Plädoyer für Frauen in der Gilde

Gilde-Majestät Dirk Krüger (Miitte) wird – eingerahmt von den Ältermännern – zum Festplatz Düvelsbrook geleitet.  Fotos: Michael Kuhr
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Gilde-Majestät Dirk Krüger (Miitte) wird – eingerahmt von den Ältermännern – zum Festplatz Düvelsbrook geleitet. Fotos: Michael Kuhr

Vorschlag von Plöns neuer Bürgervorsteherin Mechtilde Gräfin von Waldersee sorgte in der Männer-Runde für kurze „Aufregung“

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10. Juli 2018, 14:14 Uhr

Plöns neue Bürgervorsteherin Mechtilde Gräfin von Waldersee sorgte gestern für einen Paukenschlag beim Königsfrühstück der Plöner Schützengilde von 1621. Sie verwies auf dem Festplatz Düvelsbrook stolz auf die neue „Frauenpower“ der Stadt mit einer Bürgervorsteherin und ihren beiden Stellvertreterinnen. Bis zu ihrem Jubiläum habe die Schützengilde noch drei Jahre Zeit, Frauen mehr zu integrieren.

In der Bruderschaft sorgte die Aufforderung für laute „Proteste“. Erster Ältermann Heinz Langfeldt beruhigte die förmlich „aufgebrachten“ und danach laut lachenden Männer: „Darüber werden wir mal intensiv nachdenken.“ Nach den Worten von Gräfin von Waldersee ist es ihr eine Ehre, „heute im erlauchten Rahmen“ dem Königsfrühstück beizuwohnen. Plön könne stolz auf seine schönen Männer sein.

„Das Neue begrüßen – das Bewährte pflegen“ lautete das Motto von Dirk und Claudia Krüger, dem scheidenden Königspaar im 397. Jahr der Plöner Schützengilde. Gestern wurde Plöns ehemaligem Bürgervorsteher mit dem Bürgervogelschießen ein würdiger Abschied aus einem spannenden und zugleich intensiven Königsjahr mit vielen Aktivitäten bereitet – für Krüger eine Zeit der unwiederbringlichen Momente. Er dankte für die Unterstützung durch die Gildebrüder, erinnerte an die vielen Unruhen in der Welt. Er richte seine Konzentration lieber auf das „Mikrokosmos Plön“.

Das Bürgervorgelschießen wurde gestern letztmalig an einem Mittwoch in „Friede, Freude und Eintracht“ gefeiert: der Empfang am Morgen im Rathaus, der Umzug zum Festplatz Düvelsbrook, das Königsfrühstück, das Schießen und die Proklamation am Abend. Sie führten Menschen aus allen Bevölkerungsschichten zusammen – für die Gilde das Sinnbild einer Bruderschaft, in der Traditionen und Werte gelebt werden.

Beim Empfang im Rathaus von Bürgermeister Lars Winter und Bürgervorsteherin Gräfin von Waldersee trug sich König Dirk Krüger ins Goldene Buch der Stadt Plön ein und es wurden verbale „Spitzen“ verteilt: Lars Winter freute sich über Kreispräsident Stefan Leyk, der im ersten Wahlgang gewählt wurde und Erster Ältermann Heinz Langfeldt über die neue Frauenpower im Rathaus. Bürgermeister Winter kündigte ironisch an, dass künftig beim Bürgervogelschießen an einem Freitag die frühen Trauungen im Rathaus wohl ausfallen müssten, damit die Schützen weiter empfangen werden können. Es sei für ein Brautpaar wohl auch nicht schön, wenn es nach der Trauung von bewaffneten Männern vor dem Rathaus empfangen werde.

Unten vor dem Rathaus waren derweil die Schützenbrüder zum Empfang angetreten und ließen sich bewirten. Der Umzug setzte sich durch die Stadt in Bewegung.

Heinz Langfeldt freute sich vor über 60 Schützenbrüdern und Gästen über eine gute Laufleistung beim Umzug, an dem auch Landrätin Stephanie Ladwig und Kreispräsident Stefan Leyk teilnahmen. Heinz Langfeldt dankte Majestät Dirk Krüger für ein intensives Königsjahr, der als neue Idee alle Gildebrüder im Monat nach ihrem Geburtstag zu einer Feier zu sich nach Hause eingeladen hatte. Krüger habe Heimatliebe und Gemeinschaftsgedanken bewiesen.

Für ihre Verdienste und langjährige Mitgliedschaften wurden „Dr. h.c. Hochbau“ Klaus Jensen, Prof. Dr. Jörn Matthesius (25 Jahre) sowie Dieter Brüning, Jörg Schädlich und Rainer Staack (jeweils 40 Jahre in der Gilde) von Heinz Langfeldt ausgezeichnet.

Nachdem der Zweite Ältermann Stefan Meyer eine Rede auf die Heimat gehalten hatte, sagte Landrätin Stefanie Ladwig ein Schützen-
Gedicht auf und gab eine Lokalrunde aus. Der Kommandeur der Marineunteroffizierschule, Kapitän zur See Matthias Kähler, meldete sich vom Auslandseinsatz zurück und erinnerte an die Gründungszeit der Gilde während des Dreißigjährigen Krieges. Auch heute gebe es in der Welt viel Finsternis, überall gebe es Idioten und Unberechenbare. Bei der Gilde könne man sich sehr gut besinnen auf Friede, Freude und Eintracht.

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