Protest gegen Entlassungen

Beifall spendete die Belegschaft der Betriebsratsvorsitzenden Cornelia Horn (3.v.r.) für aufmunternde Worte.
Beifall spendete die Belegschaft der Betriebsratsvorsitzenden Cornelia Horn (3.v.r.) für aufmunternde Worte.

Kendrion-Kuhnke Automotive: Belegschaft will geplanten Abbau von 50 Arbeitsplätzen nicht hinnehmen

shz.de von
04. Juli 2018, 11:41 Uhr

„Keine Entlassungen jetzt!“, „Soziale Verantwortung jetzt!“, „Investitionen jetzt!“, „Standortsicherung jetzt!“: Mit diesen Forderungen haben große Teile der etwa 230 Mitarbeiter starken Belegschaft von Kendrion-Kuhnke Automotive gestern Nachmittag vor dem Hauptgebäude des Malenter Betriebs gegen die Ankündigung der niederländischen Konzernspitze protestiert, 50 Arbeitsplätze in Malente zu streichen. „Die Motivation unserer Kollegen ist am Boden“, klagte Betriebsratsvorsitzende Cornelia Horn. Der neue Geschäftsführer der Malenter Automotive-Sparte, Joep van Beurden, zugleich Konzernchef, müsse wieder neues Vertrauen aufbauen, forderte sie.

Seitdem Kendrion im Mai 2013 bei Kuhnke eingestiegen sei, habe es immer wieder Entlassungen gegeben, kritisierte Cornelia Horn. In den vergangenen fünf Jahren seien etwa 70 Stellen abgebaut worden, so dass die Belegschaft einschließlich der Sparte Automation auf derzeit 400 Mitarbeiter geschrumpft sei.

Am Sinn des nun geplanten Stellenabbaus zweifelte Daniel Friedrich, Geschäftsführer der IG Metall Lübeck-Wismar. „Das kann nicht überzeugen“, sagte er mit Blick auf die beabsichtigte Schließung des Bereichs Betriebsmittel, der etwa Produktionsstraßen aufbaue oder Produktmuster fertige. „Was geschieht, wenn die Produktion stehen bleibt?“, fragte Friedrich. Dann bleibe auch die Produktion beim Kunden stehen. Die Ausbildung werde ebenfalls leiden, warnte Jugendausbildungsvertreter Mats-Ole Hansing.

Betriebsrat und Gewerkschaft wollen am Mittwoch, 18. Juli, Verhandlungen über die Zukunft des Standorts aufnehmen. Weitere Treffen sind für August und September verabredet. Statt Entlassungen forderte Friedrich Investitionen. „Seit Kendrion in Malente eingestiegen ist, hat es kein neues Produkt gegeben“, bemängelte er. Derzeit laufe die Produktion zwar „wie geschnitten Brot“. Doch was passiere, wenn die Produkte 2020/2021 ausliefen, sei offen.

Der Demonstration ging eine Betriebsversammlung voraus, in der van Beurden für die Umbaupläne warb. Ronny Splettstößer, Kaufmännischer Leiter im Automotive-Bereich, erklärte im Anschluss, die Geschäftsführung sei „absolut gesprächsbereit, Input vom Betriebsrat aufzunehmen, um ein zukunftssicheres Geschäftsmodell zu erarbeiten.“ Er bekräftigte zugleich die Strategie, sich auf die Produktion sowie Sound und Elektronik zu fokussieren. Mit dem dort vorhandenen Sachverstand solle in Malente eines von unternehmensweit drei Kompetenzzentren entstehen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen