Percussion auf höchstem Niveau

Eine Toccata für Vibraphon, Marimba und Klavier interpretierten Martin Grubinger (rechts) und Per Rundberg.
Eine Toccata für Vibraphon, Marimba und Klavier interpretierten Martin Grubinger (rechts) und Per Rundberg.

Martin Grubinger junior begeistert auch bei seinem dritten SHMF-Konzert in der ausverkauften Hasselburger Scheune

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27. Juli 2018, 11:10 Uhr

„Ich finde ihn unheimlich sympathisch“, bemerkte eine Zuhörerin auf dem Gang in die Pause, hinaus aus der Konzertscheune, deren Reetdach leider die Tageshitze nicht blockiert, sondern im Gegenteil an diesem Abend gespeichert hat. Nicht nur die 400 Zuhörer leiden unter der Hitze, auch die vier Musiker auf der Bühne vergießen Schweiß in Strömen.

Zuvorderst der unbestreitbar sympathische Martin Grubinger, Percussionist der weltweit ersten Garde, beschenkt mit der Gabe der Virtuosität, gefördert von einem Vater mit dem exakt selben „Beruf“ – und darüber hinaus ausgestattet mit Spielfreude und einem Charme, der ihm sofort die Sympathie der Zuschauer sichert.

Der 35-jährige Österreicher gab dieses Jahr drei Konzerte beim Schleswig-Holstein Musikfestival, das letzte am Donnerstag in Hasselburg, und das Programm ist ein einziges Potpourri der Percussion. Es ist quasi die Leistungsschau eines Musikers, der in jedem Material, in jedem Gefäß einen Ton erzeugen kann, ob voluminöse Klänge einer Marimba, dröhnende Schläge auf der Pauke oder metallisches Klicken auf dem Kochtopfboden – oder auch dem Mülltonnendeckel.

Grubinger bearbeitet die Schlagwerke wie ein Berserker und im nächsten Moment mit größtem Feingefühl, er erzeugt schnelle Rhythmen und wechselt mit unfassbarer Leichtigkeit das Tempo und die Takte. Er kann ganz allein die komplette Rhythmusgruppe einer Sambakapelle imitieren einschließlich der typischen Trillerpfeife, er kann aber auch aus dem Fell einer klagende Laute erzeugen.

Martin Grubinger junior steht an diesem Abend fast immer im Mittelpunkt, hat den höchsten Spielanteil, findet dabei in Per Rundberg (Piano) und den beiden Percussionisten Slavik Stakhov und Rainer Furthner perfekte Partner.

Ähnlich breit gefächert wie die Gegenstände, mit denen Töne und Takte erzeugt werden, sind die Werke in dem etwa 90 Minuten langen Musikprogramm: Von seinem Vater Martin Grubinger senior spielte der gebürtige Salzburger das Stück „Aus dem Leben einer Trommel“ mit dem hörbaren Bogen von Kindheit über Teenagerzeit und Midlife-Crisis bis zum Alter und Tod. Eine Toccata für Vibraphon, Marimba und Klavier, Komposition des Dänen Anders Koppel, wurde zum lebhaften Gespräch zwischen drei Instrumenten, bedient von zwei Musikern. Den Ausflug in die Avantgarde unter dem zweifellos spannenden Einsatz elektronischer Klangerzeugung lieferte John Psathas „One Study One Summary für Marimba mit Junk Percussion und Digital Audio“. Das Motto Abwechslung setzt sich in einer Suite fort, die den zweiten Teil des Programmes nach der Pause bildet: Eine spannende Abfolge höchst unterschiedlicher Stücke, Blues und Jazz darunter, aber auch atonale und harmoniebefreite Tonlinien, die sich
in einem energiegeladenen Stakkato in die Scheune ergießen.

Für jeden Zuhörer war bei diesem Programm etwas dabei. Vermutlich haben sich viele von dem einen oder anderen mehr erhofft. Aber die Enttäuschung darüber dürfte angesichts der Virtuosität und angesichts der Leidenschaftlich des Musikers in Grenzen geblieben sein, was auch in dem herzlichen Applaus deutlich wurde.

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