Eutin : Peter Behrens hat Benzin im Blut...

Den OHA holen sich  Silke und Eckehard Göhring aus Eutin immer bei Peter Behrens an der Shell-Tankstelle.
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Den OHA holen sich Silke und Eckehard Göhring aus Eutin immer bei Peter Behrens an der Shell-Tankstelle.

Nach 38 Jahren tritt der 65-Jährige am morgigen Sonnabend von 17 bis 22 Uhr seine letzte Schicht an der Eutiner Shell-Tankstelle an.

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18. Mai 2012, 12:30 Uhr

Eutin/Plön | Peter Behrens muss Benzin im Blut haben. Der 65-jährige Plöner versorgt seit 38 Jahren im Nebenjob die Autofahrer an der Shell-Tankstelle mit Kraftstoffen. "Jetzt ist aber endgültig Schluss", schmunzelt Behrens. Am Sonnabend tritt er von 17 bis 22 Uhr zur besten Fußball-Championsleague-Zeit seine letzte Schicht an.

Als Peter Behrens im Sommer 1974 erstmals den Zapfhahn an der Tankstelle von Heino Möller in Malente in die Hand nahm, kostete der Liter Benzin heute schier unvorstellbare 30 Pfennig (15 Cent). Bei seinem Schulfreund Heino Möller arbeitete Peter Behrens nebenberuflich. Der gelernte Landmaschinenmechaniker war hauptberuflich bei der Standortverwaltung in Plön als Schlosser und Motorbootfahrer im damaligen Pionierbataillon 6 beschäftigt und nach dessen Auflösung als Handwaffen-Mechaniker bei der Marineunteroffizierschule.
Heute gibt es nur noch Glühbirnen und Scheibenwischerblätter

1974 übernahm Heino Möller für fast 20 Jahre die Shell-Tankstelle in der Lübecker Landstraße in Eutin und Peter Behrens ging mit. Er machte zwei weitere Pächterwechsel mit und sitzt heute in einer Shell-Station, die auf dem modernsten Stand ist. "In den zurückliegenden 38 Jahren hat sich mein Arbeitsplatz von der ganz normalen Tankstelle zu einem Einzelhandelsbetrieb entwickelt", berichtet Behrens über immer neue Aufgabenfelder. Früher habe er viele Ersatzteile verkauft, heute gebe es nur noch Glühbirnen und Scheibenwischerblätter.

Lachend blickt Peter Behrens auf die digitale Preistafel an der Straße vor der Shell-Tankstelle: "Früher musste ich immer eine Leiter anstellen, um die neuen Preise anzuzeigen - manchmal auch schon drei Mal pro Tag." Auch die Preise an den Zapfsäulen musste er noch umständlich per Hand umstellen. Heute werde das alles elektrisch geregelt und von der Shell-Zentrale in Hamburg gesteuert.
In 38 Jahren kein Überfall

Einen besonders guten Draht hat Behrens zu den Kunden: "Die kennen mich zum Teil auch schon 38 Jahre lang." Stolz ist Peter Behrens darauf, dass er nie Ärger mit Kunden hatte. Und die er nicht so mag, denen schenkt er ein besonders auffälliges Lächeln, verrät er. Früher, so bedauert er heute, hatte man allerdings mehr Zeit für einen netten Plausch am Rande. Besonders ärgert es Peter Behrens, wenn Eltern mit ihren Kindern in den Verkaufsraum kommen, sich mit Alkohol und Zigaretten eindecken, für fünf Euro tanken, aber nicht mal ein paar Cent für eine Süßigkeit für die Kinder haben. "Und dann schimpfen sie auch noch über die hohen Benzinpreise", schüttelt Behrens den Kopf.

Kunden, die mit vollem Tank ohne zu bezahlen weggefahren sind, die hat es schon immer gegeben. "Früher mussten wir immer die Kfz-Kennzeichen im Blick haben - heute erledigen das die Kameras für uns", verrät Peter Behrens, dass Tankbetrüger kaum Chancen haben, unerkannt zu bleiben. Doch: Je höher die Preise steigen, desto mehr Tankbetrügereien gibt es. Dazu zählt auch, wenn die Kunden mit gefälschten Kennzeichen kommen. Über eines ist Peter Behrens heute heilfroh: "Einen Überfall habe ich in den 38 Jahren nicht miterleben müssen."

In den vergangenen Tagen war Peter Behrens damit beschäftigt, seine Nachfolgerin Maike Konietzko in das Kassensystem und die Arbeitsabläufe einzuarbeiten. Er will nach seiner letzten Schicht am Sonnabend einen Schnitt machen und sich gemeinsam mit seiner Frau Karin mehr Zeit für die Verwandten in den USA nehmen. Demnächst startet wieder eine Reise über den großen Teich. In Plön will Peter Behrens in seinem Ruhestand viel spazieren gehen und die Zeit gemeinsam mit seiner Frau ganz einfach genießen. Und zur Shell-Tankstelle nach Eutin kommt er dann nur noch zum Tanken.

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