zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

19. November 2017 | 13:34 Uhr

Premiere auf dem Wall

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Jesse Luther aus Wittmoldt war am Wochenende vor 25 000 Zuschauern beim Hamburger Derby als jüngster Reiter im Finale am Start

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2016 | 22:48 Uhr

Ein Start beim deutschen Spring- und Dressurderby in Hamburg ist für viele Reiter wie ein Ritterschlag. Für Jesse Luther aus Wittmoldt ist es sogar ein bisschen mehr: Ein großer Schritt in seiner sportlichen Karriere und auch ein Stück Familientradition. Sein Großvater Peter Luther hat 1980 das Derby gewonnen, sein Vater Thies Luther hat es bereits auf Rang vier geschafft. Jetzt hat der 19-Jährige die Tradition fortgeführt und ist mit seinem Schimmel Clearwater vor rund 25  000 Zuschauern in einen der schwersten Parcours der Welt eingeritten.

Das Besondere beim Hamburger Derby sind die spezifischen Hindernisse, die in normalen Springprüfungen so nicht vorkommen. Unter ihnen beispielsweise Pulvermanns Grab, Holsteiner Wegesprünge oder der Wall. Der Wall, von dem Pferd und Reiter gemeinsam herabspringen müssen, ist rund drei Meter hoch. Der Reiter blickt vom Pferd aus fast fünf Meter in die Tiefe. Jesse Luther ging als jüngster Starter in den Derby-Parcours. „Wenn man auf dem Wall steht, hat man gar nicht so viel Zeit, über die Höhe nachzudenken. Man blendet eigentlich alles aus und will einfach da runter.“

Mit Opa Peter Luther, Derby-Sieger 1980 und Olympia-Sieger von 1981, habe er viele Videos vom Derby angesehen, analysiert und von seiner Erfahrung profitiert, mit Vater Thies stand das Training der spezifischen Hindernisse an. „Wir haben einige der Sprünge bei uns zuhause nachgebaut. Clearwater war gut vorbereitet und damit ich noch mehr Sicherheit bekomme, habe ich die Sprünge auch mit anderen Pferden geübt“, beschreibt Luther die Vorbereitung.

Der Wall taucht traditionsgemäß in den Qualifikationsprüfungen für das Derby in etwas abgeschwächter Form auf. Während im Derby nur einen Galoppsprung dahinter ein 1,60 Meter hoher Steilsprung in die Luft ragt, fehlt dieser in der Qualifikationsprüfung noch. In jener Qualifikation schafften Luther und sein Schimmel Clearwater den Absprung vom Wall einwandfrei, landeten zügig und schlossen den Parcours als bestes Schleswig-Holsteiner Paar auf Rang sieben ab.

Im finalen Derby am Sonntag machte der Wall den beiden jedoch einen Strich durch die Rechnung: Clearwater zögerte zuerst beim Abgang und danach am direkt folgenden Plankensprung. Luther macht seinem Pferd allerdings keinen Vorwurf: „In der Qualifikation war der Abgang vom Wall etwas stürmisch, ich wollte etwas mehr Ruhe reinbringen, habe dann selbst auch ein bisschen gezögert. Mit etwas mehr Erfahrung wäre mir das wahrscheinlich nicht passiert.“

Trotzdem sei er sehr zufrieden mit seinem ersten Start in Klein Flottbek. Allein schon in den randvollen Derby-Park einzureiten, sei ein beeindruckendes Gefühl. „Mir war schon ein bisschen mulmig. Auf so einem riesigen Platz, vor so viel Publikum fühlt man sich fast ein bisschen verloren. Aber sobald ich reite, ist alles gut.“

Seine Erfahrungen vom Derby will Jesse Luther schon in den nächsten Wochen bei wichtigen Turnieren nutzen. Im dänischen Odense darf er für das deutsche Team im U21-Nationenpreis antreten. Hier nimmt er seinen Wallach Tibro mit, mit dem er 2015 bereits Vizemeister bei den Deutschen Jugendmeisterschaften wurde. Am darauf folgenden Wochenende steht direkt der Preis der Besten in Warendorf an. Der 19-Jährige sagt: „Der Preis der Besten ist Sichtung für die Nachwuchs-EM und im Hinblick darauf das wichtigste Turnier. Ich werde deshalb mit meinen beiden Top-Pferden Clearwater und Tibro an den Start gehen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen