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Privatunterkunft – der bessere Weg in die Gesellschaft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gemeinde erwartet dieses Jahr 113 Flüchtlinge – Gemeinde Süsel informierte

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2016 | 11:00 Uhr

Die Gemeinde Süsel will die Flüchtlinge weiterhin in privaten Unterkünften unterbringen. Das sagte der stellvertretende Bürgermeister Adrianus Boonekamp (CDU) Mittwochabend in der Bujendorfer Schützenhalle vor knapp 90 Gästen aus Bujendorf und Gömnitz. Die Gemeinde rechnet in diesem Jahr mit weiteren 113 Flüchtlingen. Derzeit leben 37 Flüchtlinge in Zarnekau, Röbel, Groß Meinsdorf, Barkau, Ekelsdorf und Süsel. Der Gemeinde stehen zurzeit zwölf Wohnungen für Unterkünfte zur Verfügung, die meisten sind belegt. „Wir wollen zumindest die Hälfte der zu erwartenden Flüchtlinge unterbringen können“, sagte Boonekamp.

Süsel bittet um Wohnungsangebote. „Wenn die Personen privat wohnen und sie mit uns leben, können wir sie besser integrieren“, sagte Boonekamp. Das funktioniere auch bei Alleinreisenden. Wer einen Flüchtling oder eine Familie bei sich aufnehme, werde dabei begleitet, betonte er.

Ob die alte Schule in Gömnitz verkauft sei und dort 20 Flüchtlinge untergebracht würden?, fragte jemand. Boonekamp verneinte, sprach aber von Gesprächen, die geführt worden seien: „Es steht noch überhaupt nichts fest.“ Erfahre Gömnitz davon, wenn das Haus belegt werde?, fragte ein anderer. Boonekamp versicherte: „Sie können sich darauf verlassen, dass, wenn es vorgesehen ist, das Dorf informiert wird.“

Boonekamp schilderte den Ablauf der Zuweisung. Daraufhin äußerte eine Frau, dass die Immobilien an Wert verlören. Sie erntete vereinzelt leicht genervtes Gelächter oder Murren. Es seien andere Faktoren, die den Wert einer Immobilie beeinflussten, als eine ordentliche Füchtlingsfamilie, entgegnete Gemeindevertreter Albrecht Dudy (SPD) ruhig. Die Gemeinde werde in kleinen Dörfern wie Gömnitz dementsprechend weniger Flüchtlinge unterbringen.

Unterkünfte würden von der Kommune sowohl vor dem Ein- als auch nach dem Auszug der Geflohenen zurechtgemacht, wie Boonekamp erklärte. Warum das nicht für deutsche arme Familien gemacht werde?, wollte eine Frau wissen. Eine direkte Antwort erhielt sie nicht. Boonekamp behielt das Thema des Abends im Blick und beantwortete lieber die nächste Frage nach dem Kostenträger: Erst einmal zahle die Gemeinde die Miete. „Sobald eine Wohnung belegt ist, kriegt die Gemeinde das Geld zurück.“

Fragen oder Äußerungen, die zu wenig sachlich waren oder zu gefühlsbetont, wurden nicht direkt beantwortet oder von Zuhörer durch sachliche Formulierungen aufgefangen. „Warum kommen nur junge Männer her?“, entrüstete sich jemand. Ein anderer: „Wir wissen, was Silvester in Köln und andernorts passiert ist. Es entstehen Ängste, und wir haben viele heranwachsende junge Frauen.“ Als
Dorf hätten sie kein Interesse an alleinstehenden Flüchtlingen.

Eine Frau äußerte daraufhin, die Flüchtlinge seien nicht zum Spaß hier. „Acht oder zwölf Menschen in Bujendorf sind keine Schwierigkeit.“ Woher diese Angst komme? „Ich bin ein wenig fassungslos.“ Berührungsängste könne sie verstehen. „Ich mache dann einen Schritt auf die Familien zu“, regte sie an.

Andrea Belitz vom Kinderschutzbund griff den Faden auf, wandte sich an alle: „Was muss passieren, damit Sie Ihre Kinder auf einen unbekannten Weg tausende Kilometer weit entfernt schicken?“ Belitz betreut seit 2009 alleingereiste Jugendliche. Ihr Ziel ist es, die Menschen möglichst schnell selbstständig und mobil zu machen. Der Kinderschutzbund bittet um Fahrräder. Sie können in den Sozialkaufhäusern in Eutin (Ohmstraße 7) und Neustadt (Rosengarten 10) abgegeben werden.

Flüchtlingsbetreuerin Julia Kocks freut sich über Helfer für den Lotsendienst. Kocks ist dienstags von 9 bis 12 Uhr im Rathaus zu erreichen: Tel. 0171/1420900, E-Mail an j.kocks@kinderschutzbund-oh.de.

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