Pointenreiche Dreiecksgeschichte

Ingeborg, gespielt von Kirsten A. Lange, und ihre beiden Männer: Jan Kämmerer (links) als Peter und Dirk Volpert als Ottokar.
Ingeborg, gespielt von Kirsten A. Lange, und ihre beiden Männer: Jan Kämmerer (links) als Peter und Dirk Volpert als Ottokar.

Akteure der Schwarz-Weiß-Aufführung „Ingeborg“ des Kölner Filmtheaters im „Binchen“ drehen nach der Pause richtig auf

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18. Februar 2018, 14:17 Uhr

Die Bühne ist sparsam ausgestattet und konsequent in schwarz-weiß gestaltet. Auch die Kostüme sind ausschließlich in Schwarz, Weiß und Grautönen gehalten, wie sie der Film zuließ, bevor es Farbfilme gab. Darauf hat sich das Kölner Filmtheater spezialisiert, das am Freitag im „Binchen“ mit der romantischen Komödie „Ingeborg“ von Curt Goetz zu Gast war und damit zum dritten Mal in Eutin. Alle von diesem Theater ausgearbeiteten Stücke werden im Stil nostalgischer Schwarz-Weiß-Filme aufgeführt. Das hat seinen Reiz. Und seine Herausforderungen, sowohl für Masken- als auch Kostümbildnerin.

Die pointenreiche Geschichte über ein Dreiecksverhältnis mit ungewissem Ausgang erfreute das Publikum – dank der trinkfesten Tante Ingeborgs, die nicht mit sogenannten „Weisheiten“ spart, und dem Butler „Konjunktiv“. Er hielt sich sogar beim Verbeugen immer etwas im Hintergrund, wie es sich für einen guten Butler gehört.

Es gab ja auch wirklich viel zu lachen. Nicht nur Aussprüche wie „die Phantasie ist ein schleichendes Übel“ der Tante Ottilie, sondern auch die abenteuerlichen Verschachtelungen im Satzbau Ottokars, liebender Gatte Ingeborgs und Schmetterlingsforscher, amüsierten immer wieder. Allerdings blieb das Spiel trotz dieser vom Text vorgegebenen Möglichkeiten zu Leichtigkeit und Esprit bis zur Pause ein wenig hölzern und schleppend. Das änderte sich schlagartig nach der Pause. Nicht nur, dass das schwarz-weiße Bild durch das plötzliche Auftragen einer großen knallroten Bowle-Schüssel gebrochen wird, was den Zuschauer erwartungsvoll werden lässt. Nein, auch Dirk Volpert als Ottokar und Jan Kämmerer als Peter, Jugendschwarm Ingeborgs und jetzt Anlass für das Entstehen des Dreiecksverhältnisses, genießen offensichtlich und zunehmend ihre Rollen. In denen dürfen sie sich hemmungslos „betrinken“ und sind schließlich enorm zutraulich miteinander.

Und wenn Schauspieler ihre Rolle sind und nicht nur spielen, nimmt dies die Zuschauer natürlich mit. Und so stieg die Stimmung bei denen proportional zum „Alkoholpegel“ der beiden Männer.

Und weil dieser zweite Teil so vergnüglich war, ist es auch gar nicht schlimm, dass keine Lösung der Geschichte angeboten wird, sondern sowohl die Protagonisten als auch das Publikum erst einmal darüber schlafen können. Und Letzteres geizte dann auch nicht mit Applaus, bevor es lachend den Saal verließ.

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