zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 01:18 Uhr

Prognose kein „Damokles-Schwert“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Landrätin Stephanie Ladwig im OHA-Interview zur kritisierten „Kleinräumigen Bevölkerungs- und Haushaltsprognose Kreis Plön“

von
erstellt am 31.Okt.2014 | 13:07 Uhr

Die „Kleinräumige Bevölkerungs- und Haushaltsprognose Kreis Plön“ hat für Gemeinden mehr Fragen aufgeworfen als Hinweise ergeben. In einem OHA-Gespräch hebt Landrätin Stephanie Ladwig hervor, dass die Prognose „nur“ als Orientierungsrahmen für zukünftige Aktivitäten im Bereich der Stadt- und Wohnungsmarktentwicklung zu betrachten sei. „Auf jeden Fall ist die Gewos-Prognose keine ,Verhinderungsprognose’ für den Kreis Plön“, sagt Ladwig. Sie sollen den Kommunen helfen, sich detailliert mit dem demografischen Wandel zu beschäftigen, um eigene Gestaltungsmöglichkeiten zu finden.

OHA: Die vom Kreis in Auftrag gegebene Gewos-Prognose 2030 hat offensichtlich nicht alle Kommunen begeistert. Sie beklagen, dass die zu Grunde gelegten Zahlen (zum Beispiel der Einwohner) nicht aktuell sind. Ist die Kritik berechtigt?

Landrätin Stephanie Ladwig: Wir nehmen die kritischen Anmerkungen sehr ernst. Wir haben mit den Bürgermeistern aus Heikendorf und Lütjenburg ein Erörterungsgespräch geführt. Hier wurde deutlich, dass die Prognose als statistische Grundlage und Erkenntnisquelle zur Steuerung durchaus hilfreich sein kann. Außerdem haben wir mit Unterstützung der Firma Gewos die Methodik der Prognose genauer dargestellt. Es ist den Kritikern zuzugestehen, dass es eine intensive Auseinandersetzung mit dieser sehr komplexen Berechnung bedarf, um die Aussagen der Prognose richtig einschätzen zu können. Es wurden keine „selbst erstellten“ oder geschätzten Daten verwendet. Der Betrachtungszeitraum der Grundlagendaten für die Prognose betrug insgesamt fünf Jahre (2008 bis 2012). Für mich steht nach den konstruktiven Gesprächen mit den beiden Bürgermeistern fest, dass wir allen Gemeinden noch nähere methodische Informationen und aussagekräftigere Tabellen nachliefern werden.

Haben die Prognostiker sich direkt in den Gemeinden und Städten über die Verhältnisse informiert?
Die Prognose wurde in einer komplexen mathematischen Berechnung und nach einem anerkannten Verfahren vorgenommen. Neben den Einwohnerzahlen flossen auch der Wanderungssaldo, Wohnungsbestand, Flächenpotentiale, Geburten- und Sterbeziffern in die Berechnung ein. Die Daten wurden alle vor Ort bei den Ämtern abgefragt. Einzelgespräche waren innerhalb des Erarbeitungsprozesses nicht vorgesehen und aus Sicht von Gewos weder erforderlich noch üblich. Auch andere Kreise haben nach diesem Verfahren Prognosen erstellen lassen.


Das Ergebnis der Gewos-Prognose wird in vielen Kommunen angezweifelt. Die Erwartungen in Heikendorf zum Beispiel stehen sogar in diametralem Widerspruch zu der Prognose. Wie erklären Sie sich das?

Die Prognose bildet auf Grundlage der Entwicklung der letzten fünf Jahre die derzeit wahrscheinlichste Entwicklung in den einzelnen Gemeinden ab. In Heikendorf gibt es andere Annahmen, in welchem Ausmaß der „Kieler Umland-Effekt“ zu Zuzügen führen wird. Natürlich hätte ich „gefühlt“ ebenfalls die Einschätzung abgegeben, dass die Region an der Kieler Förde einen stärkeren Bevölkerungszuwachs hat, als es jetzt in der Prognose dargestellt ist. In Kürze nur soviel: Das Gewos Institut hat Heikendorf bereits mit einem Regionalfaktor berechnet, der Kiel als Nachbarn berücksichtigt. Die Entwicklung Heikendorfs der letzten fünf Jahre deutet danach nicht darauf hin, dass mit starken weiteren Zuzügen zu rechnen ist. Heikendorf selbst rechnet perspektivisch mit weiteren Zuzügen, wenn genug Wohnraum vorhanden wäre. Beiden Ansichten kann ich etwas abgewinnen.


Wie wird der Kreis Plön mit der Gewos-Prognose arbeiten?

Mir ist es wichtig, dass die Prognose wie alle anderen Bevölkerungsdaten auch nicht als Einschränkung, sondern als Arbeitsgrundlage zu sehen sind. Das Papier ist nur eine zusätzliche Erkenntnisquelle, um den Gemeinden, die die Planungshoheit innehaben, die Abschätzung künftiger Bedarfe zu ermöglichen. Wie das Beispiel Heikendorf zeigt, können weiterhin unterschiedliche Schlussfolgerungen aus den vorliegenden Zahlen gezogen werden.


Welchen Einfluss wird die Gewos-Prognose auf von Kreis oder Land zu genehmigende Vorhaben - zum Beispiel im Wohnungsbau - der Kommunen haben?

Diese Frage greift die Befürchtungen vieler Bürgermeister auf, dass der Kreis jetzt diese Prognose wie ein Damoklesschwert über alle gemeindlichen Planungsvorhaben hängt. Auch aus dem politischen Bereich in der Stadt Plön habe ich im Zusammenhang mit dem Seewiesen-Projekt schon derartige Sorgen vernommen. Diese Sorgen kann ich den Verantwortungsträgern nehmen. Keinesfalls ist die Prognose als „Verhinderungsprognose“ gedacht. Keine Gemeinde muss deswegen ihre Planungen ändern. Im Rahmen von Planungsvorhaben haben die Fachleute vor Ort die Möglichkeit, Sondereffekte, wie Firmenniederlassungen, Bahnprojekte oder andere Maßnahmen, im Rahmen von schlüssigen Abwägungen anzuführen.

Welche politischen Weichenstellungen empfehlen Sie auf der Grundlage des Gewos-Gutachtens?

Das Fazit lässt sich in zwei Punkten zusammenfassen: Die Prognose ist „nur“ als Orientierungsrahmen für zukünftige Aktivitäten im Bereich der Stadt- und Wohnungsmarktentwicklung zu betrachten. Wenn sich Rahmenbedingungen kurzfristig ändern, ist es immer ratsam, die Prognose in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren und damit auf die kurzfristigen Entwicklungen zu reagieren. Wenn man den Ergebnissen der Prognose aber folgt, ist die logische Handlungsempfehlung für die Gemeinden, sich detailliert mit den Entwicklungen auseinander zu setzen, um gegebenenfalls gegenzusteuern und eigene Gestaltungsmöglichkeiten zu finden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen