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Ostholstein : Polizist aus Neustadt im Mittelmeer-Einsatz: „Würde es immer wieder tun“

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Die Bundespolizei hilft seit einem Jahr bei der Sicherung der griechisch-türkischen Grenze. Auch zwei Männer aus Ostholstein sind dabei.

Neustadt | Frank Rogatty war schon zweimal dabei und würde es immer wieder tun. Auch sein Kollege Sebastian Schmökel ist einem zweiten Einsatz nicht abgeneigt. Die beiden Bundespolizisten aus Neustadt in Holstein haben vor der Insel Samos die griechische Küstenwache bei der Sicherung der türkisch-griechischen Seegrenze unterstützt. „Es war anstrengend, aber es ist doch ein schönes Gefühl, so viele Menschen aus Seenot gerettet zu haben“, sagt Rogatty.

Vor einem Jahr, am 1. März 2016, begann der Einsatz der Bundespolizei See im Rahmen der Operation „Poseidon“ der europäischen Grenzschutzagentur Frontex. Mit zwei Streifenbooten und rund 30 Beamten aus den Standorten Neustadt in Holstein, Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) und Cuxhaven (Niedersachsen) beteiligt sich die Bundespolizei.

Die Bundespolizisten Frank Rogatty (l.) und Sebastian Schmökel in Neustadt vor einem Küstenwachenboot des Typs, mit dem sie vor der griechischen Insel Samos im Einsatz waren.
Die Bundespolizisten Frank Rogatty (l.) und Sebastian Schmökel in Neustadt vor einem Küstenwachenboot des Typs, mit dem sie vor der griechischen Insel Samos im Einsatz waren. Foto: dpa
 

„In dieser Zeit wurden 1850 Flüchtlinge aus Seenot gerettet und 14 Schleuser festgesetzt“, berichtet Matthias Menge, Pressesprecher des Bundespolizeipräsidiums Bad Bramstedt, zu dem die schwimmende Einheit gehört. Der Einsatz, der zunächst nur drei Monate dauern sollte, wurde inzwischen bis Ende 2017 verlängert. „Die Flüchtlingsströme haben sich zwar verlagert, aber es kommen immer noch Menschen übers Meer aus der Türkei nach Griechenland“, sagt Menge.

Rogatty leitete zum Start sechs Wochen lang das deutsche Kontingent, im November war der 48 Jahre alte Hauptkommissar noch mal für einen Monat auf Samos. Er erinnert sich an völlig überfüllte Schlauchboote, an weinende Kinder und verzweifelte Frauen. „In einem der Boote war eine alte Frau mit Rollstuhl. Sie lag hilflos auf dem Rücken, der Rollstuhl lag zusammengeklappt neben ihr. Wir konnten sie nur mit Hilfe mehrere Flüchtlinge an Bord holen“, erzählt der Hauptkommissar. Weit dramatischer sei eine Situation gewesen, als ein Flüchtling in einem vollbesetzen Boot Benzin verschüttet und gedroht habe, es anzuzünden, erzählt er. „Er hatte wohl Angst, von uns in die Türkei zurückgebracht zu werden“, sagt Rogatty. Es sei aber schließlich gelungen, das Boot in den Hafen zu dirigieren. 

Die Arbeit der Polizei auf See ist anstrengend - physisch wie psychisch.
Die Arbeit der Polizei auf See ist anstrengend - physisch wie psychisch. Foto: dpa

Während Rogatty bei der Bundespolizei schon jede Menge Auslandserfahrung sammeln konnte, war der Einsatz auf Samos für Schmökel der erste im Ausland. „Das war eine beeindruckende Erfahrung, ich wurde nicht enttäuscht“, sagt der 24 Jahre alte Polizeimeister. Seine Aufgabe bestand oft darin, bei den nächtlichen Streifenfahrten in fast völliger Dunkelheit mit einem Nachtsichtgerät nach kleinen Booten Ausschau zu halten. „Das war sehr anstrengend. Aber wir hatten immer 24 Stunden Dienst und danach 24 Stunden frei, sodass ich auch Sport treiben und mir die Insel anschauen konnte.“

Gerne erinnern sich die beiden Bundespolizisten auch an die vielen Kinder. „Um ihnen die Angst vor unseren Uniformen zu nehmen und sie etwas abzulenken, haben wir ihnen Plüschtiere geschenkt. Mit denen haben sie uns begeistert zugewinkt, als unser Boot wieder auslief“, erzählt Schmökel. 

1800 Flüchtlinge hat die Bundespolizei bei ihrem Einsatz auf See bereits gerettet. Die Rettungswesten zeugen von den vielen Menschen, die nach Griechenland kommen.

1800 Flüchtlinge hat die Bundespolizei bei ihrem Einsatz auf See bereits gerettet. Die Rettungswesten zeugen von den vielen Menschen, die nach Griechenland kommen.

Foto: dpa
 

Einmal allerdings ist er ausgerastet, wie Rogatty erzählt. Ein völlig überladenes Boot mit elf Menschen an Bord sei untergegangen, fünf Flüchtlinge seien ertrunken. „Als ich den Schleuser zwischen den Leichensäcken sitzen sah und ihn sagen hörte, er habe doch nur helfen wollen, ist mir der Kragen geplatzt“, sagt der Hauptkommissar. „Ich habe ihm sehr laut und sehr deutlich gesagt, was ich von ihm halte.“

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erstellt am 25.Feb.2017 | 19:02 Uhr

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