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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 21:01 Uhr

Pressluft sprengt die Rohre frei

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Mitarbeiter der Firma ZVO Energie legen Extra-Nachtschichten ein, um das Trinkwassernetz von Ablagerungen zu befreien

Ein winterlicher Abend um 20 Uhr. Eigentlich Tagesschauzeit. Nicht für Kai-Hellmut Schumann, Karsten Lühr und Ulrich Böttcher von der ZVO Energie GmbH, auch nicht für Rainer Rönnicke von der Rohrreinigungs-Spezialfirma Hammann. Eine Einsatzbesprechung im Wasserwerk von Timmendorfer Strand ist angesagt.

Eine große Ortskarte, in der das gesamte Trinkwasserrohrnetz einschließlich Absperrvorrichtungen eingezeichnet ist, hängt an der Wand. Kai-Hellmut Schumann legt mit den Mitarbeitern die heutige Strecke fest. Welche Strecke? Der Wassermeister gibt Auskunft: „Es geht um die Trinkwasser-Rohrnetzspülung. Natürliche Bestandteile des Trinkwassers, Eisen und Mangan, lagern sich im Trinkwassernetz an den Innenwänden ab und verkleinern so den Rohrdurchmesser.“

Die Anhaftungen werden mit einem sogenannten Impuls-Spülverfahren entfernt. Bei diesem Verfahren wird durch einen Kompressor über einen Hydranten Luft in das Trinkwassernetz gepresst. Das geschieht in Intervallen. Die Zuführung der Luft erfolgt über eine gesteuerte Anlage, in der die Intervalle festgelegt werden. „Für den heutigen Einsatz sind das fünf Sekunden Luft, danach 99 Sekunden Wasser. Durch dieses Gemisch entsteht im Rohrinnern der Effekt einer Bürste. Alles wird blitzsauber“, erläutert Rainer Rönnicke.

Um 21 Uhr bricht das „Spülteam“ auf. Jetzt wird das draußen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt umgesetzt, was zuvor an der Karte besprochen wurde. Karsten Lühr und Ulrich Böttcher schließen hierzu diverse Schieber im Verteilernetz. Rainer Rönnicke setzt den Hydranten, um Luft einzupressen. Dann geht es an ein anderes Ende des Trinkwassernetzes. Auch hier wird ein Hydrant aufgestellt, über den die Ablagerungen mit dem Spülvorgang ausgetragen werden.

Während des Spülvorgangs muss das Wasser für die Anwohner abgestellt werden. Die meisten haben hierfür Verständnis und manchmal bekommen die Mitarbeiter sogar einen heißen Kaffee gebracht. „Aber es gibt auch weniger schöne Situationen, hält Schumann nicht hinter dem Berg. „Einige wollen trotz Ankündigung nicht einsehen, dass bei solchen Arbeiten das Wasser abgestellt werden muss und lassen dann ihrem Unmut freien Lauf. Das geht ab und zu ganz schön unter die Gürtellinie, was wir uns da anhören müssen. Dabei machen wir die Arbeit doch im Interesse der Kunden, die qualitativ hochwertiges, frisches und klares Trinkwasser frei Haus geliefert bekommen“, sagt Schumann.

Insgesamt wurden in der Gemeinde Timmendorfer Strand 72 Kilometer gespült. Dafür benötigten die Mitarbeiter zehn Wochen. Vier Wochen davon wurde ausschließlich nachts gearbeitet, um die Beeinträchtigung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. „Heute sind es 2,6 Kilometer. Bis sechs Uhr morgens dauern die Arbeiten. Danach ist für uns Aufräumen angesagt, bei Frost müssen auch noch
Wege gestreut werden. Und dann geht es endlich ins warme Bett“, beschreiben Karsten Lühr und Ulrich Böttcher ihren Einsatz.

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erstellt am 25.Jan.2014 | 00:31 Uhr

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