Polizei warnt vor Abzocke unter „110“

Die Nummer stimmt, der Anrufer führt Böses im Schilde.
Die Nummer stimmt, der Anrufer führt Böses im Schilde.

„Spoofing-Fälle“ sind auch in der Region bekannt geworden

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03. März 2017, 14:07 Uhr

Die Masche ist immer die gleiche. Das Telefon klingelt und auf dem Display erscheint eine fast vertraute Nummer. Sie beginnt etwa mit der Vorwahl aus dem Bereich Lütjenburg mit „04381“ und endet mit der Notrufnummer der Polizei „110“. Am anderen Ende der Leitung ist ein Mensch, der sich als Polizist mit Namen vorstellt. Und er hat beunruhigende Nachrichten für den Angerufenen. Soeben habe die Polizei ein Auto mit Diebesgut in der Nähe gestellt, zwei Personen festgenommen, eine sei sogar bewaffnet gewesen. Bei den Fundsachen sei auch Schmuck gewesen.

Dann die bohrenden Fragen: „Ist ihr Schmuck noch da, schauen Sie doch bitte einmal nach…  . Sind Sie eigentlich Frau/Herr, Sie haben doch Kinder… aus Unterlagen, die wir bei den Dieben gefunden haben geht hervor, dass sie doch mal Urlaub auf Mallorca gemacht haben…“

Der Angerufene stutzt, das mit dem Urlaub stimmt, das mit den Kindern auch und lässt sich auf ein Gespräch ein. Die Täter seien gefährlich heißt es von dem „Polizisten“. Um weiteres Vorgehen eines noch flüchtigen Täters vorzubeugen, müsse man noch ein paar Hinweise geben und Vorbeugungen treffen – letztlich werden Informationen gefordert, persönliche Daten (zur Kontrolle), Kontonummern zum Beispiel. So passiert vor einigen Wochen in Lütjenburg und Orten in der Umgebung. Als der Angerufene zögert, wird der Druck größer, die Nachfragen intensiver. Auf die Bemerkung, „wissen Sie, ich komme gleich mal zur Wache runter, dann besprechen wir das weiter“, legt der angebliche Polizist nur noch auf. Ein Anruf bei der Lütjenburger Wache schafft Klarheit, einen Beamten mit dem Namen des Anrufs gibt es dort nicht.

Genau vor dieser Masche warnt jetzt die Polizei bundesweit. „Mit dem Phänomen des sogenannten Call ID Spoofing (die Manipulation/ Verschleiern oder Vortäuschen) wird dem Angerufenen eine andere, in der Regel nicht existierende Telefonnummer angezeigt. Ermöglicht wird diese Betrugsmasche durch Internet-Telefonie.

Möglicherweise ist davon auszugehen, dass die Täter mittels verschleierter Anrufe durch falsche Telefonnummern die Anwesenheit der Wohnungsinhaber ausspähen und anschließend geeignete Objekte mit dem so erlangten Wissen über die Gewohnheiten der Bewohner angehen, warnt die Polizei.

Wichtig zu wissen: die Notrufnummer der Polizei „110“ würde nie im Display erscheinen, sollte die „echte“ Polizei anrufen und rät, gar nicht erst abnehmen. Laut Focus-Magazin ist diese Masche in den letzten Monaten so häufig angewandt worden, dass die Polizei in ganz Deutschland Warnungen zum Thema „Spoofing“ herausgegeben hat. Focus-Online veröffentlicht darüber hinaus eine Liste mit derzeit 56 Orten in Deutschland, in denen Fälle dieser Abzocke schon registriert worden ist. Darunter sind Bad Segeberg, Neumünster und Eckernförde – und nun auch das Amt Lütjenburg, wo nach OHA-Recherchen mindestens zwei dieser – glücklicherweise folgenlosen – Fälle bekannt geworden sind.

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