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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 07:06 Uhr

Projekt Milchkanne geht auf die Dörfer

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Fortbildungsakademie der Wirtschaft legt in Eutin eines von zwölf neuen Projekten für Langzeitarbeitslose auf / Minister Meyer brachte Zuwendungsbescheid

von
erstellt am 10.Apr.2017 | 13:28 Uhr

„Da kommt ja das Milchmädchen“: So ist Britta Müller schon begrüßt worden, erzählt die Leiterin des Projektes „Milchkanne – Berufliches Coaching wohnortnah“. Das Wort Milchkanne bedeutet allerdings nicht, dass sich dieses Projekt für Langzeitarbeitslose nur an Betroffene aus der Landwirtschaft richtet.

„Es war unser Arbeitstitel, weil wir uns vorgenommen haben, Menschen in den ,Milchdörfern‘ abzuholen, so wie dort früher die Milch abgeholt wurde“, erläutert Gudrun Zubke-Höpel. Sie ist Leiterin der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Lübeck, die zu Jahresbeginn einen Standort in Eutin eröffnet hat und das Projekt umsetzt. Der Titel sei geblieben, weil man keinen besseren gefunden habe.

Die Milchkanne gehört zu zwölf neuen Modellprojekten, die im Rahmen des „Landesprogramms Arbeit“ die Integration von Langzeitarbeitslosen zum Ziel haben. Finanziert werden sie vom Land und aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Stellvertretend für alle neue Projekte überreichte Arbeitsminister Reinhard Meyer (SPD) am Montag einen Zuwendungsbescheid in Eutin: Knapp 440  000 Euro stehen der FAW für zwei Jahre zur Verfügung.

Der Projektbereich sind, wie Britta Müller und Gudrun Zubke-Höpel erläuterten, die Stadt Eutin und die Gemeinden Malente, Süsel, Bosau und Ahrensbök. Mit dem Projekt „Milchkanne“ wolle man das Problem „der strukturell bedingten Langzeitarbeitslosigkeit im ländlichen Raum“ durch wohnortnahe Einzelbetreuung begegnen.

Mit Hilfe des Jobcenters sollen „Kunden“ angesprochen werden. Erster Schritt: Eine Bestandsaufnahme in Gesprächen mit Sozialpädagogen. Für diese Treffen werden in Ahrensbök das Haus der Jugend und das Rathaus genutzt, in Süsel das Rathaus, in Bosau das Haus des Gastes und in Malente das Awo-Bürgerhaus.

„Wer es nicht schafft, aus seinem Dorf dorthin zu kommen, den besuchen wir natürlich auch zu Hause“, sagt Zubke-Höpel. Doch eine Mobilisierung sei Teil der Betreuung.

Den Gesprächen sollen Seminare folgen, in denen die Teilnehmer aktiviert oder ihre Kenntnisse vertieft werden. Acht Module werden angeboten, sie reichen von beruflicher Orientierung über Computer-Grundkenntnisse bis zu Bewerbungstraining, berufspraktischer Erprobung oder beruflichen Kenntnissen.

In möglichst neun Monaten sollen Menschen wieder an eine regelmäßige Arbeit herangeführt und in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter möglichst auch eine Arbeitsstelle gefunden werden. „Ein Grundsatz ist die freiwillige Teilnahme“, betont Britta Müller. 17 Betroffene seien bereits in der Betreuung, insgesamt 100 sollen es nach zwei Jahren sein. Gesetztes Ziel: Jeden dritten Teilnehmer wieder in geregelte Arbeit zu bringen.

Die meisten der bisher gefundenen „Kunden“ seien Männer um die 40. „Fast alle haben sehr viele Geschwister, das ist richtig auffällig“, schildert Britta Müller ihre Beobachtung. Eine enge familiäre und soziale Einbindung befördere aber häufig anhaltende Arbeitslosigkeit.

Die zwölf neuen Modellprojekte hätten sehr unterschiedliche konzeptionelle Ansätze, sagte Minister Meyer, aber alle seien passgenaue Angebote zur Eingliederung von langzeitarbeitslosen Menschen. Rund fünf Millionen Euro stünden dafür zur Verfügung.

Der Erfolg der bisherigen Reihe von insgesamt 27 Projekten stimme optimistisch: Seit August 2014, dem Beginn der neuen ESF-Förderperiode, habe sich in Schleswig-Holstein die Zahl der Langzeitarbeitslosen von etwa 37  700 auf knapp 33  300 deutlich verringert. „Mit passgenauen Angeboten wollen wir auch langzeitarbeitslose Migranten und Flüchtlinge bei der Arbeitsmarktintegration unterstützen. Entsprechende Projekte bieten die Türkische Gemeinde in Kiel und Neumünster sowie die Fortbildungsakademie der Wirtschaft in Lübeck an“, sagte Meyer zu den zwölf neuen Projekten.


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