Kasseedorf : Politik bremst Bürgerengagement aus

Können das zögern der Gemeinde Kasseedorf bei der Annahme des Angebotes zur kostenlosen Anlage einer Blütenwiese nicht verstehen: Dr. Katrin Romahn (v.li.), Dagmar Friedrichsen-Jahnke und Hanna Kirschnick-Schmidt .
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Können das zögern der Gemeinde Kasseedorf bei der Annahme des Angebotes zur kostenlosen Anlage einer Blütenwiese nicht verstehen: Dr. Katrin Romahn (v.li.), Dagmar Friedrichsen-Jahnke und Hanna Kirschnick-Schmidt .

Ärger um Verzögerung der Genehmigung für eine Blühwiese auf einem ehemaligen Spielplatz in Kasseedorf.

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17. April 2019, 16:48 Uhr

Kasseedorf | Kopfschüttelnd stehen Hanna Kirschnick-Schmidt und Dr. Katrin Romahn neben einer Rasenfläche am Ende des Ostpreußenweges in Kasseedorf in Sichtweite der Schwentine. Seit gut drei Wochen warten die Agraringenieurin und die Diplom-Biologin auf die Genehmigung der Gemeinde Kasseedorf, auf dem ehemaligen Spielplatz eine Blühwiese von 20 mal 25 Metern anzusäen. Am 26. März hatten die Mitglieder der Gemeindevertretung ihr grundsätzliches Okay gegeben. Einzige Einschränkung: Es soll geprüft werden, ob Leitungen über die Fläche verlaufen und das Projekt mit der erfolgten Anmeldung der Fläche für das FFH-Gebiet „Obere Schwentine“ kollidiert.

Kirschnick-Schmidt erfuhr bereits auf Umwegen, dass ihr Vorhaben den Planungen für das FFH-Gebiet nicht entgegenstehe. Die Pumpstation mit Schacht und Schaltkästen liegt gut 15 Meter entfernt. Leitungen stellen nach Angaben der Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes Ostholstein ohnehin keine Probleme dar: „Wir wollen nur die dichte Grasnarbe durch Grubbern für die Saat vorbereiten und gehen nicht in die Tiefe“. Doch der Kasseedorferin läuft die Zeit weg. „Wenn es hier im Sommer blühen soll, muss jetzt gesät und vorher der Boden bearbeitet werden“, sagt die Agraringenieurin.

Das Zögern der Bürgermeisterin Regina Voß (SPD) könne sie nicht nachvollziehen. Diese habe mit der Einladung zur Veranstaltung „Blüten-Reich Kasseedorf“ Mitte März erst den Impuls gegeben. Neben den Möglichkeiten der Förderung für Blühflächen auf landschaftliche Flächen ging es bei der Info-Veranstaltung darum, den Teilnehmern zu einem neuen Blickwinkel auf ihre Gärten zu verhelfen. Mit kleinen Mitteln könnten sie Wildbienen und Schmetterlingen durch Schaffung von blühenden Wiesen bei Futtersuche und Fortpflanzung helfen.

Bereits während der Veranstaltung hatte Hanna Kirschnick-Schmidt die Fläche des stillgelegten Spielplatzes ins Gespräch gebracht. Mit Dr. Katrin Romahn aus Kasseedorf fand sie eine Mitstreiterin für das Projekt. Als Mitarbeiterin der Arbeitsgemeinschaft Geobotanik ist Romahn für die punktgenaue Erfassung seltener, gefährdeter und bemerkenswerter Pflanzenarten in Schleswig-Holstein verantwortlich. Sofort untersuchte sie die Rasenfläche. „Nichts ist kontraproduktiver, als eine Fläche zur Blühwiese zu machen, wenn dort bereits seltene Arten beheimatet sind“, erklärt die Botanikerin, die auf den 500 Quadratmetern jedoch nichts schützenswertes gefunden hat. Anders ist es bereits 100 Meter weiter. Dort wächst der inzwischen seltene Sauerampfer. Durch die Pflanzung von Schlüsselblumen könnte die Fläche am Ufer der Schwentine jedoch sinnvoll aufgewertet werden. Derzeit zieht die Biologin kleine Setzlinge groß, die sie bei einem spezialisierten Händler auf eigene Kosten gekauft hat. Insgesamt würde das „Blüten-Reich“ der beiden Frauen die Gemeinde nichts kosten. Saat und Pflanzen haben sie selbst bezahlt und die Gutsverwaltung Stendorf hat Unterstützung beim Bearbeiten der Fläche zugesagt.

In der zweifachen Mahd der Wiese samt erforderlichem Abtragen des Mähgutes sieht Bürgermeisterin Regina Voß im Gespräch mit dem OHA jedoch ein Problem. Der dafür erforderliche Mähbalken fehle. „Wir hoffen, diesen über das Projekt des Naturparks gefördert zu bekommen“, so Voß. Ihre Sorge: Die Fläche des Spielplatzes könnte am Ende bei der Gesamtfläche der Gemeinde fehlen und so die Förderung ausschließen. Zudem habe ihr der zuständige Mitarbeiter des Naturparks erklärt, die Saat solle erst im August eingebracht werden. Mit ihm habe man die Fläche besichtigt und für sehr schattig befunden. Voß will hier zunächst eine Durchforstung vornehmen: „Das kann man aber nicht übers Knie brechen und die Bäume müssen wir auf die Wiese fallen lassen“. Die Bürgermeisterin sprach wiederholt von einer Bestandsaufnahme und daraus folgendem Konzept für alle gemeindlichen Flächen. Vor der Konzeptvorlage wolle sie keine großflächigen Maßnahmen.

Hanna Kirschnick-Schmidt kann die Argumente nicht nachvollziehen: „Wenn man uns machen lässt, blüht es dort schon in diesem Sommer. Das hindert doch niemanden daran, später etwas anderes zu machen.“ Ähnlich äußert sich die CDU-Gemeindevertreterin Dagmar Friedrichsen-Jahnke, über die Kirschnick-Schmidt ihren Vorschlag eingereicht hatte.

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