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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 14:20 Uhr

Quittung für Untreue und Betrug

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Haftstrafe für 58-Jährigen. Er hatte Feriengäste abgezockt und eine von ihm verwaltete Wohnungseigentümergemeinschaft geprellt

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2017 | 13:05 Uhr

Wegen Untreue und gewerbsmäßigen Betrugs hat das Eutiner Schöffengericht gestern einen 58-Jährigen zu anderthalb Jahren Haft verurteilt. Der geständige Mann bediente sich nach Überzeugung des Gerichts in 60 Fällen unberechtigt an zwei Konten einer Wohnungseigentümergemeinschaft in Scharbeutz, für die er als Verwalter tätig war. Außerdem räumte er ein, in neun Fällen Feriengäste betrogen zu haben.

Im Internet gaukelte der Mann vor, in Scharbeutz über Ferienwohnungen zu verfügen, und ließ sich deren Vermietung vorab bezahlen. Vor Ort stellten die Betrogenen fest, dass es die Unterkünfte gar nicht gab oder dass sie schon belegt waren. Den Schaden aus allen 69 Taten bezifferte die Staatsanwältin auf gut 80  000 Euro.

Dreist: Der Mann hatte vom Landgericht Lübeck bereits eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung kassiert. Doch just an dem Tag, als das Urteil Anfang 2013 fiel, beging er schon den ersten der nun abgeurteilten Betrugsfälle. Daher kam für das Gericht unter Vorsitz von Amtsrichter Otto Witt auch keine Bewährung in Frage.

Die in Eutin verhandelten Taten endeten 2015. Danach verschwand der Angeklagte in der Ukraine. Nach eigenen Angaben geriet er dort in die Wirren um die russische Besetzung der Krim und konnte seine Ausreise erst mit Hilfe eines russischen Rechtsanwalts herbeiführen. Keinesfalls habe er sich seiner Strafe entziehen wollen, beteuerte der gebürtige Hamburger. Eine Miliz habe seinen Reisepass und den seiner Frau bei der beabsichtigten Ausreise in brennende Ölfässer geschmissen. Seine Frau habe er in der Ukraine zurücklassen müssen.

Zur Verhandlung war der Mann gut gekleidet im Anzug aus der Justizvollzugsanstalt Wilhelmshaven angereist, wo er die Haftstrafe derzeit als Freigänger verbüßt. Freigänger zu bleiben, war ihm besonders wichtig, außerdem drang er darauf, dass beide Haftstrafen nach einer Verbüßung von zwei Dritteln in Bewährungsstrafen umgewandelt würden. Beides erreichte der Verteidiger des Angeklagten in einer rund einstündigen „Verständigung“ mit Staatsanwaltschaft und Gericht hinter geschlossenen Türen. Dabei telefonierte Witt sowohl mit der JVA Wilhelmshaven als auch dem dortigen Gericht. Auch das Strafmaß von anderthalb Jahren war Gegenstand der Verständigung.

Zunächst hatte der Angeklagte zu den Taten geschwiegen und seinen Verteidiger lediglich eine Erklärung zu seiner Entlastung verlesen lassen. Das im Gegenzug zu den Zugeständnissen folgende Geständnis fiel dann extrem knapp aus. „Die Taten werden eingeräumt“, teilte der Verteidiger lediglich mit.

Dem Gericht genügte das. Witt führte das Geständnis in seiner Urteilsbegründung als strafmildernd an. „Man muss fragen, was erspart der Angeklagte letztlich der Staatskasse.“ Ohne Geständnis wäre wohl eine umfangreiche Beweisaufnahme mit zahlreichen Zeugen nötig gewesen. Ebenfalls strafmildernd: Die Taten lägen bereits recht lange zurück und der Angeklagte sei bereits seit rund einem Jahr in Haft. „Ich denke, dass Sie dadurch nachhaltig beeindruckt sind“, sagte Witt.

Unterm Strich werde der Angeklagte deutlich über zwei Jahre in Haft sein. Aus den Worten des Amtsrichters ging allerdings auch hervor, dass der Mann mit dem Urteil gut fährt. Witt sprach zwar von einer „angemessenen Gesamtfreiheitsstrafe“. Diese sei aber „an der unteren Grenze dessen angesiedelt, was man vertreten kann“.

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