störungsfrei zu hören, nur bei der Welle Nord rauscht es.

Der ausgebildete Funk- und Fernmeldetechniker und seine Frau sind vor dreieinhalb Jahren innerhalb des Luftkurortes von der Schapskoppel in den Kurt-Pause-Weg umgezogen. Ist der Standortwechsel schuld? Storm schüttelt den Kopf: „In der Schapskoppel hatten wir mit Hilfe einer sogenannten Schleppantenne den allerbesten Empfang. Das war aber lange auch im Kurt-Pause-Weg so. Erst vor ein paar Wochen, es muss Anfang Juli gewesen sein, begannen das Rauschen und die permanenten Störungen – eine schleichende Verschlechterung.“

Als Rundfunkgebührenzahler fackelte Jürgen Storm nicht lange, berichtete der technischen Teilnehmerberatung des NDR von seinem Ärgernis. Doch dort lagen keine Störungsmeldung der Bosau umgebenden Sender vor, auch keine ähnlichen Beschwerden von Hörern. Daher sei es wahrscheinlich, dass die Empfangsprobleme von der Empfangsanlage verursacht wurden, hieß es vom NDR.

Dabei sei die Ursachenforschung vielfältig. „Eine schleppende Empfangsverschlechterung kann auf Materialalterung hindeuten“, auch Defekte an der Verkabelung oder der Hausantenne seien denkbar. Probleme habe es beim UKW-Empfang auch schon durch Baustellen, Dämmarbeiten und Baugerüste gegeben. Sogar Veränderungen in der Vegetation könnten den Empfang beeinflussen.

Jürgen Storm blickt aus seinem Garten auf die hohen belaubten Eichen am Wanderweg Jungfernstieg. Diese schönen Bäume sollen eventuell für einen guten Radioempfang herhalten? Die Hinweise auf das Alter seines Radios ziehen für ihn auch nicht: Andere Sender sind astrein zu hören. Er überprüfte den Stereo-Empfang verschiedener Frequenzen vom Bungsberg oder Kiel-Kronshagen – alles ohne Erfolg.

Vorsichtig wird von den sehr bemühten NDR-Technikern dann angedeutet: „Sie können unsere Radioprogramme auch über Satellit Astra 19,2° Ost empfangen.“ Denn: „Eine flächendeckende UKW-Versorgung für Geräte mit Behelfsantennen können wir leider aus wirtschaftlichen Gründen nicht gewährleisten.“

Jürgen Storm steht im Kurt-Pause-Weg nicht allein da. Auch andere Anwohner sind mit dem Radio-Empfang nicht zufrieden. Der 91-jährige Walter Hinterwäller etwa am Ende des Wendehammers klagt auch über ein störungsgeladenes Radiohören.

„Der Ort Bosau am Großen Plöner See hat eine geografisch schlechte Lage und kann fast mit dem Tal der Ahnungslosen verglichen werden“, schmunzelt Jürgen Storm auch mit Blick auf sein Handy. „Kein Netz“ steht auf dem Display.


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