Malente : „Räuberbande“ in neuer Obhut

Nach den Reden traten die Wald-Kinder in Aktion und brachten den Gästen ein Ständchen dar.  Fotos: Schröder
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Nach den Reden traten die Wald-Kinder in Aktion und brachten den Gästen ein Ständchen dar. Fotos: Schröder

Neuer Träger, neue Leiterin: Der Malenter Wald-Kindergarten hat eine schwierige Übergangsphase erfolgreich überstanden.

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13. November 2018, 17:31 Uhr

Die Kinder ließen sich von der kleinen Feierstunde am Montagmittag nicht stören. Während die Offiziellen ihre Reden hielten, tobten und spielten sie ausgelassen auf dem Stammplatz der „Kleinen Räuberbande“ im Bergengehölz. Damit signalisierten sie ganz ungezwungen, was die Erwachsenen mit Worten ausdrückten: Der Malenter Waldkindergarten mit seinen derzeit 17 Kindern zwischen drei und sechs Jahren ist bei seinem neuen Träger, dem Kinderschutzbund Ostholstein, in guten Händen.

Das ist durchaus eine bemerkenswerte Nachricht. Denn bis zur Jahresmitte hatte eine Eltern-Initiative die Wald-Kita  geführt. Und ihre Suche nach einem professionellen Träger erwies sich als ausgesprochen langwieriger und dornenreicher Prozess, vor allem weil – neutral formuliert – Gemeinde und Verein nicht gerade an einem Strang zogen (wir berichteten).

Als „sehr heikel“ wertete denn auch Kinderschutzbund-Geschäftsführer Martin Liegmann das Jahr bis zur Übernahme am 1. Juli und sprach seinen Dank aus, „dass die Übergabe in ein so gutes Ergebnis gemündet ist“. Bürgermeisterin Tanja Rönck sprach ebenfalls von einem Übergang, der  „etwas ruckelig“ war, doch die Übergabe sei nun reibungslos erfolgt.

Sehr zufrieden zeigte sich der Kinderschutzbund-Geschäftsführer beim Thema Mitarbeiter. Es sei gelungen, Yannick Sebelin als pädagogischen Assistenten zu halten und mit Liezza Fasch eine neue Leiterin zu finden. Damit sei man erfolgreich Bedenken begegnet, der Kindergarten breche zusammen, wenn die vormalige Leiterin Annekatrin Stoltenberg gehe, sagte Liegmann. Abgerundet werde das Personalkonzept durch Kinderschutzbund-Mitarbeiterin Britta Blümel, die etwa im Krankheitsfall einspringe.

Liezza Fasch stammt aus Oldenburg und hat zuvor in der Kinder- und Jugendhilfe gearbeitet. „Ich bin hier sehr freundlich aufgenommen worden“, sagte die 25-Jährige, die  beruflich in Malente Neuland betritt. „Das ist meine erste Wald-Kita, aber da ich sehr naturverbunden bin, ist das Fundament bereits gelegt.“ Sie stamme aus einer sehr jagdbegeisterten Familie und habe daher schon als Kind viel Zeit in der Natur verbracht.

Liegmann drückte der Elterninitiative, aus deren Reihen kein Vertreter anwesend war, ausdrücklich seinen Dank für Aufbau und langjährige Führung  der Kita aus. „Diese hat sehr gute Arbeit geleistet.“ Bis dahin sei alles ehrenamtlich getragen worden: „Das kann man nicht hoch genug bewerten“, bekräftigte Liegmann.

Zu Beginn der Feierstunde hatte Marianne Unger, Fachbereichsleiterin Kindertagesstätten beim Kinderschutzbund, die Vorzüge der Wald-Kita herausgestellt. Hier werde den Kindern ganz viel vermittelt und zugleich könnten sie sich austoben. Marianne Ungers Fazit: „Eltern, die ihr Kind in eine Wald-Einrichtung schicken, machen keinen Fehler.“ Das untermauerte Kinderschutzbund-Vorsitzende Mechthild Piechulla mit Erfahrungen, die sie mit ihren eigenen Kindern im Wald gemacht habe: „Die Kinder hatten so viel zu entdecken und haben viel gelernt“, erinnerte sie sich. Als Geschenk überreichte sie zwei Lupen, mit denen die Kinder Dinge im Wald noch genauer betrachten könnten.

Alles gut also mit der Wald-Kita? Noch nicht ganz. Mit dem zum Jahresende bevorstehenden Aus der CJD-Produktionsschule verliert die Einrichtung ihr bisheriges Ausweichquartier für schlechte Wetterlagen. Dieses  ist grundlegend für die Betriebserlaubnis der Kita. Eine mögliche Lösung liegt im Wortsinn nahe, wie Liegmann vor Pressevertretern erläuterte. Er erinnerte an ein Vorhaben, das er bereits bei der Verkündung der Übernahme im März skizziert hatte. Der Kinderschutzbund betreibe im Forstweg mit dem Janusz-Korczak-Haus unmittelbar am Bergengehölz ein Mädchenheim. Dort sei Platz für ein Ausweichquartier.

Tanja Rönck machte Mut, dass genehmigungsrechtliche Hürden beiseite geräumt werden können: „Das kriegen wir auch noch hin“, sagte die Bürgermeisterin. Das neue Ausweichquartier wird aber nach Liegmanns Einschätzung nicht mehr rechtzeitig, also bis zum Jahresende, stehen. Als „Zwischenlösung“ hat er Räume der Offenen Ganztagsschule in den Blick genommen. Diese wird ebenfalls vom Kinderschutzbund Ostholstein betrieben.

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