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Ostholsteiner Anzeiger

20. November 2017 | 14:57 Uhr

Raser gefährden Feriengäste

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Tanja Lauterbach aus Mönchneversdorf hofft auf Einsehen der Behörden / Zeitlich befristetes Tempolimit gibt es nur für Fledermäuse

„Ich habe eine Verantwortung für meine Gäste, und der möchte ich gerecht werden.“ So begründet Tanja Lauterbach ihr Bemühen, auf einem 500 Meter langen Stück der Landesstraße 216 zwischen Schönwalde und Hansühn die zulässige Geschwindigkeit reduzieren zu lassen. Die sogenannte geschlossene Ortschaft Mönchneversdorf, in der 50 Kilometer pro Stunde gelten, liegt neben der L 216, der Ferienpark und weitere vier Höfe mit Ferienwohnungen jedoch direkt an der zweispurigen Straße. Dort gilt Tempo 70. Das ist nach den Erfahrungen Lauterbachs noch zu schnell.

Auslöser für das Bemühen der zertifizierten reitpädagogischen Betreuerin war ein Ereignis im vergangenen Jahr. Um mit den Kindern der Feriengäste und den Ponys in den Wald zu gelangen, gibt es vom Hof Lauterbach nur den Fahrbahnrand der Landesstraße, ein separater Rad- oder Fußweg existiert nicht. „Ich gehe schon immer auf der Straße und führe das Pony auf dem Grünstreifen, um einen Puffer zu den Autos herzustellen“, beschreibt Lauterbach ihr Vorgehen. An dem besagten Tag sei jedoch ein Traktor so schnell und dicht an dem kleinen Tross vorbeigefahren, dass ein Pony aufgeschreckt habe und ein Junge wegen der unerwarteten Bewegung aus dem Sattel gerutsch sei. „Unsere Ponys sind absolut verkehrstauglich. Sie gehen sogar vor einer Kutsche. Aber der Traktor fuhr ohne zu verlangsamen und ohne Abstand an uns vorbei“, ist die Ferienhofbetreiberin noch immer erbost über das Verhalten.

Sie habe Verständnis für den Zeitdruck, unter dem auch die Landwirte stünden, aber Rücksicht könne man dennoch nehmen. Das betreffe alle Verkehrsteilnehmer, auch Pkw und Motorräder, die zu den rücksichtlosesten Rasern auf dem Abschnitt gehörten.

Thorsten und Sandra Tille, die mit ihren zwei Kindern seit sechs Jahren Ferien bei Tanja Lauterbach machen, beobachten in der Zeit eine Verschlimmerung der Situation. Der Eindruck von Thorsten Tille: „Es ist rücksichtloser geworden. Wenn ich mit dem Hund gehe, bin ich es oft, der den Autos ausweicht.“

Außerdem seien deutlich mehr Lkw unterwegs. Ausweichverkehr von Autobahnen und Bundesstraßen, um Maut zu sparen, vermutet Tobis Holl, der mit Frau Elena und den beiden Kindern das zweite Mal in Mönchneversdorf ist. „Hier hinten raus ist es das Paradies, aber nach vorn...“ fehlen dem Buchholzer die Worte für den Zustand an der Landesstraße.

Er würde gerne seinen Sohn einmal zum Geocaching auf den Bungsberg lassen, aber dazu müsse er ihn mit dem Auto fahren. Zu Fuß oder mit dem Rad wolle er ihn nicht los lassen. Nach seinen Beobachtungen wird auf der langen Geraden, an der die vier Höfe liegen, überholt ohne Rücksicht auf Gegenverkehr oder gar Radfahrer oder Fußgänger. „Ich habe eine Situation erlebt, bei der ein landwirtschaftliches Gespann stark bremsen wusste, weil ein Pkw rücksichtlos überholt hat“, erinnert sich Thorsten Tille und fügt in Richtung der Raser hinzu: „Was machen die, wenn ein Reh auf die Straße springt? Dann liegt am Ende Auto oder Motorrad hier auf dem Hof, wo die Kinder spielen.“

„Wenn wir Blinker setzen und links auf den Hof abbiegen wollen, werden wir regelmäßig überholt“, ärgert sich Tanja Lauterbach. Sie wünscht sich neben einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 50 km/h auch ein Überholverbot auf der langen Geraden. „Oder wenigstens Hinweisschilder auf Reit- oder landwirtschaftlichen Verkehr. Ich wäre auch bereit mich an den Kosten der Schilder zu beteiligen.“

Das Angebot hatte sie auch auf der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses der Gemeinde Schönwalde gemacht. Verbunden mit der Bitte sie in ihrem Bemühen zu unterstützen. Wie bereits die Polizei machte ihr auch Bürgermeister Hans-Alfred Plötner wenig Hoffnungen auf Erfolg, auch wenn man erneut eine Eingabe beim Kreis machen werde. Er sei selbst mehrfach beim Kreis und sogar in Kiel vorstellig geworden. Dem Wunsch, das zeitweise angeordnete Tempo 50 dauerhaft bestehen zu lassen, könne man nicht folgen, weil es sich um eine Landesstraße handle. Nur für die Zeit, in der artengeschützte Fledermäuse den alten Eiskeller unmittelbar neben der Straße verließen, sei die Anordnung einer Geschwindigkeitsbegrenzung zulässig. Ein Umstand, den auch die Feriengäste mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen. Lauterbach: „Wir haben hier Touristen, die kommen wegen der schönen Natur zu uns. Kinder aus Berlin genießen den Ausritt zum Waldweiher und erleben die Natur oft zum ersten Mal hautnah. Ich wünsche mir auch den Schutz unserer Gäste.“ An ihrer Pony-Kutsche, mit der sie gerne auch Ausflüge für die ganze Familie anbieten würde, hat sie eine Kamera installiert. „So kann ich wenigstens beweisen, dass ich bei einem Unfall nichts falsch gemacht habe. Aber das bringt mir auch nichts, wenn jemand dabei zu Schaden kommt.“ Dazu müsste es nach Auskunft der Behörden aber kommen, damit der Bereich als „Gefahrenpunkt“ eingestuft werde. Dann käme es auch zur Überwachung der Geschwindigkeit. Lauterbach: „Die örtliche Polizei hat gesagt, jedes Schild sei nur ein weiteres, das nicht beachtet werde. Wenn die hier an einem Sonntag blitzen würden, käme ordentlich was zusammen. So werden wir es wohl weiterhin bei Appellen an die Vernunft belassen müssen.“ Sie will sich aber weiter für Maßnahmen zum Schutz der Feriengäste einsetzen.

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