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Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 07:34 Uhr

Eutin : Polizisten sollen im Großzelt essen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Nach Legionellen im Trinkwasser: Benzolausdünstungen im Fußboden und ein einsturzgefährdetes Dach überm Speisesaal entdeckt.

Nicht nur der Personalabbau ist bei der Polizei ein heißes Thema – auch die nicht enden wollenden Umbauarbeiten auf Hubertushöhe. Die Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung (PDAFB) platzt aus allen Nähten. Zum einen, weil gerade mit 273 jungen Menschen die meisten Polizeianwärter der letzten zehn Jahre eingestellt worden sind. Zum anderen, weil durch die dringend notwendigen Umbauarbeiten Unterkünfte zum Wohnen und Arbeiten wegfallen.

Angefangen hat alles 2011 mit erhöhten Legionellenwerten im Trinkwasser. Hinzu kam die Brandschutzsanierung, die dringend erforderlich war, um im Falle des Falles für die insgesamt fast 1000 Menschen auf Hubertushöhe die notwendige Sicherheit bieten zu können.

Die Sanierungen und Umbaumaßnahmen sollten Schritt für Schritt passieren: Ist ein Haus fertig, wird es von den „Bewohnern“ des nächsten zu sanierenden Gebäudes bezogen. Der Plan klingt gut. Doch Probleme sind programmiert, sobald etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt. So geschehen bei Gebäude 9, dem ersten Haus fürs Sanierungsprogramm. Gunnar Asmus, Leiter der Wirtschaftsverwaltung der PDAFB: „Als der erste Kollege ins Büro einzog, stellte er einen komischen Geruch fest. Messungen ergaben einen erhöhten Benzolwert.“

Hunderte Messungen in den anderen baufälligen Häusern folgten – und Probebohrungen, denn die Messungen ergaben zwar verschieden hohe Benzolwerte, nicht aber deren Ursprung. Der, so wissen die Verantwortlichen der Planungsgruppe rund um Gunnar Asmus jetzt, liegt im Parkettfußboden. Erst wurde vermutet, dass jahrelanges Bohnern die Ursache gewesen sein könnte. Jetzt steht fest: „Das Parkett wurde in Gussasphalt verlegt und zur damaligen Zeit, vermutlich um 1954, mit Benzin verlängert, das jetzt ausdünstet“, sagt Asmus. Insgesamt sind fünf Häuser von den Benzolausdünstungen betroffen.

Doch nicht nur das schädliche Benzol schlummert in den Fußböden. Asmus: „Im Kantinenraum hat man PAK festgestellt.“ PAK ist ein krebserregender, ebenfalls in den 50er und 60er Jahren verwendeter Parkettkleber, der – und das ist der Unterschied zum Benzol – erst ausdünstet, sobald Luft daran kommt, das Parkett also abgerissen wird. Eine Gesundheitsgefahr bestehe hier nicht. In den Häusern, in denen derzeit noch mit „Benzol-Fußböden“ gearbeitet wird, helfen sich die Mitarbeiter mit mehrmaligem Lüften am Tag. „Dann ist es in Ordnung“, so Asmus. Bis 2018 müssen er und andere Mitarbeiter den Zustand noch ertragen, erst dann sind sie voraussichtlich dran. „Ganz fertig werden wir aber nicht vor 2020 sein“, sagt Asmus.

Denn es gab weitere Überraschungen: Nach der ersten Bauverlängerung in Gebäude 9 beschloss die Planungsgruppe, alle Gebäude auf dem Gelände durchzuchecken. Ergebnis: Auch der Speisesaal, Haus 14, macht Sorgen. Amus: „Hier wurden dünnere Sparren und Gebinde in der Deckenkonstruktion verbaut, als einst gefordert.“ Die Konsequenz: Akute Einsturzgefahr, sobald sich an der Last auf dem Dach, beispielsweise durch Schnee, etwas ändert. Um die Gefahr abzuwenden, verstärkten Zimmerleute provisorisch die Dachkonstruktion Der Umbau für den Speisesaal, in dem 200 Personen Platz haben, ist laut GMSH für Mai 2015 geplant. Ab dann soll ein riesiges Zelt im Bundeswehrformat für rund 250 Menschen den vorübergehend Saal ersetzen.

Asmus hat längere Zeiten im Blick: „Wir müssen uns generell fragen, wie sieht Polizei 2020 aus.“ Schon jetzt reiche der Platz auf Hubertushöhe hinten und vorne nicht. 240 Auszubildende sind in der Seniorenresidenz Wilhelmshöhe untergebracht, doch der Mietvertrag dort laufe nur zehn Jahre. Asmus: „Wenn man danach keine neuen Mietausgaben will, muss man neubauen.“

Die Sanierung des Bestandes sei gegenüber einem Abriss mit Neubau laut GMSH wirtschaftlich. Noch. Denn die Frage, ob der theoretische Teil der Erwachsenen-Fortbildung, der derzeit in Kiebitzhörn stattfindet, mit der Ausbildung zusammengelegt wird, muss noch geklärt werden. Asmus rechnet frühestens 2016 mit einer Entscheidung.

 

 

 


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