Plieske – „grüne Seele“ von Bosau

Der 70-jährige Max Plieske zieht sich nach 20 Jahren aus der Kommunalpolitik zurück.
Der 70-jährige Max Plieske zieht sich nach 20 Jahren aus der Kommunalpolitik zurück.

20 Jahre Kommunalpolitik aus verschiedenen Blickwinkeln in der Gemeinde Bosau sind genug / Mehr Zeit für Frau und zwei Hunde

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14. Februar 2018, 16:51 Uhr

Kein Gemeindevertreter hat die Bosauer Kommunalpolitik in den vergangenen 20 Jahren so farbenfroh und wechselvoll begleitet, wie Max Plieske. Der heute 70-Jährige aus Brackrade verabschiedet sich mit der Kommunalwahl aus der Kommunalpolitik.

Max Plieske, der aktuell für die Grünen in der Gemeindevertretung sitzt, hat die Kommunalpolitik in Bosau aus vielen unterschiedlichen politischen Richtungen wahrgenommen. „Dabei habe ich es stets geschafft, mich nie verbiegen zu müssen“, sagt er heute mit einem doch stolzen Blick zurück. Nicht immer bequem hat sich Pieske bei seiner ehrenamtlichen Arbeit gezeigt – in der Gemeindevertretung, in seinen Fraktionen und überhaupt.

Der leidenschaftliche Motorradfahrer („Suzuki VS 1400“), der oft auf Touren durch Europa unterwegs ist und gern die Route 66 befahren möchte, kam 1996 von Kiel nach Bosau. „Der Liebe wegen“, wie er schmunzelt. Schon 1980 trat er in die SPD ein, die er in Bosau nach Streitigkeiten allerdings wieder verließ – gemeinsam mit Jochen Veen, Anna Haag und Roger Barenscheer. Veen ging zur CDU und Plieske gründete mit Haag und Barenscheer eine Wählergemeinschaft, die zur Kommunalwahl auf Anhieb der SPD vier Sitze wegschnappte. Vierte WGB-Gemeindevertreterin war Dr. Charlotte Jurenz.

„Dann brach die WGB nach einem Mehrheitsentscheid auseinander“, erinnert sich Max Plieske. Aus der WGB wurde mitten in der Legislaturperiode die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Prominenter Unterstützer war Umweltminister Dr. Robert Habeck. Als Landesbediensteter war Plieske auch der Fahrer des Ministers. „Es ist schade, dass Robert das Land verlässt, es ist aber gut für Deutschland“, ist sich der heute immer noch überzeugte „grüne“ Plieske sicher.

Ein breites Grinsen verläuft über sein Gesicht, als er über das erste Kommunalwahlergebnis der Grünen in Bosau erzählt: „Auf Anhieb schafften wir 23 grüne Prozent in Bosau und wurden nach der CDU zweitstärkste Kraft in der Gemeinde.“ Es beginnt die Zeit der Bosauer Grünen Dr. Matthias Botzet, Frank Sobieski, Dr. Charlotte Jurenz und Parteigründer Max Plieske. Die Mischung war es am Ende auch, die die Grünen in der Gemeinde in eine schwere Krise stürzte. Sie kann nach dem Verzicht Plieskes aber auch mit der heute in Bosau anstehenden Aufstellung der grünen Direktkandidaten und der Liste für die Gemeindevertretung beendet werden.

„Die Grünen sollten nach jüngeren Kandidaten Ausschau halten“, empfiehlt Max Plieske. Das in den vergangenen Monaten durch interne Konflikte in der grünen Fraktion zerbrochene Vertrauen betrübt ihn: „Ich gehe ohne Groll.“ Und mit Blick auf sich und die Rest-Fraktion: „Welcher Mensch macht keine Fehler?“ Die Fraktion sollte mit neuen, unbelasteten Menschen auch einen Neuanfang wagen – einen Neuanfang mit Menschen, die das Ganze im Blick haben und nicht nur die eigenen Interessen, wünscht sich Plieske.

An einen gemeinsamen Tisch mit den verbliebenen drei Mandatsträgern möchte er sich allerdings nicht mehr setzen. Das Vertrauen wurde in den letzten zwei Jahren „mit den Füßen getreten“, ein „No-Go“ für weitere Gemeinsamkeiten.

Statt dessen schaut Plieske gerade heute, wo die Grünen in Bosau ihre neue Liste aufstellen, auf seine politischen Erfolge zurück: das Seniorendorf Uhlenbusch, die Modernisierung der Schule und der Bau einer Photovoltaikanlage, die Windenergie oder der Wechsel der Gemeinde Bosau zum Amt Großer Plöner See. Plieske war Vorsitzender des Wirtschafts- und Tourismusausschusses und stellvertretender Bürgervorsteher. Letztere Funktion musste er nach Querelen mit „seinen“ Bosauer Grünen abgeben. Ab Mai wird er sich mehr um Ehefrau Edith und die beiden Hunde kümmern.

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