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Das gelbe Meer ist bedroht : Raps wird bedrohte Pflanze

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Brüsseler Pläne zur Halbierung der Beimischungsquote für Biokraftstoff führen zu spürbarem Preisverfall

Jedes Frühjahr verwandelt die Ölfrucht große Teile des Landes in ein wogendes, gelbes Meer: Auf rund 100 000 Hektar wächst in Schleswig-Holstein Raps; ein Fünftel davon in Ostholstein, das bis zur deutschen Vereinigung 1990 das größte zusammenhängende Rapsanbaugebiet der Welt war.

In zwei Jahren könnte es mit dem Anbau der Ölfrucht in Deutschland vorbei sein, fürchtet der Bauernverband Ostholstein-Lübeck. In der Europäischen Union wächst die Überzeugung, dass die Beimischung von Pflanzenöl in Kraftstoffe nicht so viel Kohlendioxid verhindert, wie sie es soll.

Eine EG-Richtlinie gibt das Ziel vor, ab 2020 mindestens zehn Prozent des fossilen Kraftstoffbedarfs durch Bioöl zu decken. Mit Verabschiedung der Richtlinie hatte das Europäische Parlament 2010 die Kommission beauftragt, globale Auswirkungen einer verstärkten Produktion von Energiepflanzen zu untersuchen und bei Bedarf zu reagieren.

Genau das passiert: Eine Studie zur „indirekten Änderung von Landnutzung“ (international Iluc abgekürzt) sagt, dass sich in Europa wachsende Anbauflächen für Energiepflanzen in Übersee auswirken: Dort werde für den Export nach Europa mehr Fläche für Futter- und Nahrungsmittel unter den Pflug genommen. Damit werde auch die Abholzung von Urwäldern forciert.

„Diese These können wir in Bezug auf Raps nicht teilen“, sagt Holger Schädlich, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Ostholstein-Lübeck. Mit dem stärkeren Anbau von Energiepflanzen werde der europäische Importbedarf zum Beispiel an Soja nicht so erhöht, wie es die Iluc-Untersuchung behaupte. Denn da werde übersehen, dass ein Hektar Raps nicht nur durchschnittlich 1900 Liter hochwertiges Öl liefere, sondern auch 2500 Kilo Eiweißfuttermittel.

Ein Verzicht auf Raps als Teil der Fruchtfolge hätte auch Wirkung auf den Weizenertrag: „Äcker, auf denen Raps stand, liefern etwa zehn Prozent mehr Weizen“, sagt Frank Struve, Landwirt aus Liensfeld, der 190 Hektar bewirtschaft. Auf 60 Hektar drillt er in diesen Tagen Rapssaat. Die Pfahlwurzel der Rapspflanzen lockerten den Untergrund auf und die Blätter bedeckten den Boden mit zehn bis elf Monaten länger als jede andere Frucht, zählt Struve Eigenschaften des Rapses auf.

Werde wie vorgesehen die Beimischungsquote von Bioöl zum Kraftstoff ab dem Jahr 2015 halbiert, dann sei ein rapider Preisverfall für Raps zu erwarten, fürchtet Schädlich. Struve pflichtet bei: „Die Märkte stellen sich offensichtlich schon jetzt darauf ein. Der Preis für einen Doppelzentner Raps ist bereits von 45 auf etwas mehr als 30 Euro gefallen.“ Die Grenze der Rentabilität sei nahe.

Was wird aus der Fruchtfolge, die in Ostholstein klassisch aus Weizen, Gerste und Raps besteht, wenn sich Raps nicht mehr rentiert? Struve: „Dann bleiben auf unseren Böden eigentlich nur noch Mais und Zuckerrüben. Wobei ich den Rüben hier im Norden auch keine Chance gebe, weil die Transportkosten zu hoch sind.“

 

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erstellt am 23.Aug.2013 | 09:57 Uhr

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