Plön kämpft gegen Leerstände

Stefan Menke gibt sein Unternehmen zum Frühjahr auf. Seine Frau Anja eröffnet im Juli nebenan im Haus von Samen Braune ein Damenmodengeschäft.
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Stefan Menke gibt sein Unternehmen zum Frühjahr auf. Seine Frau Anja eröffnet im Juli nebenan im Haus von Samen Braune ein Damenmodengeschäft.

Räumungsverkäufe bei Stefan Menke und Edgar Bauer / Die Stadt Plön erfasst die Leerstände und bemüht sich um Nachfolger

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11. Januar 2018, 12:07 Uhr

Die Plöner Einkaufsmeile Lange Straße wird in diesem Jahr ihr Gesicht verändern. Die Innenstadt verliert mehrere ihrer alteingesessenen Traditionsgeschäfte. „Mühl & Loreth Heim und Garten“ in der Johannisstraße schloss aus Altersgründen bereits seine Türen. Das Mode- und Textilhaus Bauer, das Modegeschäft Stefan M. und Samen Braune für Angel-, Garten- und Zoobedarf von Berit und Jörn Priester in der Langen Straße haben mit dem Räumungsverkauf das Ende ihrer Ära eingeläutet. Die Filiale der Bäckerei Steiskal ist schon geschlossen. Stirbt die Lange Straße aus?

„Nein! Plön ist eine Perle, ein Diamant, der muss geschliffen werden“, ist Ronald Dobe überzeugt. „Dass Geschäftsinhaber rein und raus gehen hat nichts damit zu tun, dass Plön in einem schlechten Zustand ist und es keine Dienstleister gibt.“ Dobe ist Vorsitzender des Vereins „Stadtmarketing Plön am See“ und Inhaber der Tapas-Bar „Concilium“ in der Langen Straße. Er lebt mit seiner Familie erst wenige Jahre in Plön. „Klar, dass es Potenzial gibt. Man muss nur irgendwo anfangen“, sagt der Diplom-Sozialwirt.

Dobe setzt auf Marktforschung, um die Ursachen zu ergründen, warum Menschen nicht in Plön einkaufen, sondern in die größeren Städte fahren, und schlägt vor, zunächst ein externes Institut mit einer Analyse zu beauftragen und die Plöner und Einwohner der Umlandgemeinden zu befragen, was sie sich wünschen.

„Was unbedingt fehlt, sind Angebote für Leute mit normalem Einkommen, junge Zielgruppen und Familien“, ist sich Ronald Dobe sicher. Leerstände ließen sich saisonal auffüllen mit Sortimenten, die Touristen gern mitnehmen, auch im Bekleidungssegment. Tourismus sei super-entscheidend aber so richtig gut werde es Plön nur gehen, wenn man es schaffe, als Geschäftsinhaber ohne Touristen über die Runden zu kommen.

Ronald Dobe rät Geschäftsleuten, sich abzuheben, Nischen zu besetzen, um Kaufanreize zu schaffen, die über Plön hinausgehen. Viele Dinge kauften Menschen nicht online, weil sie diese vorher anfassen oder anprobieren wollten. Um Schlachter oder Gemüsehändler anzusiedeln sollte man diskutieren, ob ein Wochenmarkt zwei Mal pro Woche Sinn macht. Dobe: „Alles, was es auf dem Markt gibt, wird sich hier nicht ansiedeln.“

Für mehr Gastronomie, die Nischen bedient, sieht Dobe ebenfalls noch Potenzial. „Ich glaube fest an das Bestehen von Innenstadtstrukturen.“ Ein Problem sei die Werbeanlagensatzung. „Es ist ein Desaster, dass man draußen nicht zeigen darf, was man drinnen verkauft.“ „Endlich mal Urlaub machen nach 38 Jahren“, fasst es Berit Priester im OHA-Gespräch zusammen. Sie sei 70 Jahre alt, ihr Mann 75, da dürfe man sich zur Ruhe setzen. Einen Nachfolger habe man nicht gefunden: „Die Kinder selbst wollten nicht, und in einer Kleinstadt ist es ja auch nicht so ganz einfach.“ Das Ehepaar hat die Immobilie an Anja Menke vermietet, die dort Ende Juli ein Damengeschäft eröffnen will. Ihr Mann Stefan Menke schließt Mitte Februar nach 31 Jahren das benachbarte Modegeschäft, das bisher auch Herrenmode im Sortiment hatte. „Es gab ein sehr gutes Angebot für die Vermietung von einem europaweit tätigen Filialisten, das konnte ich nicht ausschlagen“, so Menke auf Nachfrage. Anfang August werde sein Nachmieter eröffnen.

Ähnlich bedeckt hielt sich der Inhaber vom Mode- und Textilhaus Bauer, der das Unternehmen „nach einigen Jahrzehnten“ aus Altersgründen aufgibt. „Die Entscheidung ist mir unwahrscheinlich schwer gefallen“, erklärte Edgar Bauer, der sein Alter mit „weit über 65 Jahre“ angibt. Für sein Geschäft stehe er in verschiedenen Verhandlungen mit potenziellen Käufern/Mietern.

Frank Neufeind von der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung im Rathaus hat sämtliche Leerstände erfasst, baut ein Kataster auf und ist dabei, Ideen für einen Branchenmix zu entwickeln. Er möchte einen Schlachter nach Plön holen, kann sich ein Geschäft für Haustierversorgung oder Campingbedarf vorstellen und habe landesweit Filialen von Bekleidungsgeschäften angeschrieben, sagt Neufeind.

Die Bauer-Immobilie sei laut B-Plan erweiterbar und zweigeschossig ausbaubar und habe 1500 Parkplätze in unmittelbarer Nähe. „Eigentlich haben wir in Plön fast alles, so schlecht sind wir nicht bestückt“, resümiert Neufeind zuversichtlich. Es gebe Möglichkeiten, dem Internet entgegen zu wirken, indem Händler etwas anböten, was einem das Internet nicht wegnehmen könne, ist auch Neufeind überzeugt. Außerdem müssten Einzelhändler mehr im Netz präsent sein.


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