Produktionsschulen werben für dauerhafte Finanzierung

Die Produktionsschüler in Malente hatten sich ordentlich ins Zeug gelegt, um ihren Gästen ein angenehmes Picknick zu ermöglichen.
Die Produktionsschüler in Malente hatten sich ordentlich ins Zeug gelegt, um ihren Gästen ein angenehmes Picknick zu ermöglichen.

shz.de von
06. Juni 2018, 14:02 Uhr

Ein fruchtiger Drink und anschließend leckere Häppchen – so begrüßte die Produktionsschule Ostholstein des CJD an der Malenter Godenbergstraße gestern geladene Gäste zu einen Picknick – bei bestem Sommerwetter ließ sich die Zeit auf dem Gelände der seit über zehn Jahren im Kneippheilbad bestehenden Einrichtung genießen. Die Aktion diente jedoch nicht vordringlich dem Zeitvertreib, sondern war Teil eines bundesweiten Aktionstages, an dem sich 60 Produktionsschulen beteiligten. Motto: „Jeder verdient eine dritte
Chance.“

„Wir sind das Angebot für alle Schüler, die es nicht im normalen Bildungssystem geschafft haben“, sagte Antje Hornburg, Fachbereichsleiterin Berufliche Bildung beim CJD Nord in Waren (Mecklenburg-Vorpommern). Sie begrüßte etwa zehn Gäste, darunter die
SPD-Landtagsabgeordnete Regina Poersch, Eutins Bürgervorsteher Dieter Holst, den örtlichen Dehoga-Vorsitzenden Harry Heinsen und den stellvertretenden Leiter des Jobcenters Ostholstein, Karl-Hermann Paulsen. Oft spielten bei den Schülern psychologische Probleme, Suchtverhalten oder Schwächen bei sozialen Kompetenzen eine Rolle, erklärte Antje Hornburg. Sie blieben ein bis zwei Jahre und könnten auch den Schulabschluss nachholen. Im besten Fall würden sie in eine Ausbildung oder eine Arbeit vermittelt. „Wenn jemand eine Suchttherapie beginnt, ist es aber auch schon ein Erfolg.“

Viele Produktionsschüler kämen mit einer Aversion gegen den Schulunterricht. Für sie sei das produktive Lernen sehr wichtig. „Wenn ein Schüler nicht weiß, was er mit dem Satz des Pythagoras anfangen soll, zeigt der Mitarbeiter ihm in die Holzwerkstatt, wieso der wichtig ist“, erläuterte Antje Hornburg. Etwa 8000 Jugendliche und junge Erwachsene jährlich nehmen nach Angaben des Bundesverbands Produktionsschulen den Weg über eine von bundesweit rund 200 Produktionsschulen.

In Malente stehen bis zu 40 Plätze zu Verfügung. Dort können die Schüler je nach Fähigkeiten in den Bereichen Küche, Hauswirtschaft, Pädagogik und Kreativität und Holz arbeiten. Die Produktionsschüler seien zwischen 16 und 25 Jahre alt, berichtet Arne Niels, Werkstattpädagoge im Holzbereich. Das wichtigste sei, die Schüler durch praktische Arbeiten zu stabilisieren und ihnen auch Theorie zu vermitteln. Der Aktionstag sei auch für die Jugendlichen toll: „Sie können sich zeigen und haben das alles fertig gemacht.“

Finanziert würden die Produktionsschulen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, erläutert Antje Hornburg. Und genau darin liege ein Problematik. Dies sei aber zugleich ein „Riesenproblem“, denn damit sei die Finanzierung nur projektbezogen und müsse immer wieder neu beantragt werden. „Eine Verstetigung der Produktionsschulen ist ganz wichtig“, warb Antje Hornburg. Sie bräuchten eine auskömmliche Finanzierung auf Dauer.

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