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Bürgermeisterwahl 2016 : Plön steht vor der Entscheidung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Etwa 350 Interessierte kamen am Dienstagabend in die Schiffsthalaula zur zweiten Vorstellungsrunde der Bürgermeisterkandidaten

von
erstellt am 28.Jun.2016 | 23:26 Uhr

Bürgervorsteher Dirk Krüger war am Dienstagabend schwer beeindruckt: rund 350 Interessierte wollten in der Schiffsthalaula vor ihrer Wahlentscheidung am kommenden Sonntag (3. Juli) die Argumente der drei Kandidaten um das Bürgermeisteramt hören. Amtsinhaber Jens Paustian, SPD-Kandidat Lars Winter und Einzelbewerber Stefan Meyer zeigten sich in der zweiten öffentlichen Vorstellung gut aufgelegt und vorbereitet. Der Journalist Carsten Kock moderierte den Abend gewohnt locker und unterhaltsam.

Bürgervorsteher Dirk Krüger wünschte sich auch bei den Plöner Ratsversammlungen so ein Interesse der Menschen. An der Bürgermeisterwahl jedenfalls scheint das Interesse groß zu sein. Von den 7661 Wahlberechtigten hätten 648 bereits ihre Stimme per Briefwahl abgegeben.

Im Mittelpunkt der Diskussionen in der Schiffsthalaula standen die Plöner „Baustellen“, die Finanzen, die Zukunft der Stadt aber auch die Arbeit als künftiger Bürgermeister. Dabei gab es am Ende wenig neue Argumente aber einige neue Ideen.

Der 45-jährige Plöner Diplomverwaltungswirt und Kripobeamter Stefan Meyer (CDU) stellte seine Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Plön heraus. Er wolle den Stillstand beenden und Plön zu einem Lebensgefühl entwickeln. Er habe 2800 Haustürbesuche hinter sich und mit vielen Menschen persönlich gesprochen. „Ich will der Motor der Stadt sein und einen Plan für Plön machen“, sagte Stefan Meyer. Neu sein Argument, jetzt doch Strom, Wasser und auch Breitband über die Stadtwerke an die Plöner Haushalte bringen. Kurze Unruhe entstand, als er sich seine Mitbewerber „vorknöpfte“. Lars Winter sei nur ein oberflächlicher Plön-Kenner und Jens Paustian bedeute Stillstand.

Als Bürgermeister will Lars Winter (53) wieder nach Plön zurückziehen. Er hatte die Stadt 1993 berufsbedingt verlassen. Der Plöner Stillstand sei für ihn Rückschritt. Er wolle öffentliches W-Lan, keine langwierigen Diskussionen um Baugebiete, den Stillstand in den Beziehungen zum Umland beseitigen und ein Wirtschaftsförderungskonzept erstellen. Mit der Schaffung eines Jugendparlamentes will Lars Winter der Jugend mehr Beachtung schenken und bestehende Gesetze erfüllen. Winter: „Plön braucht einen Bürgermeister, der nicht zum System Plön gehört.“

„Ich möchte den Menschen gerecht werden und nach Lösungen suchen“, warb Amtsinhaber Jens Paustian (53, parteilos). Er wolle die begonnene Haushaltskonsolidierung fortsetzen. Allerdings sei der Kommunale Finanzausgleich das große Problem. Paustian will auch die Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Großer Plöner See herstellen: „Dabei müssen die Gemeinde nicht ihre Selbstständigkeit aufgeben.“ Wie bei der ersten Vorstellungsrunde klagte Jens Paustian über den schlechten Umgang mit Fehlern durch die Fraktionen in der Ratsversammlung: „Das ist nicht schön.“ Er habe die Einführung der Doppik für die Stadt Plön unterschätzt, gestand Paustian ein. Die Eröffnungsbilanz sei sehr schwer gewesen. „Das würde ich heute anders machen.“

Lars Winter klagte über Plöner Defizite. Jens Paustian kritisierte: „Plön wird schlechter geredet, als es ist.“ Das Strandhaus an der Fegetasche und den Branchenmix in der Langen Straße sieht er als „Baustellen“. Meyer kontert: „Das Strandbad an der Fegetasche liegt schon lange brach.“ Es müsse aber auch das Problem des Bauvorhabens beim Seglerverein in der Eutiner Straße gelöst werden.

Lars Winter will eine Verwaltung formen, die effizient und schnell arbeitet. Als Bürgermeister wolle sich der Netzwerker einen Überblick über die Finanzen verschaffen und Ideen für Plön entwickeln. Jens Paustian sprach von einem neuen Leitbild für Plön und die Schaffung von Wohnraum für junge Familien als wesentliche Punkte der nächsten Jahre.

Dr. Jörg Lorenzen wollte von den Kandidaten Aussagen über die eigene Energiepolitik der Stadt Plön mit oder ohne den Stadtwerken hören. „Die Netze gehören in die Hand der Stadtwerke“, blickte Winter auf die Nachbarn in Eutin, wo es bereits so erfolgreich umgesetzt werde. Jens Paustian sprach von einem langwierigen juristischem Verfahren und wollte die Risiken abwägen, die mit einem Übertrag vieler Aufgaben an die Stadtwerke verbunden seien. Für Stefan Meyer ist die Stärkung der Stadtwerke Plön der richtige Weg. Dort sollten mittel- oder langfristig die Netze übernommen werden. Dabei müsse der Bürgermeister auch Vorsitzender des Verwaltungsrates sein.

Astrid Röhr, Vorsitzende des Musikzuges Plön, kritisierte, dass das Jugendzentrum mit dem Auszug aus der Krabbe 17 zugunsten der Offenen Ganztagsschule durch die Hintertür geopfert worden sei. Für Jens Paustian muss es Jugendliche geben, die sich im Jugendzentrum engagieren. Für Winter ist das Jugendzentrum ohne Jugendbeteiligung nicht möglich. Meyer will, dass sich die Jugendlichen im Jugendzentrum wohl und ernst genommen fühlen.

Ein 21-Jähriger fragte, wie die Kandidaten junge Menschen in Plön halten möchten. „Es sei auch mal ganz gut, die Nase in die Welt zu hängen“, sagte Meyer. Eine Disco lasse sich in Plön nicht wirtschaftlich betreiben. Winter sprach von Strahlwirkungen der Großstädte auf die Jugend und Paustian empfahl ehrenamtliches Engagement zum Beispiel im DRK.

Nach bekannten Finanzthemen und Visionen warben die Kandidaten für sich. Am kommenden Sonntag haben die Plöner die Wahl.

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