Plön : Politische Untertöne bei der Gilde

Mit einem Bollerwagen voller Bonbons kehrte Schützenkönig Wolfgang Mielke mit Gefolge in der Rodomstorschule ein.  Fotos: Kuhr (4)
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Mit einem Bollerwagen voller Bonbons kehrte Schützenkönig Wolfgang Mielke mit Gefolge in der Rodomstorschule ein. Fotos: Kuhr (4)

Helge Wiederich ist der neue König der Plöner Schützengilde. Er wurde am Mittwochabend proklamiert.

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09. Juli 2015, 12:00 Uhr

Die politische Entwicklung Plöns hat auch die Schützengilde von 1621 erreicht. So wurden gestern beim Gästefrühstück in manchen Reden die Finanzen der Stadt aufgegriffen. Dem traditionellen Ablauf des Bürgervogelschießens tat das keinen Abbruch. Der Tag wurde mit einem Empfang im Rathaus und dem Eintrag von Schützenkönig Wolfgang Mielke ins Goldene Buch der Stadt eröffnet.

„Gilde ist Jugend – Jugend ist Gilde“ lautete das Motto, unter das Wolfgang Mielke sein Königsjahr gestellt hat. Mit Erfolg: neun junge, neue Mitglieder hat die Schützengilde gewonnen, was auch den Ersten Ältermann, Heinz Langfeldt, zufrieden machte. So sei heute doch vieles wichtiger als eine Mitgliedschaft im Verein und die Bewahrung von Traditionen. „Die Gilde muss um ihre Zukunft nicht bangen“, freute sich König Wolfgang Mielke.

Im Rathaus wurde die Abordnung der Gilde gestern früh von Bürgervorsteher Dirk Krüger und Bürgermeister Jens Paustian (beide Gildebrüder) empfangen. Und Heinz Langfeldt freute sich über eine gute Grundstimmung. Und dass die Gilde den Sekt der Stadt wegen des städtischen Finanznotstandes in diesem Jahr erstmals aus eigener Tasche bezahlen sollte, habe sich als „schlimmes Gerücht“ erwiesen, zwinkerte Langfeldt.

Beim Gästefrühstück wurden langjährige Mitglieder geehrt: 25 Jahre sind Karl Hesse, Gerhard Gülzau, Wilfried Homann und Dr. Niels Jarosch dabei, 40 Jahre Horst Carstensen, Paul Lütt und Burkhard Scherenberger. Ältermann Heinz Langfeldt freute sich über sechs Väter, die ihre Söhne in die Gilde geholt hätten. Die Familie Carstensen allerdings sei bisher nicht zu toppen: Großvater Helmut, Sohn Uwe und dessen Sohn Hauke seien Mitglieder in der Gilde.

Das Königsjahr habe ihm viel Freude bereitet, gestand Wolfgang Mielke. Er wisse nun, wo alle Gildebrüder wohnen, weil der Sportler die Einladungen stets mit dem Fahrrad ausgebracht habe. Er habe in seinem Königsjahr intensiven Kontakt zu den Mitgliedern gehabt – Gildeleben im besten Sinne erfahren. Er habe nette Leute kennengelernt und neue Freundschaften geknüpft.

Der Zweite Ältermann, Stefan Meyer, hielt in plattdeutscher Sprache eine Rede auf die Heimat. Die Beständigkeit zwischen der Stadt und der Gilde bedeute auch eine große Sicherheit. Aber die dürfe nicht zum Stillstand führen: „In Plön fehlt derzeit das Konzept dafür, wohin wir wollen.“ Plön habe weniger Einwohner, weniger Geld und benötige mehr Wohnraum. Die Stadt solle sich weiter entwickeln.

Bürgervorsteher Dirk Krüger berichtete über die doppische Buchführung im Rathaus: „Doppelte Buchführung bedeutet auch doppelte Arbeit aber leider keine Verdoppelung des Vermögens.“ Die Erhöhung der Kreisumlage bezeichnete Krüger in Richtung Kreispräsident Peter Sönnichsen als unnötig. Es sehe so aus, als sei die Amtskette des Bürgermeisters das einzig verbleibende Eigenkapital der Stadt, schmunzelte Krüger und empfahl die Kette wegen der drohenden Abnutzung nicht allzu oft zu tragen. Kreispräsident Peter Sönnichsen entgegnete dem Bürgervorsteher schmunzelnd, er habe 44 Kollegen im Kreistag, die aus schwarzen gern rote Zahlen machten.

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