Prozess eingestellt: Bruder soll Schwester um rund 100 000 Euro betrogen haben

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22. Juli 2015, 12:45 Uhr

Erwin W.* (76) kann es kaum fassen: Jahrelang hat er sich um seine Schwester (heute 80), ihr Vermögen und Anwesen gekümmert. „Das habe ich meinem Schwager auf dem Sterbebett versprochen. Uns verbindet eine innige Liebe seit Kindertagen“, sagte Erwin W. Jetzt musste er sich vor dem Eutiner Amtsgericht wegen Verdacht der Untreue in mehr als 100 Fällen verantworten. Insgesamt soll er seine vermögende Schwester um rund 100  000 Euro betrogen haben. Wie kam es dazu? Die Probleme begannen als die Gutachter bei ihr eine schwere Demenz diagnostizierten und die Vollmachten an den Bruder, die elf Monate vor diesen Gutachten notariell beglaubigt wurden, für nichtig erklärten. Begründung: Schon damals soll eine schwere Demenz vorgelegen haben.

Doch ihre Geschäftsfähigkeit beurkundeten die Notare damals rechtswirksam. Auch Erwin W. sagt: „Da war sie noch völlig normal.“ Schon vorher habe es Vereinbarungen gegeben, die ihn bevollmächtigten, die Geschäfte in Kiel zu führen, als Hausmeister tätig im Anwesen zu sein und sich Geld zu überweisen, was er für seine Aufwendungen benötigte. Auch sei seine Schwester sehr spendabel seinen Kindern gegenüber gewesen, finanzierte den Tennis- und Nachhilfeunterricht. Erwin W.: „Meine Kinder sind ihre Kinder.“ Ein Testament von 2004 machen ihn und seine Kinder zum Alleinerben. Den gesetzlichen Betreuer und die Nachprüfungen der Konten soll die jüngere Schwester veranlasst haben. Sie habe versucht durch gefälschte Unterlagen, so Erwin W.’s Vorwurf, 75  000 Euro vom Konto der Schwester zu verschaffen. Richter Otto Witt stellte das Verfahren gestern gegen Erwin W. ein: „Hier ist Recht gesprochen worden, ich habe meine Schwester nicht betrogen.“ Der Zivilprozess läuft in der Sache noch.

*  Name geändert

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