Plötzlicher Reibach in Eutins Stadtkasse

Statt tiefroter Zahlen zeigt die Jahresrechnung 2013 einen Millionen-Überschuss

shz.de von
30. Juni 2014, 15:18 Uhr

Verblüffung im Eutiner Rathaus: Die Stadt hatte laut Abschlussrechnung im 26 Millionen Euro umfassenden Jahresetat für 2013 fast fünf Millionen Euro mehr zur Verfügung als geplant. Damit verwandelte sich das erwartete Millionendefizit plötzlich in ein sattes Plus – für die Politiker einerseits erfreulich, andererseits mit Blick auf die großen Zukunftspläne aber auch irritierend: Wie zuverlässig ist die städtische Finanzrechnung?

Kämmerer Andreas Lietzke hat für die frappierende Abweichung der Ist-Zahlen vom Soll eine Generalerklärung: „Wir haben den Haushalt 2013 erstmals nach dem System der Doppik erstellt. Diesen Systemwechsel richtig zu handhaben, das müssen wir alle erst noch lernen.“

Auch der Kreis Ostholstein erlebte bei dem ersten mit der neuen kommunalen Buchführung erstellten Haushalt eine Überraschung: Zwischen kalkulierten und tatsächlichen Positionen des Jahresetats 2009 klaffte eine Positiv-Differenz von 7,8 Millionen Euro. Allerdings: Das Haushaltsvolumen des Kreises ist gut zehnmal so hoch wie das der Stadt.

„Wenn gut 20 Prozent des Etats unzutreffend kalkuliert wurden, sind uns Stadtvertretern faktisch Gestaltungsmöglichkeiten genommen worden. Welches Vertrauen kann ich dann noch haben?“, sieht der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Georg Westphal die Verwaltung jetzt in der Pflicht, Ross und Reiter bei jeder Haushaltsposition zu nennen. Das verlangt auch CDU-Fraktionschef Matthias Rachfahl: „Um politisch steuern zu können, muss die Kalkulation seriös sein. Die großen Abweichungen bringen einen schon ins Grübeln, aber ich bin sicher, dass man uns dies bald erklären wird.“

Das hat Kämmerer Lietzke versprochen: „Wir gucken uns jetzt alle Zahlen und Buchungsbelege an.“ Klar ist schon: Beim Aufwand verringerten sich die Ausgaben um knapp vier Millionen Euro, während der Ertrag um 900 000 Euro stieg – warum auch immer. Bemerkenswert: Laut Jahresrechnung gab die Stadt 650 000 Euro weniger als geplant fürs Personal aus; trotz des strengen Winters 2013 waren für Gas, Strom und Wasser 412 000 Euro weniger für die städtischen Liegenschaften zu zahlen.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen