zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

16. Dezember 2017 | 06:34 Uhr

„Perf“ gibt Flüchtlingen Perspektive

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Montag beginnen die ersten Zehn von ihnen mit Betriebspraktika unter anderem auch bei der Baufirma Paustian in Rathjensdorf

von
erstellt am 17.Jun.2016 | 13:42 Uhr

Die Aufregung war groß, als sie gestern morgen die Arbeits-Latzhosen an die Flüchtlinge verteilte, sagt Susanne Gugel, Projektleiterin für „Perf“ – Perspektiven für Flüchtlinge. Die ersten zehn von ihnen aus Plön sollen am Montag ihre Praktika in regionalen Firmen beginnen. „Sie waren aufgeregt und einfach nur begeistert, freuen sich, dass es nun losgeht und haben auch Lust etwas zu tun.“

Die ersten vier Wochen verbrachten die Flüchtlinge des laufenden „Perf“-Programms, betreut von der Diakonie als Träger in Kooperation mit der Agentur für Arbeit, mit einem Sprach-Intensivkursus und Profilerstellung für den Berufsweg. Jetzt folgt ein sechswöchiges Praktikum in einem Betrieb und dann noch einmal zwei Wochen mit Sprachkursus, Hilfen bei Bewerbungen und Unterstützung bei der Jobbörse. Plön ist dabei der erste Standort für eine Maßnahme dieser Art. Parallel läuft ein Programm in Kiel.

Ari Hassan (32) und Nuel Quassan Eliyas (28) kommen beide aus dem Irak. Beide sind Praktikanten bei der Baufirma Paustian in Rathjensdorf bei Plön. Ari hatte im Irak selbst eine Baufirma und Nuel arbeitete zehn Jahre lang als Tischler mit eigener Firma. Bei der Firma Paustian werden sie nun erst einmal als Bauhelfer eingesetzt.

„Wir haben durchaus Probleme, passende Lehrlinge zu finden“, sagt Ulf Petersen, der Paustian-Geschäftsführer. „Der Ausbildungsmarkt ist leer, die Qualität vieler Auszubildenden einfach nur schlecht.“ Deshalb freute sich Ulf Petersen, als Ari sich bei ihm für das Projekt vorstellte und auch – um zu zeigen was er kann – gleich mit Hand anlegte.

„Ich habe mit meinen Mitarbeitern über das Projekt gesprochen. Alle sind dabei und gerne bereit, einen Praktikanten bei der Arbeit unter ihre Fittiche zu nehmen“, schildert Ulf Petersen das Echo in seiner Firma. Eine Einstellung, die auch Susanne Gugel bei ihrer Suche nach Praktika-Plätzen nur bestätigen kann: „Die Leute sind sehr offen im Kreis, sie wollen auch die Flüchtlinge integrieren. Und die Firmen nehmen sich wirklich die Zeit, die Leute einzubinden.“ Als Nebeneffekt hat sie auch eine gelockerte und entspanntere Atmosphäre in der zentralen Flüchtlingsunterkunft in Plön festgestellt, wo alle noch wohnen.

Ari ist da schon einen Schritt weiter, er hat bereits eine Wohnung zugewiesen bekommen und kann mit einem dauerhaften Bleiberecht rechnen. Nach dem Praktikum, wenn alle Papiere da sind, steht für ihn eine Festanstellung bei der Firma Paustian in Aussicht. Mit einem festen Job darf Ari dann auch seine Familie nachholen. Nuel, der erst wenige Monate in Deutschland ist, ist da noch nicht ganz so weit. Er wartet noch auf eine Bleibe-Zusage, obwohl diese bei Irak-Flüchtlingen zu erwarten ist.

Entweder haben sich die Firmen über die Agentur für Arbeit mit Praktikumsangeboten gemeldet oder sie wurden über die Diakonie angesprochen. „Gefragt sind bei den Flüchtlingen derzeit vor allem Berufe in der Bau- und Kfz-Branche“, sagt Susanne Gugel. Obwohl einige nach eigener Wahl zum Beispiel auch bei „Land in Sicht“, im Caritashaus St. Walburg oder bei einer Elektrofirma arbeiten wollen. Und auch der zweite ab September anstehende Kursus läuft schon gut an. Für die ersten fünf Aspiranten gebe es schon Praktikums-Stellen. Jetzt gelte es, weitere Arbeitgeberangebote mit den entsprechend qualifizierten Flüchtlingen zusammen zu bringen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen