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Raus aus den Minijobs –Frauenrunde fordert Umdenken

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

K

shz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 00:56 Uhr

Minijobs sind keine dauerhafte Erwerbsgrundlage und für viele oft der direkte Weg in die Altersarmut – sagen die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Gudrun Dietrich, Sabine Axt von der Beratungsstelle „Frau und Beruf“ und Ute Behrens vom Kommunalpolitischen Frauennetz Kopf OH. Ihre Idee: Mit einem Flyer, der Arbeitgeber die Vorzüge von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen näherbringt und Arbeitnehmern über ihre Rechte und Möglichkeiten informiert, wollen sie eine Diskussion lostreten, die in den Köpfen ein Umdenken auslöst.

„Wir lesen die Forderung auf Wahlplakaten und auch für die Politik auf Bundesebene ist das ein Thema, aber wir sehen keine echten Bemühungen, da was zu ändern“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Gudrun Dietrich. Anlass für den Flyer sei außerdem die hohe Frauenquote im Kreis Ostholstein, die geringfügigen Beschäftigungen, sogenannten Minijobs (bis 450 Euro), nachgehen. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung von 2015 stehen hinter den 21  000 Minijobs im Kreis Ostholstein rund 13  000 Frauen und 8000 Männer. Für Männer sei der Wiedereinstieg in den Beruf über einen Minijob häufiger ein Sprungbrett in eine sozialversicherungspflichtige Anstellung als für Frauen, weiß Sabine Axt aus ihrer Beratung zu berichten. Deshalb rate sie Frauen, die oftmals nach einer langen Berufspause zu ihr kommen und „Hauptsache irgendwie wieder einsteigen wollen“ von Minijobs ab – „Bei Frauen hat das oft Klebewirkung“, so Axt. Der Kreis Ostholstein sei landesweit Spitzenreiter in der Anzahl der Minijobs, Schleswig-Holstein bundesweiter Anführer. Dies liegt laut Axt nur bedingt an den Saisonarbeitskräften, „die hatten wir schon immer im Land, der Prozentsatz steigt aber stetig“. Die meisten Minijobs gebe es im Beherbergungs-, Gaststätten und Gastronomiesektor. Minijobs seien nicht grundsätzlich zu verteufeln, „für Schüler, Studenten oder Rentner ist es eine gute Möglichkeit, um etwas dazu zu verdienen, aber eben nicht als dauerhafte Erwerbsgrundlage“, so Dietrich.

Was will die Frauenrunde mit dem Flyer erreichen? „Wir wollen auf die große Armutsfalle hinweisen, in die oft Frauen, gerade Alleinerziehende, hineinrutschen, wenn sie dauerhaft in Minijobs arbeiten“, sagt Dietrich. Außerdem arbeiten Frauen oft deutlich mehr ehrenamtlich, pflegen ihre Eltern häufiger oder sind Hauptverantwortliche in der Kinderbetreuung, doch all das schlage sich nicht in den Rentenpunkten nieder, die sich ausschließlich am Erwerb bemessen. Dies sei sozial ungerecht, so Gudrun. „Über Gespräche mit Unternehmern und Arbeitgebern wollen viele Multiplikatoren finden und auf das Problem aufmerksam machen, ein Umdenken anregen“, sagt Axt. Und Behrens hofft darauf, das Thema über die Netzwerke auch in die Kommunalpolitik zu tragen und zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Kommunikation zu verbessern. Die Diskussion um Minijobs sei, weil besonders Frauen betroffen sind, eines von vielen Problemen unter dem großen Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, dem sich die Frauenrunde ebenso annimmt.

Der Flyer soll im Kreis in einer ersten Auflage von 10  000 Stück verteilt werden – von Handwerkskammern über Dehoga, den Dienstleistungssektor bis hin zu den Beratungsstellen, im Pflegebereich sowie den Wohlfahrtsverbänden.


Weitere Infos unter der Telefonnummer 04521/793146 oder per E-Mail an g.dietrich@eutin.de.

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