Kreis Segeberg : Polizei schießt auf Mann in Wahlstedt – vermeintlicher Einbrecher war Nachbar

Mit Flatterband ist der Bereich abgesperrt, wo der Verdächtige schließlich durch mehrere Schüsse kampfunfähig gemacht wurde.
1 von 3
Mit Flatterband ist der Bereich abgesperrt, wo der Verdächtige schließlich durch mehrere Schüsse kampfunfähig gemacht wurde.

Eine Frau vermutete einen Einbrecher auf ihrem Grundstück – doch es war ein psychisch kranker Nachbar, der mit einer Schreckschusspistole sofort auf Polizisten feuerte.

shz.de von
03. Januar 2018, 10:13 Uhr

Wahlstedt | Patronenhülsen liegen auf dem Asphalt, unweit davon Turnschuhe und blutiges Verbandszeug. In Wahlstedt (Kreis Segeberg) hat eine Frau aus dem Heideweg die Polizei gerufen, weil sie auf einem Grundstück einen Mann bemerkte, der sich verdächtig verhielt. Als die Beamten eintrafen, kam es zu einem Schusswechsel.

Zu dem Vorfall, Silvester gegen Mittag, sind jetzt Details bekannt geworden: Der vermeintliche Einbrecher ist ein Nachbar der Anruferin, den sie nicht kannte oder nicht erkannt hat. Er ist offenbar psychisch krank – und bei der Waffe handelte es sich um eine Schreckschusspistole.

„Die Beamten sprachen den Verdächtigen an“, sagte Axel Bieler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kiel, gestern. „Er soll sofort das Feuer eröffnet haben und flüchtete danach.“ Zwei der Polizisten vor Ort waren in Zivil, zwei in Uniform. Während ein Beamter mit der Anruferin sprach, nahmen seine drei Kollegen die Verfolgung auf. Bieler: „Sie forderten den Flüchtenden auf, stehen zu bleiben und gaben Warnschüsse ab.“ Der Verdächtige soll sich jedoch umgedreht und erneut Schüsse abgegeben haben. „Daraufhin schossen die Beamten gezielt auf seine Beine“, so Bieler. Beide Beine sollen getroffen worden sein, ein Projektil aus der Dienstwaffe eines Beamten traf eine Arterie. Es habe kurzzeitig Lebensgefahr bestanden, erklärte Bieler. Der Verdächtige sei ins UKSH Lübeck gebracht und operiert worden. Lebensgefahr bestehe nicht mehr.

Der Notarzt versorgte den Angeschossenen, der kurzzeitig in Lebensgefahr schwebte. Die Schuhe des Verletzten blieben zurück.
Daniel Friederichs
Der Notarzt versorgte den Angeschossenen, der kurzzeitig in Lebensgefahr schwebte. Die Schuhe des Verletzten blieben zurück.
 

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft ist die Schreckschusswaffe rechtmäßig erworben worden. Ob der psychisch kranke Mann sie auch rechtmäßig tragen durfte, steht noch nicht fest. Bieler: „Das ist Gegenstand unserer Ermittlungen.“

Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigt der Fall, zu welchen heiklen Situationen es kommen kann, wenn Bürger glauben, sich durch Schreckschusswaffen schützen zu müssen. GdP-Landesvorsitzender Torsten Jäger: „Es gibt bei Schreckschusspistolen immer die Gefahr einer Verwechslung mit scharfen Waffen. Diverse Polizeieinsätze belegen das.“ Zur Tatzeit regnete es stark, zudem ging die Verfolgung durch ein Waldstück. „Ist nicht zu erkennen, ob es sich um eine Schreckschusspistole handelt, müssen die Polizisten von einer scharfen Waffe ausgehen.“ Die GdP werte den erneuten Anstieg bei den Gewährungen von Kleinen Waffenscheinen als sehr besorgniserregend, so Jäger weiter. „Die Zuverlässigkeitsprüfungen müssen daher wirksam und tatsächlich durchgeführt werden. Die Vereinfachung der Beantragung durch die elektronische Verwaltung ist jedoch ein irrsinniger und falscher Weg.“

Die Polizisten, die geschossen haben, sind weiter im Dienst. Für sie beginne nun eine schwierige Zeit, sagt Jäger. „Die unter Stressfaktoren gefällte polizeiliche Maßnahme muss einer juristischen Überprüfung standhalten.“ Diese erfolge ohne Zeitdruck und mit der Möglichkeit eines akribischen Aktenstudiums am Schreibtisch.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert