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Ostholsteiner Anzeiger

12. Dezember 2017 | 23:17 Uhr

Rammschäden: Unternehmer verklagt Stadt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Claus Behrens fordert 60 000 Euro Schadenersatz

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2017 | 00:33 Uhr

Zwei Jahre nach den Rammarbeiten für die neuen Spundwände in der Eutiner Stadtbucht ist der Streit um die Risse in den Häusern Thema am 13. Juni um 10 Uhr vor dem Lübecker Landgericht.

Unternehmer Claus Behrens, dem Am Rosengarten gleich zwei Häuser gehören, die Risse aufweisen, klagt gegen die Stadt Eutin und fordert 60  000 Euro zur Beseitigung seiner Schäden. Diese Summe hat Gunter Hankammer aus Hamburg ermittelt. Hankammer ist Bauingenieur und Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, beurteilt diese deutschlandweit. Warum stammen die Schäden an den Häusern von Behrens (Rosengarten 14 und 18) aus Ihrer Sicht von den Rammarbeiten? „Neben dem zeitlichen und dem räumlichen Zusammenhang ist es die Schadenssymptomatik, die dafür spricht. Es sind typische Risse an den Gebäuden entstanden, die auf Erschütterungsschäden hinweisen“, sagt Hankammer auf Nachfrage. Außerdem seien in dem Gutachten zur Beweissicherung, das im Vorwege von der Stadt beauftragt worden war und das Hankammer vorlag, nur wenige Vorschäden vermerkt worden. Als Hankammer aber von Behrens während der Rammarbeiten und auch abschließend zur Begutachtung gerufen wurde, waren „deutlich mehr Schäden sichtbar“, so Hankammer. Aus dem Rathaus heißt es dazu: „Es gibt keine Rammschäden.“ Zum laufenden Verfahren werde man sich in Details nicht äußern, so Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt.

Neben den Rissen in Wänden, Decken und Fußböden, die sowohl im griechischen Restaurant als auch im Reisebüro bemerkt wurden (wir berichteten), gab es auch bei Behrens Nachbarn, der Familie Klegin, starke Schäden während der Bauarbeiten an der Stadtbucht. Noch heute reiche der Riss durch das komplette Wohnzimmer. Doch schlimmer sei für die Familie der plötzliche Absturz des Schornsteines im August 2015 gewesen. Annelene Klegin habe Glück gehabt, dass sie von den herabstürzenden Steinen und Ziegeln nicht getroffen wurde, berichtet ihre Tochter. „Der Gutachter, der uns versprochen wurde, kam und kam nicht“, so Gesa Klegin. Die Familie heizt mit dem Ofen, braucht den Schornstein und ließ den Schaden an Schornstein und Dach schließlich auf eigene Kosten (3500 Euro) reparieren. „Der Gutachter kam im Mai 2016 und sagte: ‚Jetzt kann ich keinen Schaden mehr feststellen, Sie haben ihn ja schon erneuert.‘ Da fühlt man sich auf gut deutsch verarscht“, findet Gesa Klegin deutliche Worte. Aus dem Gespräch mit dem damaligen Bauamtsleiter Bernd Rubelt habe sie noch immer sein Grinsen vor Augen, mit dem er ihr sagte: „Das müssen Sie uns erst einmal beweisen, dass die Schäden vom Rammen sind.“

Behrens ist ebenfalls enttäuscht von den Verantwortlichen Eutins. Aus der Stellungnahme der Stadt ans Gericht weiß er, dass es insgesamt 80 Geschädigte geben soll und die Stadt mit einigen schon finanzielle Einigungen getroffen habe. „Und uns stellt sie öffentlich als Lügner hin, wenn sie sagt, ‚Es gibt keine Rammschäden‘. Das ist eine unglaubliche Frechheit“, sagt Behrens. Er hätte sich gewünscht, dass die Menschen, die das sagen, sich vorher ein Bild bei ihm gemacht hätten. Aber: „Keiner war hier.“



Behrens stellt für Interessierte/Betroffene einen Bus zur Verfügung, der von Eutin zum Gericht fährt. Anmeldung unter Tel. 04521/4087.

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