Der Kieler Archäologe Dr. Philip Lüth gab in seinem Vortrag Einblicke in die einst durch Schleswig Holstein verlaufende Grenze – den „Limes Saxoniae“.
Der Kieler Archäologe Dr. Philip Lüth gab in seinem Vortrag Einblicke in die einst durch Schleswig Holstein verlaufende Grenze – den „Limes Saxoniae“.

Plön : Plöner Geschichte „erlebbar gemacht“

Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde im Kreis Plön / Kieler Archäologe hält Vortrag über den „Limes Saxoniae“

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28. Oktober 2018, 17:34 Uhr

Dass Geschichte alles andere als „dröge“ ist, vielmehr die Leute auch begeistern kann, hat am Wochenende erneut die Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde im Kreis Plön unter Beweis gestellt. Eingeladen hatte sie eigentlich „nur“ zur Mitgliederversammlung mit Vortrag. Dessen Thema allerdings hat die Mitglieder offenbar so angesprochen, dass der große Saal im Grebiner Krug mehr als bis zum letzten Sitzplatz gefüllt war. Sicherlich lag es auch daran, dass viele schon mal vom sagenumwobenen „Limes Saxoniae“ in Schleswig Holstein gehört haben, er aber für die meisten eben nicht „greifbar“ ist wie der römische Limes.

„Mythos und Wirklichkeit einer längst vergangenen Geschichte“ überschrieb deshalb auch der Archäologe Dr. Philip Lüth aus Kiel seinen Vortrag über diese durch Schleswig Holstein verlaufende Grenze der Geschichte. Vor etwa 1200 Jahren teilte Karl der Große das Land mit einer von Norden nach Süden verlaufenden Grenze und trennte so die Stämme der Slawen und Sachsen voneinander. Dieses Bild ist seit Jahrhunderten in der Mittelalterforschung fest verankert, doch die Chronisten wissen eigentlich nur wenig über diese Grenze zu berichten und auch die Aussagemöglichkeiten der archäologischen Befunde waren bisher zu dünn, um konkrete Fragen beantworten zu können.

Erst in den vergangenen Jahren rückte der „Limes Saxoniae“ und die Beziehung von Slawen und Sachsen immer wieder in den Blickpunkt der Forschung. Das Für und Wider sowie die Art und Gestalt der alten Grenze wird dabei kontrovers diskutiert. „Wir wissen eigentlich nicht, wo genau die Grenze verlief“, sagte Lüth. Sicher sei nur, dass sie das Land in der Zeit Karls des Großen teilte. Mit den Sachsen im Westen und den Slawen im östlichen Teil einer Linie, die von der Kieler Förde entlang von Schwentine, Trave, Delvenau und Stecknitz über zum Teil sumpfige Niederungen bis zur Elbe führte. Weil Grenzbefestigungen auch nur in Punkten unbekannt sind, spricht auch Lüth eher von einem „Grenzraum“, über den durchaus Handel getrieben und Kulturen ausgetauscht wurden. Wobei er aber auch auf befestigte Burgen auf sächsischer Seite des Limes hinweist – so der Belauer Burg. Spannend dabei auch die Geschichte Segebergs, wo es seinerzeit wohl auch eine Art Befestigung auf dem Kalkberg gab und eine slawische Siedlung auf der anderen Seite, die erst 2010 erforscht wurde. Noch längst nicht geklärt seien drei Landstrecken zwischen den Flüssen. Eine Theorie besage zudem, dass die „Grenze“ auch durch den Plöner See laufen könne, dessen Wasserspiegel damals rund 1,5 Meter tiefer lag.

Spannend war es für die Zuhörer allemal in die Geschichte des Landes abzutauchen. Eher formell wurde es dann mit dem Bericht der Vorsitzenden, Julia Johanna Meyer. 811 Mitglieder hat die Arbeitsgemeinschaft derzeit. Höhepunkt eines jeden Jahres ist die Publikation des Jahrbuches zu bestimmten Themen der Geschichte der Region. In diesem Jahr wirft die Priörin Viktoria von Flemming einen sehr persönlichen Blick auf „ihr“ Kloster Preetz. Oder eine Kirchengemeinde entsteht vor 125 Jahren in Wankendorf. In einem anderen Beitrag geht es um Turmhügelburgen und anderen Siedlungen. „Unsere Arbeit ist die heimatkundliche Forschung, die mit dem Jahresbuch ihren Höhepunkt hat“, so Meyer.

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