Pilot-Projekt: Zwölftklässler schnuppern in die Kommunalpolitik

Freuen sich über den Projektstart: Stephan Kobar (v.l.), Lasse Gehmeyr, Tim Seidensticker, Finn Götz, Benjamin Zastrow, Finn Schädlich und Katharina Pörksen.
Freuen sich über den Projektstart: Stephan Kobar (v.l.), Lasse Gehmeyr, Tim Seidensticker, Finn Götz, Benjamin Zastrow, Finn Schädlich und Katharina Pörksen.

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28. Januar 2015, 11:20 Uhr

Sie lesen „Zeit“, „Welt“ und „Süddeutsche“, sind gut informiert über die große Bundespolitik, doch was im Lokalen – der eigenen Kommune – entschieden wird, davon haben die Jugendlichen keine Ahnung. Das war Grund genug für zwei Klassenlehrer des zwölften Jahrgangs an der Voß-Schule, das Projekt „Kommunalpolitik im Geschichtsunterricht“ anzustoßen.

„Wir rannten mit der Idee offene Türen ein“, erzählt Lehrerin Katharina Pörksen, die als erstes Dieter Holst in seiner Funktion als Elternteil, Mitglied der Schulkonferenz und Bürgervorsteher ansprach. Holst: „Es ist mir ein Anliegen, Kommunalpolitik und Jugend zusammenzuführen.“ Vor zwei Jahren, so erzählte Holst, habe es schon einmal Bestrebungen in die gleiche Richtung gegeben, das Projekt sei jedoch eingeschlafen, bevor es richtig gestartet war. Diesmal soll das nicht so sein.

Vertreter von CDU, SPD, Grüne und Marion Zabel als wählbares Mitglied trafen sich mit sechs interessierten Schülern. Jeder suchte sich „seinen“ Schützling, den er ab sofort in Ausschüsse und Fraktionssitzungen mitnimmt, um ihn an kommunalpolitischen Entscheidungen teilhaben zu lassen. Malte Kuhr (CDU), mit 19 Jahren jüngster Stadtvertreter Eutins, freut sich über die Initiative der Schule: „Es ist ein tolles Projekt, was unbedingt auch auf die Weber- und Wisserschule ausgedehnt werden sollte. Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass Kommunalpolitik wichtig für sie ist und sie direkt was angeht.“ Sein Schützling, Finn Schädlich, war bisher beim Schulausschuss: „Es war wirklich interessant zu sehen, wie es abläuft. Bei einem Projekt wird um wenige hundert Euro gestritten, bei anderen mehrere Tausend einfach durchgewunken, weil Kitas beispielsweise von allen als wichtig erachtet werden.“ Er schätzt es, dass er einen so jungen Stadtvertreter abbekommen hat: „Wenn ich eine Frage habe, diskutieren wir per WhatsApp, auch über politische Berichterstattung in der Lokalzeitung. Das ist toll.“ Das Pilot-Projekt ist vorerst bis zum Sommer angelegt, doch alle Beteiligten hoffen, dass es darüber hinaus weitergeht. Schüler Benjamin Zastrow findet gerade dieses Jahr spannend: „Für Eutin ist die LGS 2016 ein Großereignis und auch stadtplanerisch liegt ja einiges an, das entschieden werden muss.“ Er begleitet Heiko Godow (CDU) künftig in Ausschüsse. Godow freut sich über den Zuspruch: „Sonst sind immer die Gleichen und nur Wenige bei den öffentlichen Sitzungen. Während in öffentlichen Netzwerken auf die ‚Seepark-Mörder‘ geschimpft wird, nutzt kaum einer seine Möglichkeiten, im Stadtgeschehen mitzuwirken. Es ist sinnvoll, bei Schülern anzusetzen, damit sie ihren Einfluss erkennen.“ Auch Christiane Balzer, als Stadtvertreterin der Grünen, findet es „super wichtig“, junge Menschen über Kommunalpolitik zu informieren. „Den Schülern fehlt sonst einfach der Zugang“, sagt Balzer. Hans-Georg Westphal (SPD): „Wir müssen Jugendliche für Kommunalpolitik interessieren, schließlich sind das Belange, die sie angehen.“ Den einzelnen Fraktionen gehe es nicht darum, Mitgliederwerbung für sich selbst zu machen, sondern Interesse zu wecken. Malte Kuhr: „Langfristig brauchen wir in allen Gremien Nachwuchs.“ Und Finn Schädlich bemerkt zu recht: „Derzeit werden die Entscheidungen für die junge Generation von Alten oder Älteren getroffen. Das ist schon irgendwie komisch.“

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