zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 09:31 Uhr

Pflege im Alter wird zur Armutsfalle

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Immer mehr Schleswig-Holsteiner können Betreuung nicht bezahlen

Weil die Rente nicht reicht, um das Pflegeheim zu bezahlen, gehen nicht nur viel Senioren finanziell am Stock, sondern auch die Kreise und kreisfreien Städte. 2013 mussten sie in Schleswig-Holstein 121 Millionen Euro sogenannte „Hilfe zur Pflege“ leisten. Bundesweit gaben die Träger der Sozialhilfe dafür netto rund 3,2 Milliarden Euro aus. „Die Belastung wächst konstant seit Jahren“ erklärte gestern Marion Marx vom Städteverband in Kiel.

Ein Ende der Entwicklung sei nicht in Sicht. „Die Menschen werden älter, die Medizin besser und die Renten sinken“, beschreibt Marx den Ursachenmix für die Kostenexplosion. Waren 2006 gut 9000 Heimbewohner im Norden auf finanzielle Unterstützung angewiesen, waren es im vergangenen Jahr bereits 13 000. Das Geld aus der Pflegeversicherung reicht hinten und vorne nicht, um die durchschnittlichen Heimkosten von 3800 Euro pro Monat zu decken. In der höchsten Pflegeklasse zahlen die Kassen derzeit 1550 Euro. Die Differenz von über 2000 Euro können die meisten Rentner nicht aus eigener Tasche stemmen – die Sozialbehörden müssen einspringen. Zwar können die sich das Geld bei den Kindern wiederholen, doch deren Selbstbehalt ist sowohl beim Einkommen als auch beim Vermögen hoch. Entsprechend rechnet sich die Stadt Flensburg, die aktuell für 411 Senioren ganz oder teilweise die Heimkosten zahlt, auch nur bei maximal 160 Fällen Chancen auf Erstattung aus.

Der Schleswiger Fachanwalt Dieter Schöttle rät allen Unterhaltspflichtigen, Bescheide der Sozialämter genau zu prüfen und – wenn möglich – nachrechnen zu lassen. „Die Materie ist kompliziert und auffällig fehleranfällig“. Es gibt sogar Anwälte, die behaupten, sechs von zehn Bescheiden seien falsch.

Städteverband und Landkreistag fordern, dass der Bund – ähnlich wie bei Eingliederungshilfe – die Pflege-Kosten übernimmt, „da sie durch ein Bundesgesetz verursacht werden“, so Marx. Der Sozialverband verlangt eine grundsätzliche Lösung, da es nicht sein könne, dass „Menschen, die für unseren Wohlstand ihr Leben lang gearbeitet haben, im Alter in der Pflege auf Sozialhilfe angewiesen sind.“ Seite 18/Kommentar Seite 19

zur Startseite

von
erstellt am 12.Feb.2014 | 17:25 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen