PR-Hilfe für Messe hat „Gschmäckle“

emd

Eutiner kritisieren ungleichen Umgang der Stadt / Einstige Organisatorin bedauert mangelnde Wahrnehmung ehrenamtlichen Engagements

shz.de von
27. Juli 2018, 00:57 Uhr

Wer die Verbindungen aus dem Rathaus kennt, musste vermutlich schmunzeln, als er das Bild sah, das die lokalen Akteure der Lebensart-Messe zeigt –
und daneben Bürgermeister Carsten Behnk als Vertreter der Stadt fand.

Die Pressemitteilung, die zuvor auf den Termin hinwies, kam ebenfalls von der Stadt – Ansprechpartnerin Kerstin Stein-Schmidt, verheiratet mit Martin Schmidt, dem Geschäftsführer, dessen Agentur die Messe bundesweit erfolgreich auf die Beine stellt.

„Keine andere Veranstaltung, zumal von einem kommerziellen Anbieter, wird von der Stadt so behandelt“, sagen Kritiker hinter vorgehaltener Hand, weil sie sonst Nachteile fürchten und munkeln, ob da persönliche Beziehungen praktischerweise genutzt wurden?

Faktencheck: Zu den größeren Veranstaltungen Externer in der Stadt Eutin gehören das Blues-Fest sowie die -Challenge, das Stadtfest und bis 2016 auch der Gesundheitstag als eintägiges Event. Zu keiner dieser Veranstaltungen hat die Stadt – ob nun Bürgermeistervorzimmer oder Pressestelle – bislang Journalisten zu einer Ankündigungskonferenz eingeladen und somit die Öffentlichkeitsarbeit für die jeweilige Veranstaltung unterstützt – oder gar, so sehen es einzelne Organisatoren, das jeweilige Ereignis auf „eine besondere Ebene gehoben, ihm mit dem ‚Stadt-Stempel‘ mehr Bedeutung beigemessen“.

Das Mittelalter-Spektakel „Vielerley Feierey“ sowie kleinere Veranstaltungen wie Oldtimertreffen oder Konzerte unterschiedlicher Gruppen auf dem Markt wurden bislang ausschließlich von der Tourist-Info beworben, die die Veranstaltungen zumeist auch selbst organisierte, ähnlich der Aktionen der Wirtschaftsvereinigung – die Kaufmannschaft veranstaltet etwas und bewirbt es selbst auch. Wie eigentlich üblich. Ganz abgesehen von Festspielen und Schloss, auch diese Publikumsmagneten machen, wie die Museen und Bibliotheken auch, ihre Öffentlichkeitsarbeit eigenverantwortlich, genauso wie der Verein Blues Baltica und die Veranstalterin des Stadtfestes. Hin und wieder ist ein Empfang im Rathaus als Würdigung möglich, aber keine PR im Vorfeld.

Die Selbstwahrnehmung im Rathaus ist anscheinend eine andere: „Wir unterstützen Veranstaltungen auf vielfältige Weise. Beispielsweise Bluesfest und Challenge mit rund 30 000 Euro, dazu den Empfang, wenn er denn gewünscht ist. Für das Stadtfest
habe ich den Promotionfilm als Sprecherin kostenfrei vertont, dazu gibt es dann noch die finanziellen Zuwendungen. Die Lebensart erhält keine finanziellen Zuwendungen, sondern Support aus dem Rathaus in Form einer Presse-Veranstaltung mit Mitteilung, also vergleichsweise schmal“, sagte Stein-Schmidt auf Nachfrage. Die Idee dafür habe der Bürgermeister selbst gehabt, da es bei der Lebensart darum gehe, das ehemalige Landesgartenschau-Gelände in Kooperation mit Festspielen und Schloss in der Nachnutzung zu bespielen.

Soweit so gut. Die finanzielle Förderung stellen Kritiker auch nicht in Abrede, wünschten sich aber mehr Würdigung des Engagements einzelner, „die vielleicht nicht zum Klüngel gehören“.

Corina Sievert-Krüger beispielsweise veranstaltete über elf Jahre lang den Gesundheitstag in Eutin und hat nach eigenen Angaben keinerlei Unterstützung erhalten. „Ich hatte mal angefragt, ob man über die Gebühr für den Marktplatz reden könne, weil ich die in Neustadt auch von der Stadt erlassen bekam, da meinte man nur, dass der Gesundheitstag eine kommerzielle Veranstaltung sei und das nicht gehe“, erinnert sie sich. Danach habe sie keine Lust mehr gehabt, um nach anderweitiger Förderung zu fragen. „In Neustadt erklärte die Stadt, dass sie es wichtig findet und gerne möchte, dass der Gesundheitstag mit Akteuren der Region bei ihnen stattfindet“, sagt sie. In Eutin habe sie sich hingegen freuen können, wenn ein Offizieller zur Eröffnung Zeit gehabt habe für Grußworte.

Ihr sei es um Prävention in der Region gegangen, die Kosten des Tages wurden über die Standgebühren und Partnerschaften gedeckt: „Das Thema ist für uns als Gesundheitsregion wichtig, nicht nur aus Arbeitgeberperspektive.“ Zahlreiche Ehrenamtler hatten sich neben Kliniken engagiert, Schulmedizin und Alternative Methoden den Menschen zu präsentieren. Doch das Engagement wurde nicht gesehen, so ihr Eindruck. „Ich hätte mir eine andere Wahrnehmung gewünscht, aber die gab es nicht“, sagt sie. Vor zwei Jahren habe sie sich dann – auch wegen steigender Gebühren und Aufwand – dagegen entschieden.

Übrigens: „Das Agenturhaus“, dass die Lebens-Art veranstaltet, teilt auf Nachfrage mit, dass nur bei etwa einem Fünftel der bundesweiten Lebensart-Veranstaltungen die Pressearbeit über das Rathaus laufe, nämlich immer dann, „wenn es einen guten Draht ins Rathaus gibt und den haben wir ja hier“.


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