Podiumsdiskussion: „Mit dir spiel ich nicht mehr“

emd

shz.de von
08. April 2017, 00:03 Uhr

Eigentlich scheuen die Mitglieder der Bürgerinitiative, nie eine direkte Auseinandersetzung. Immerhin kämpfen viele schon zum zweiten Mal für den Erhalt des Haus des Gastes. Umso verwunderlicher ist die Absage der Podiumsdiskussion, die vom Ostholsteiner Anzeiger und den Lübecker Nachrichten geplant war. Als Grund geben sie die Anwesenheit des Bürgermeisters Carsten Behnk an, dem sie jegliche fachliche Kompetenz in dieser Sache absprechen.

„Der hat mich geärgert, mit dem spiel ich nicht mehr“ ist eigentlich eher Sandkasten-Niveau und war bisher nicht der Stil der Bürgerinitiative, die zuletzt in der Stadtvertretung für ihre rhetorisch einwandfreie Rede über das 50 Jahre alte Gebäude an der Stadtbucht gelobt wurde. Klar, der Bürgermeister hat auffällig oft von „Dialog“ geredet, aber am Ende eher über die BI als mit ihr gesprochen. Die Fronten waren schnell verhärtet. Aber die Richtung, in die Behnk als Bürgermeister gehen musste, war bereits vor seinem Amtsantritt klar: Politisch war und ist eine sinnvolle Alternative an dem Standort gewollt – nicht der Erhalt eines 70er-Jahre-Baus, der seinerzeit Preise einheimste. In alten und einstimmigen Beschlüssen wird sogar die Ansiedlung eines Hotels angestrebt. Während Behnk im Wahlkampf kritisierte, dass sein Vorgänger den ersten Bürgerentscheid zum Erhalt des Hauses im Sinne der Stadt ignorierte, machte er es bisher selbst nicht viel besser. Er zog alle Joker, die möglich waren, um zumindest den Abstimmungstermin für die Stadt hinauszuzögern. Es gibt viele gute Gründe für den 7. Mai – aber ein fairer Umgang miteinander war das nicht.

Dass nun aber die Bürgerinitiative die geplante Podiumsdiskussion boykottiert und nicht mal die Chance nutzt, mit Bürgern und Politik ins Gespräch zu kommen und Alternativen zu diskutieren, ist unverständlich. Ihrem Ziel kommt sie damit nicht näher. Wäre die BI wirklich von ihrer Idee überzeugt, müsste sie doch auch drüber reden wollen. Was nutzt es, die Straßen zu plakatieren, wenn ein Gespräch über echte Inhalte nicht möglich ist?

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