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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 20:37 Uhr

Raupe Nimmersatt kontra Kreuzkraut

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

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von
erstellt am 07.Jul.2017 | 16:49 Uhr

Der Einsatz von Pflanzengift auf Naturschutzflächen ist verboten, maschinelle Bearbeitung oft nicht möglich oder verbietet sich wegen der Kollateralschäden für die Tierwelt. Beim Kampf gegen das giftige Jakobskreuzkrautes (JKK) versucht die Stiftung Naturschutz deshalb eine biologische Lösung: Der Einsatz von Raupen des Blutbär-Schmetterlings, die sich auf das Kraut spezialisiert haben, das wegen seines hohen Gehaltes an leberschädlichen Pyrrolizidin-Alkaloiden (PA) für landesweite Verärgerung sorgt.

Kathrin Schwarz (29) hat gestern auf einer extensiv beweideten Fläche im Schwartautal 500 Raupen „ausgewildert“. Sei wurden im Institut für Natur- und Ressourcenschutz, Abteilung Landschaftsökologie der Kieler Universität, gezüchtet.

Kathrin Schwarz ist Doktorandin und will insgesamt 2750 Raupen an zehn verschiedenen Standorten im ganzen Land aussetzen. Verbunden ist damit jeweils eine Bestandsaufnahme von Pflanzen und Tieren in Versuchsfeldern, die später darüber Aufschluss geben sollen, ob und und was der Einsatz der Raupen bewirkt.

Der Blutbär-Schmetterling (Tyria jacobaeae) ernähre sich im Raupenstadium ausschließlich von JKK: Zunächst fresse er die Blütenkörbchen, danach die Blätter, bis nur noch der Pflanzenstrunk stehen bleibe. Das mache den meisten betroffenen Pflanze so sehr zu schaffen, dass sie abstürben oder zumindest nicht mehr aussamten, sagte Dr. Aiko Huckauf. Er leitet das „JKK-Kompetenzzentrum“ der Stiftung Naturschutz.

Die weiblichen Schmetterlinge legten an die 300 Eier in JKK-Pflanzen ab, sagte Kathrin Schwarz. „Von den 500 ausgesetzten Raupen dürfte die Hälfte Weibchen sein.“ Macht bei optimalen Bedingungen und theoretisch im nächsten Jahr 75  000 Raupen.

In der Praxis steht dem allerdings die Tatsache entgegen, dass die Blutbär-Raupe auch Feinde hat. Vor allem andere Insekten ließen sich von der schwarz-gelb geringelten Oberfläche nicht abschrecken. „Vögel mögen die Raupen aber nicht“, sagt Kathrin Schwarz, „wahrscheinlich schmecken sie wegen dem hohen PA-Gehalt auch bitter.“

In Nordamerika, Australien und Neuseeland sei en mit den Raupen sehr erfolgreich JKK-Bestände reduziert worden, sagte Huckauf weiter. Aber dort herrschten andere Bedingungen: Das JKK sei dort eingeschleppt worden, und der Blutbär habe dort keine Feinde.

Natürlich gebe es Skeptiker, die das Projekt Blutbär von vorne herein als aussichtslos einschätzten. „Aber mein Doktorvater hat immer gesagt: Wenn man es nicht probiert, weiß man nicht, was stimmt.“ Natürlich unternehme die Stiftung auch weiter andere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des JKK, darunter die Mahd von Massenbeständen vor der Aussaat.

Mulchen und Mähen ist allerdings, wie Dr. Huckauf einräumt, keine Methode zur Beseitigung des giftigen Krautes. Es helfe nur gegen Aussamen und verringere den PA-Eintrag im Honig.

Unabhängig davon seien dieses Jahr die JKK-Bestände deutlich kleiner. Ob das nur ein kurzfristiges Phänomen sei oder auch schon ein möglicher Zusammenbruch des Bestandes, werde sich vielleicht schon nächstes Jahr zeigen.

Dann soll neben dem Schmetterling auch der Flohkäfer ausgesetzt werden, der ebenfalls ausschließlich JKK auf seinem Speiseplan hat, in anderen Ländern aber nicht sehr wirkungsvoll gewesen sei. Huckauf: „Aber auch hier gilt: Man muss es einfach mal probieren und sehen, was herauskommt.“ Das soll auf jeden Fall bis 2020 wissenschaftlich ermittelt werden.

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