Schönwalde : Puppen-Schätze in Dorfmuseum

Eine echte Rarität brachte Brigitte Herse (links) der Expertin Angelika Salzwedel zur Puppensprechstunde mit: Ein Käte-Kruse-Puppe im blauen Kleidchen. Dabei hatte sie auch zwei Puppen aus der Manufaktur ihrer Schwester Elfriede.
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Eine echte Rarität brachte Brigitte Herse (links) der Expertin Angelika Salzwedel zur Puppensprechstunde mit: Ein Käte-Kruse-Puppe im blauen Kleidchen. Dabei hatte sie auch zwei Puppen aus der Manufaktur ihrer Schwester Elfriede.

Brigitte Herse aus Malente präsentierte der Expertin Angelika Salzwedel eine sehr seltene und wertvolle Käte-Kruse-Puppe.

shz.de von
29. September 2015, 18:00 Uhr

Es ist einer dieser seltenen Momente, den Angelika Salzwedel am Sonnabend im Schönwalder Museum erlebt: Zum dritten Mal ist die Expertin aus Itzehoe zu einer Puppensprechstunde in den Bungsbergort gefahren.

Dort lernt sie die Malenterin Brigitte Herse kennen, die mit einer Käte-Kruse-Puppe gekommen ist – und die Expertin kann ihre Begeisterung kaum zügeln: „So eine Puppe hatte ich in den 15 Jahren meiner Tätigkeit noch nicht in der Hand. Das ist eine Rarität, die es sonst nur in Museen gibt.“

Für Brigitte Herse ist „Marlenchen“ einfach nur ihre geliebte Schmusepuppe, die sie mit zwei Jahren geschenkt bekam und über die Wirren des Krieges bewahrte. Dass sie nach vorsichtigen Schätzung Salzwedels mehre tausend Euro wert ist, gerät da zur Nebensache.

Insgesamt ist der Sammlermarkt für alte Puppen in den vergangenen Jahren
zusammengebrochen. Eine „Strampelchen“ aus dem
bekannten Hause Schildkröt brachten es vor zehn Jahren auf einer Auktion noch auf 280 Euro. Der Ankaufspreis liege heute bei höchstens einem Drittel, sagt Salzwedel.

Von dem Preisverfall können Karin und Klaus Schubert aus Dahme ein Lied singen. Sie kommen mit drei Kartons ins Dorfmuseum. Darin nur ein Teil ihrer Sammlung, die sie nach ihrem Umzug von Niedersachen an die Ostsee auflösen möchten. Sie werden kaum das erzielen können, was sie einmal bezahlt haben, lautet das Urteil der Expertin. Sie schätzt für die zwei besten Stücke aus den drei Kartons: 60 bis 80 Euro, auf einem Antikmarkt vielleicht auch 120 Euro. Es sei aber genauso möglich, dass man nur noch 30 Euro geboten bekomme, dämpft die Fachfrau die Erwartungen.

Mit Puppen aus dem Hause Käte Kruse ließen sich noch bessere Preise erzielen. Das Exemplar von Brigitte Herse hat noch drei Kopfnähte und einen Daumen mit sogenannter Froschnaht. Beides zusammen macht sie zur absoluten Rarität.

Brigitte Herse sorgt aber noch auf andere Weise für Begeisterung. Ihre Schwester Elfriede Herse stellte bis 1953 in Malente Puppen ähnlich denen von Käte Kruse her. Einen Prototyp des ab 1943 produzierten Wichtels „Puck“ hatte Brigitte Herse mitgebracht.

Ihrer Schwester war Bildhauerin und Holzschnitzerin mit einer Ausbildung an der Kieler Kunsthochschule, berichtete Brigitte Herse. In den Kriegsjahren war sie zunächst von Freunden und
Bekannten gebeten worden, Puppen herzustellen. Die ersten Köpfe waren aus Ton modelliert und mit Nylonstrümpfen überzogen, um sie kuscheliger zu machen.

1945 bis 1947 bestand dann eine kleine Manufaktur, die auf Bestellung über eine Buchhandlung produzierte. Die größte Herausforderung war die Materialbeschaffung, die Elfriede Herse mit viel Fantasie gemeistert habe: Für die Körper wurden Stoffreste und als Füllung Rehhaare verwendet. Die seidig glänzenden Haare stellte Herse aus Zuckersäcken her, die mühsam zu Fäden aufgelöst und dann zu Perücken geknüpft wurden.

Viele Puppen verbergen ihre Geheimnisse im Inneren oder zumindest unter Kleidern. So auch die von Brunhilde Lange aus Neustadt.
Ihre „junge Dame“, die einst als Tauschobjekt für Medikamente den Weg zu ihr fand, begeisterte die Puppenexpertin mit einem Lederkörper, den sie vor 1900 datierte. Die durch Feuchtigkeit entstandene Beschädigung im ansonsten ausdrucksvollen Gesicht schmälert allerdings den Wert der Puppe erheblich. Sie dient wohlmöglich nur noch als Ersatzteillager.
 Mit dem Wert ihrer zwei Puppen hat die Schönwalderin Erika Schildknecht nicht gerechnet. Sie wollte eigentlich nur etwas zu Alter und Geschichte der Erbstücke ihrer Mutter erfahren, bevor sie die beiden ihrer Schwiegertochter geben möchte.

Angelika Salzwedel stellte fest, dass es Puppen von 1898 und 1911 seien. Die würden im Falle einer Veräußerung durch ein renommiertes Auktionshaus 1800 bis 2400 Euro erzielen, vor allem die hochwertige und erhaltene Kleidung trage zu diesem Wert bei.

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