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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 03:06 Uhr

Probleme entstehen aus Unkenntnis

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Professor spricht vor Polizisten über Umgang mit Flüchtlingen

von
erstellt am 04.Mai.2017 | 19:13 Uhr

Wer bei dem Vortrag „Flucht, Migration und Polizeiarbeit“ von Prof. Dietrich Köpke einfache Lösungswege erhofft hatte, der irrte. Und wer ein knochentrockenes Referat des Leiters des Hamburger Instituts für Transkulturelle Kompetenz befürchtet hatte, der irrte auch. Denn statt einen penibel geplanten Vortrag zu halten berichtete Köpke in der von Amnesty International und der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung (PD  AFB) organisierten Veranstaltung lediglich Anekdoten und Erlebnisse aus seiner jahrzehntelangen Arbeit sowohl mit Polizisten als auch mit Flüchtlingen. Und streute so nebenbei immer mal wieder einen Satz ein, der hängen blieb und zum Nachdenken anregte.

Seiner Erfahrung nach entstehen viele Probleme zwischen Migranten und der Polizei einfach aus Unkenntnis der jeweiligen Kultur. Etwa wenn Eritreer in Flüchtlingsunterkünften immer nur in einer großen Gruppe auftreten und die Polizisten sich dadurch bedroht fühlen. Er habe mal einen Eritreer gefragt, weshalb das so sei, erzählte Köpke den rund 180 Zuhörern, die meisten davon Auszubildende der Polizei. „Die sind auch in einer Gruppe geflohen und wollen nur aufpassen, was mit ihren Freunden passiert.“

Als schwierig wertet Köpke es, wenn Flüchtlingen einfach Werte wie etwa Gleichberechtigung übergestülpt werden. „Wir verkaufen denen das wie eine Verkehrsregel und erzählen denen nicht, dass das auch bei uns noch immer ein Prozess ist“, so Köpke.

Auch die Erfahrungen, die die Flüchtlinge in ihren Heimatländern und auf der Flucht mit der Polizei gemacht haben, erschwere hier den Kontakt mit den Ordnungshütern. So seien es Syrer etwa teilweise gewohnt, dass es etwas koste, wenn die Polizei gerufen werde. „Die müssen erst lernen, dass sie der Polizei hier vertrauen können,“ erklärte Köpke.

Er habe im Laufe seiner Zusammenarbeit mit der Polizei viele sehr engagierte Polizisten getroffen, so Köpke. Auch hätten mit dem von ihm vermittelten Wissen viele kritische Situationen entschärft werden können. Doch leider gelinge das nicht immer. Köpke schilderte einen Vorfall aus Hamburg, wo die Polizei einer Gruppe von Eritreern gegenüberstand und sich nur noch mit dem Einsatz der Hundestaffel zu helfen wusste. Die Afrikaner jedoch gingen auf die Hunde los und verletzten einige der Tiere schwer. Später stellte sich heraus, dass in Eritrea die Polizei ihre Hunde auf Demonstranten hetze – und es dabei schon Tote gab. „Die Männer kämpften in ihrer Wahrnehmung um ihr Leben“, so Köpke. Leider habe dieses Wissen bei der Polizei nicht zu einer Änderung ihres Vorgehens geführt, beim nächsten Vorfall wurde wieder die Hundestaffel eingesetzt.

Dabei sei eine große Erkenntnis aus seiner Arbeit mit Polizei und Migranten: „Werden Flüchtlinge verstanden, dann wird der Polizei viel Arbeit erspart.“ Auf die Frage aus dem Plenum, woher die Polizei angesichts ihrer bereits bestehenden Arbeitsbelastung die Zeit für die Annäherung an Flüchtlinge nehmen soll, hatte Köpke jedoch auch keine Antwort. „Aber ich habe den Eindruck, dass man hier gar nicht so schlecht aufgestellt ist.“

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