Plöner Amtsgericht verhängt Haftstrafe gegen Bundespolizisten

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21. Januar 2018, 14:30 Uhr

Wenn eine Frau „nein“ sagt, bedeutet das auch „nein“ und kein „vielleicht“ und schon gar kein „ja“. Nach diesem Grundsatz verurteilte das Amtsgericht Plön einen 25-Jährigen wegen sexueller Nötigung zu einer Haftstrafe von sechs Monaten. Sein Opfer: eine vor zwei Jahren 17-Jährige. Zugute hielt das Gericht dem Angeklagten, dass es ein „eher am unteren Ende des Skala anzusiedelnder Vorfall“ gewesen sei, stufte ihn deshalb als „minderschweren Fall“ ein und setzte die Strafe zur Bewährung aus. Es ist bei diesem Tatvorwurf die Mindeststrafe. Und doch setzt das Urteil ein Zeichen für das Opfer. Als der Richter das Urteil spricht, schlägt der sonst ruhige Angeklagte die Hände vor das Gesicht und schüttelt nur noch den Kopf.

Ein kleines Dorf unweit von Plön. Im März 2016 wird im Sportlerheim der Frühlingsball der Feuerwehr gefeiert. Zu später Stunde trifft der Angeklagte, ein Fußballer, das Opfer auf dem Flur, als es von der Toilette kommt. Obwohl die junge Frau es nicht will, küsst er sie. Dann packt er sie an den Handgelenken und zieht sie in den Umkleideraum – obwohl sie ihm wiederholt sagt, dass sie das nicht will und ihn auch zurückstößt. Trotzdem öffnet der Angeklagte seine Hose und drückt sie auf einen Tisch. Da sie sich losreißen will, hält er sie weiter an den Handgelenken fest und versperrt die Tür. Glücklicherweise kann das Opfer fliehen, als ihre Mutter nach ihr ruft.

„Das ist der Sachverhalt“, so der Richter. Aber in der Bevölkerung des Ortes hat man schnell eine eigene Meinung zu dem Fall. Fällt ein leichtfertiges Urteil über den einen oder den anderen, da wird das Opfer auch zum Täter gestempelt. Die Eltern bekommen Hausverbot im Sportlerheim, Trainer und Vorsitzender des Vereins ignorieren den Vorwurf, einer der Spieler habe sich vielleicht daneben benommen. Das Opfer wird gemobbt, bricht ihre Ausbildung ab und zieht weg. Sie leidet unter Panikattacken und ist bis heute in ärztlicher Behandlung.

Entscheidend für das Urteil des Gerichts sind die „glaubhaften und überzeugenden Aussagen des Opfers vor der Polizei und auch vor Gericht“, so der Richter. Den Angaben des Angeklagten, das Opfer sei freiwillig mitgekommen, schenkt das Gericht keinen Glauben. „Warum sollte das Opfer lügen“, fragt der Richter. Dem Angeklagten hält er vor, nicht aufgehört zu haben, obwohl das Opfer ihm „mehrfach nein gesagt“ habe. „Deutlicher als mehrfach nein zu sagen geht wohl nicht, wenn man dann auch noch zurückgestoßen wird.“

Und Gewalt liegt vor, wenn man das Opfer an den Handgelenken packt, die Tür zusperrt und das Opfer in die Kabine zieht. Strafverschärfend sind die Folgen für das Opfer. Damit sei der Tatbestand der sexuellen Nötigung nach dem Gesetz voll erfüllt, befand das Gericht.

Zu den Folgen zählt: Der Ort ist gespalten, die Eltern des Opfers leben nach eigenen Angaben auf einer „giftigen Insel“ im Ort. Der nun verurteilte 25-jährige hat seine berufliche Zukunft verspielt. Er hat gerade eine Ausbildung zum Bundespolizeidienst abgeschlossen, kann aber nun vergessen, in den Beamtendienst übernommen zu werden. Das Opfer lebt in einem anderen Ort und hat eine neue Ausbildungsstelle.

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