Pfefferspray: Schüler flüchteten aus Schule

Eltern holten ihre Kinder aus der Aula am Schiffsthal ab.  Fotos: Krüger
1 von 2
Eltern holten ihre Kinder aus der Aula am Schiffsthal ab. Fotos: Krüger

Zwei 14-Jährige sprühten Pfefferspray im Klassenraum / Feuerwehr will Eltern Rechnung für Einsatz schicken / Drei Schüler verbringen die Nacht im Krankenhaus

von
15. Januar 2015, 13:14 Uhr

Zwei 14-jährige Jungen hatten gestern Vormittag in einem Klassenraum der Gemeinschaftsschule am Schiffsthal mit Pfefferspray gesprüht. Der Austritt des gefährlichen Reizgases sorgte für einen Großalarm, der nach gut anderthalb Stunden beendet war. Schon am frühen Nachmittag kehrte mit den Zeugniskonferenzen wieder Normalität ein.

Nach Informationen unserer Zeitung hatten die beiden Jungen offenbar arglos das Pfefferspray im Klassenraum versprüht. Ihre Mitschüler flüchteten danach unter starkem Reizhusten und tränenden Augen aus dem Raum über den Flur ins Freie. Über Lautsprecher wurden alle rund 500 Schüler sofort zum Verlassen der Schule auf den Pausenhof aufgefordert. Weil es regnete gingen sie später in die Aula am Schiffsthal. Mittlerweile war nach einem Notruf in der Rettungsleitstelle gegen 10.20 Uhr ein großer Rettungseinsatz eingeleitet worden.

„Über die erste Meldung wurde uns ein Massenanfall von Verletzten mitgeteilt. Das ist die höchste Stufe“, sagte der Leitende Notarzt Peter Rosch gestern vor Journalisten. Zunächst hieß es, es sei Gas ausgetreten und 74 Schüler klagten über Atemwegsreizungen. So eilten zwei Rettungshubschrauber, drei Notärzte, zehn Rettungswagen, die Schnelle Einsatzgruppe aus Schönkirchen sowie 54 Feuerwehrleute aus Plön, Bösdorf und Ascheberg an die Schule am Schiffsthal. Sie untersuchten unter schwerem Atemschutz den Gasaustritt, lüfteten den betroffenen unteren Trakt und die Flure intensiv. Nach der Belüftung der Räume wurde der Schulbetrieb fortgesetzt.

„18 Schülerinnen und Schüler waren behandlungsbedürftig“, sagte Peter Rosch. Symptome seien aber weniger Reaktionen auf das Reizgas gewesen, sondern Aufregung und Hyperventilation. 15 seien ambulant behandelt worden. Drei Schüler wurden allerdings mit allergischen Reaktionen, so der Leitende Notarzt weiter, in die Sana-Klinik Eutin gebracht. Eine von ihnen war July Elsner (12). „Ich bin nur in die Eingangshalle gekommen und dann fingen auch schon meine Augen an zu tränen“, erzählte sie gestern beim Besuch ihrer Mutter in der Klinik. Sie wurde, wie die anderen beiden Schüler auch, über Nacht beobachtet. Noch am Nachmittag hatte sie erneut einen Anfall, erzählte sie. Als Strafe wünscht July den beiden Mitschülern das „Härteste, was geht“: „Ich kann nicht verstehen, warum so viele Kinder wegen der ,zwei Blödmänner’ leiden müssen.“

Peter Rosch lobte vor allen Dingen den Ablauf in der Schule. Die Lehrer hätten die Schüler ruhig und besonnen aus dem Gefahrenbereich geführt: „Die Räumung der Schule hat sehr gut geklappt.“ Die Lehrer seien jederzeit sehr gut orientiert gewesen und hätten sogar die 18 behandlungsbedürftigen Schüler separiert.

„Gegen die beiden Jungen wird nun wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt“, sagte Polizeisprecher Matthias Arends gestern vor Ort. Ob sie auch die Kosten für den Einsatz zu tragen haben, sei noch nicht abschließend geklärt. Feuerwehrchef Horst Stüwe kündigte eine Rechnung an die Eltern im deutlichen vierstelligen Bereich an.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen