Projekt „Uhlenbusch“ abgelehnt

Enttäuscht: Caroline und Ulrich Reimann sind mit ihrem Projekt Uhlenbusch abgeblitzt.
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Enttäuscht: Caroline und Ulrich Reimann sind mit ihrem Projekt Uhlenbusch abgeblitzt.

Gemeindlicher Bauausschuss sprach sich gegen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Seekoppel aus

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25. Juni 2014, 10:37 Uhr

Andere Gemeinden würden jubeln, Bosau lehnt ab. Das 7 Millionen Euro-Projekt „Uhlenbusch“ ist vom Tisch. Der gemeindliche Bauausschuss lehnte einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan ab.

Vier Initiatoren – darunter Caroline und Ulrich Reimann aus Bosau – planten auf der fünf Hektar großen Seekoppel den Bau des Seniorendorfes „Uhlenbusch“, das älteren Menschen ein würdevolles Leben bis zum Ende ermöglichen sollte. Auf der Seekoppel an der Stadtbecker Straße sollte eine autarke, altersgerechte und autofreie Siedlung mit 30 zum Teil zu mietenden oder zu kaufenden Häusern für zusammen etwa 45 bis 50 Menschen entstehen.

Schon in einer Dorfschaftsversammlung am 16. Mai mit rund 120 Teilnehmern (der OHA berichtete) blies den Initiatoren und Planern ein heftiger Wind ins Gesicht. Das setzte sich Dienstag in der Einwohnerfragestunde fort. Es wurde nach Vorteilen des Seniorendorfes für die Gemeinde Bosau gefragt und Bedenken geäußert, dass aus dem Seniorendorf ein Feriendorf oder gar ein „normales“ Wohnprojekt werden könnte. Steigende Sozialkosten durch mehr Senioren in Dorf oder Ärztemangel in Bosau wurden ebenso befürchtet wie fehlende Transparenz kritisiert.

Bürgermeister Mario Schmidt freute sich, mit dem Seniorendorf mehr Wohnraum für Senioren in Bosau zu schaffen. Ältere Bosauer könnten im Dorf bleiben
und müssten sich keine seniorengerechten Wohnungen suchen. „Durch das Projekt kommen auch neue Einwohner nach Bosau“, wies Schmidt auf die prognostizierte demografische Entwicklung hin und forderte eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Es gebe in der Gemeinde zwei Ärzte, die noch Kapazitäten frei hätten. „Heute kauft sich ein 60-Jähriger ein Mountain-Bike und keinen Rolllator“, wies er auf die Fitness Älterer hin. Und bei späterer Pflegebedürftigkeit gebe es ambulante Pflegedienste. In einem vorhabenbezogenen B-Plan ist nach den Worten Schmidts eine Umwidmung des Seniorendorfes in eine Ferienhaussiedlung nicht möglich.

Heftig ins Gericht ging Max Plieske (Grüne) mit Bosaus Dorfvorsteherin Pamela Lepeschka. Sie habe im Namen und Briefkopf aber offenbar nicht mit Zustimmung des Dorfvorstandes einen Brief an die Gemeinde geschrieben und darin die Senioren beleidigt. Sie fürchtete darin, dass die Jungen von den Alten in Bosau überstimmt werden könnten oder dass Alte Bosau dominieren. Senior Plieske: „Ich bin erschüttert und erwarte eine Entschuldigung gegenüber den Bosauer Senioren.“

Pamela Lepeschka stellte gestern im OHA-Gespräch klar, dass sie in einem Anschreiben mit Briefkopf auf eine Anlage mit Zitaten aus dem Dorf hingewiesen habe. Das seien weder ihre noch die Worte des Dorfvorstandes. Plieske habe den Brief falsch gelesen.

Planer Andreas Nagel aus Bad Schwartau stellte die „Uhlenbusch“-Planungen vor und ergänzte, dass der Eigentümer der Seekoppel noch eine kleine Ecke für den Bau eines Hauses haben wollte. Darauf waren auch schon Ausschussmitglieder gestoßen und skeptisch geworden. „Diese Ecke des Grundstückes wird von den Investoren nicht gekauft“, versicherte Ulrich Reimann. Doch es half alles nichts: Das Projekt „Uhlenbusch“ starb schon im Bauausschuss.

„Ich habe das Projekt seit sechs Jahren im Kopf“, sagte ein enttäuschter Ulrich Reimann, der mit seiner Frau nach „Shitstorm“ im Internet und etlichen unschönen Beleidigungen jetzt seine Zelte in Bosau am liebsten abbrechen möchte. Die vier Initiatoren hätten allein in der Gemeinde Bosau fünf Möglichkeiten für das Seniorendorf ausgelotet und viele Arbeitsstunden investiert. „Wir fühlen uns hier total missverstanden“, sagte Caroline Reimann. Das Seniorendorf werde jetzt bestimmt woanders entstehen.

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