Proben sollen Klarheit bringen

An den festgelegten 17 Messstellen wird eine Wasserprobe genommen – wie hier an der Malenter Au. Fotos: oha
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An den festgelegten 17 Messstellen wird eine Wasserprobe genommen – wie hier an der Malenter Au. Fotos: oha

Nährstoffbelastung in der Malenter Au und ihre Nebengewässer: Projekt beim Wasser- und Bodenverband Schwentine

shz.de von
19. Juli 2018, 17:26 Uhr

Wie steht es um Malenter Au und Co.? Die Nährstoffbelastung der Seen und Fließgewässer mit Stickstoff und Phosphor gerät immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. „Vielfach wird die Landwirtschaft pauschal als Verursacher benannt“, sagt Hanna Kirschnick-Schmidt vom Wasser- und Bodenverband (WBV) Ostholstein. Der WBV Schwentine, der für das Einzugsgebiet der Schwentine im Kreis Ostholstein mit 18 548 Hektar Verbandsfläche und rund 180 Kilometern Verbandsgewässer zuständig ist, bemühe sich seit Jahren um die ökologische Qualität der Gewässer. Die Verbandsgremien (Vorstand und Ausschuss) setzten sich überwiegend aus Landwirten zusammen, insofern sei das Thema Nährstoffbelastung schon wegen der Betroffenheit hochaktuell, so Kirschnick-Schmidt.

Seit Jahren sei der Verband auch bemüht, gewässernahe Flächen oder Gewässerrandstreifen zu erwerben oder vertraglich zu sichern, um sie aus der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen und so den Nährstoff- und Schadstoffeintrag in die Gewässer zu reduzieren. Zu den Maßnahmen zählten die Renaturierung der Malenter Au, die Sohlgleite an der Gremsmühle in Malente und auch die Umgehungsrinne an der Neumühle in Eutin-Fissau. „Eine messbare Verbesserung der Nährstoffsituation in den Gewässern wurde aber noch nicht erreicht“, räumt Kirschnick-Schmidt ein.

Das jüngste Projekt zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie widme sich ganz konkret der Nährstoffsituation in der Malenter Au und ihren Nebengewässern. Über drei Jahre sollen an bis zu 17 verschiedenen Stellen monatlich Wasserproben entnommen und mit Blick auf Phosphor, Stick- und Sauerstoff hin analysiert werden. „Bereits erfolgte Einzeluntersuchungen in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass die Belastung der Gewässerstränge sehr unterschiedlich ist und die jeweiligen Verhältnisse – wie Relief, Nutzung, Witterung – im Einzugsgebiet eine Rolle spielen“, sagt Kirschnick-Schmidt. Dies solle nun anhand der Untersuchungsreihe über drei Jahre konkretisiert werden.

Die Maßnahme koste insgesamt rund 30 000 Euro und werde vom Land Schleswig-Holstein über den Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein zu 100 Prozent aus Landes- und EU-Mitteln gefördert und personell unterstützt.

Die erste Beprobung erfolgte im Juni an 17 festgelegten Messstellen. Dort wurde eine Wasserprobe genommen und noch vor Ort auf die Parameter Leitfähigkeit, Temperatur, Sauerstoffgehalt und pH-Wert untersucht. Die Wasserproben werden in Fläschchen abgefüllt und noch am selben Tag ins Labor gebracht, wo die Nährstoffbelastung ermittelt wird. Abschließend erfolgt die Abflussmessung, um dann aus den gemessenen Konzentrationen und der Wassermenge die Nährstofffracht zu ermitteln.

„Die Ergebnisse zeigen teilweise bereits erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Probeenahmestellen“, so Kirschnick-Schmidt. Ein erster Trend werde sich nach einem Jahr abzeichnen, das Ergebnis nicht nur vom WBV Schwentine mit Spannung erwartet. Verbandsvorsteher Henning Südel, Landwirt aus Nüchel, dazu: „Es ist gut, dass das Projekt nun angelaufen ist und wir endlich konkrete Zahlen erhalten werden. Grundsätzlich alle landwirtschaftlichen Betriebe als ,Umweltverschmutzer’ unter Verdacht zu stellen, ist nicht richtig.“ Die Nährstoffbelastung der Gewässer sei ein Problem und es solle auch nicht bestritten werden, dass die Landwirtschaft hier ihren Anteil habe, so Südel. „Aber bislang fehlen belastbare Zahlen. So spielen auch Einleitungen aus Kläranlagen und Oberflächenentwässerung bei dem Thema Nährstoffeintrag eine Rolle.“

Durch die Untersuchungen sollen nun Erkenntnissen gewonnen und Hauptbelastungsquellen festgestellt werden, „um dann gezielt an Lösungen zu arbeiten, um die Nährstoffsituation in unseren Gewässern zu verbessern“, so Südel.

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