Pensionär mit Dauer-Power

Um sich fit zu halten, trainiert Kurt Bendlin, hier ein Bild aus dem Jahr 2012, jeden zweiten Tag.
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Um sich fit zu halten, trainiert Kurt Bendlin, hier ein Bild aus dem Jahr 2012, jeden zweiten Tag.

Der frühere Weltrekordler Kurt Bendlin hat seinen 75. Geburtstag gefeiert. Immer noch gibt er in Malente Kurse für müde Manager

shz.de von
22. Mai 2018, 18:14 Uhr

Fünf Jahrzehnte ist der größte Erfolg des früheren Zehnkampf-Helden Kurt Bendlin her. Gestern feierte der Pensionäre mit der Dauer-Power mit seiner Ehefrau Martina, den beiden Kindern und seinen besten Freunden auf seinem Bauernhof in Paderborn seinen 75. Geburtstag – doch die Zahl ist ihm schnuppe. „Es hat sich ja nicht viel verändert in all den Jahren. Mein Leben war so erfüllt, und dafür bin ich sehr dankbar“, sagt der einstige Weltklasse-Leichtathlet in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Am 14. Mai 1967 krönt der muskulöse Sportstudent das heißeste Wochenende seiner Sportkarriere mit einem irren Zehnkampf-Weltrekord: Im Uni-Stadion von Heidelberg sammelt Bendlin bei 38 Grad im Schatten 8319 Punkte – die Zuschauer feiern ihren „König der Athleten“ für die Sternstunde seiner bewegten Laufbahn. Dieser Coup, dazu Olympia-Bronze 1968 in Mexiko-Stadt, vier deutsche Meistertitel und die Wahl zum Sportler des Jahres 1967 sind seine größten Erfolge.

„Die Bronzemedaille hat einen größeren Wert für mich als der Weltrekord – da bin ich eher reingeschliddert“, sagt Bendlin, der während seiner aktiven Karriere von 1962 bis 1976 insgesamt 14 Operationen erdulden musste. „Mein Problem war, dass meine Kraft größer war als die Haltbarkeit meiner Knochen und Gelenke.“

Bis heute hat die Bronzeplakette für den Vater von Nicola (37) und Kolja (35) Goldglanz. Denn sie kommt unerwartet und ist hart erkämpft: Ein Jahr nach seinem Weltrekord ist Bendlin in Mexiko-Stadt Top-Favorit; er verletzt sich aber bei der Vorbereitung in Flagstaff/USA und kann sechs Wochen lang kaum trainieren. Von Krämpfen geplagt, katapultiert sich der Deutsche mit einer unglaublichen Energieleistung am zweiten Tag noch aufs Podest. „Das war für mich die größte Leistung, ich habe nie mehr aus mir herausholen können“, meint Bendlin fast 50 Jahre später.

Bendlin ist für sein Alter gut drauf, dafür tut er aber auch etwas. „Ich trainiere jeden zweiten Tag“, erzählt der Mann mit den blauen Augen, doch drei Vierteljahrhunderte sind auch an ihm nicht spurlos vorbeigegangen: „Ich musste lernen, kürzer zu treten.“

Im Juni und September gibt der Diplomsportlehrer wieder Fitness-Kurse für müde Manager. In Malente, seiner Heimat. Denn dorthin, nach Schleswig-Holstein, flieht seine Mutter mit dem zweijährigen Kurt in den Kriegswirren. Der Vater stirbt an den Folgen der Kriegsgefangenschaft. Bendlin wird 1943 im westpreußischen Thorn geboren, in der Malenter Dorfschaft Kreuzfeld wächst er auf. Dort kennt er jeden Stein.

Auch seine Vater-und-Kind-Kurse im „Camp“ auf dem Bauernhof in Paderborn kommen gut an. Zudem engagiert er sich für soziale Projekte, hilft alkohol- und drogenabhängigen Menschen wieder in die Spur.

Seit 52 Jahren kennt Kurt Bendlin seine Martina, seit 38 Jahren sind die beiden verheiratet. „Ich bin die starke Frau im Hintergrund, ohne die nichts geht“, erzählt sie lachend. Ihren „Kuddel“ schätzt sie „als Partner, als Weggefährten, als liebenswerten Menschen“. Beide fahren im August nach Berlin – der Deutsche Leichtathletik-Verband hat Bendlin zur Heim-EM eingeladen. „Wir bleiben eine ganze Woche. Ich freue mich schon riesig darauf“, sagt der frühere Star.

Auch sonst hat der rastlose Rentner noch viel vor. Ein Beispiel: endlich (s)ein zweites Buch schreiben, eine Autobiografie. „Das hatte ich immer schon geplant“, versichert er, „ich habe tausende Bilder im Kopf, tausende Ideen, die mich nicht loslassen.“

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