Moderne Technik gegen Hochwasser : Pegel senden Daten ins Internet

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Landesweit lassen sich etwa 100 der 335 Pegel per Datenleitungen online ablesen / Acht Pegel geben Auskunft über die Schwentine

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14. Juni 2014, 06:00 Uhr

Die Schwentine und ihre Seen machen die Holsteinische Schweiz aus. Das Wasser beeinflusst vielfach das Leben der Menschen – dann nämlich, wenn es zum Beispiel nach Starkregenfällen zu Hochwasserereignissen kommt. Um besser auch auf diese Ereignisse mit möglichen verheerenden Folgen vorbereitet zu sein, lassen sich die Pegel in Seen und in der Schwentine online ablesen.

„Landesweit lassen sich etwa 100 der 335 Pegel per Datenleitungen online ablesen“, sagte Heike Weber, Leiterin des hydrologischen Messdienstes des Landesbetriebs Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) in Kiel. Ziel sei es, innerhalb der nächsten fünf Jahre insgesamt rund 180 Pegel online ablesen zu können. Acht Pegel lassen sich bereits im Verlauf der Schwentine online ablesen: am Großen Eutiner See (Hallenbad), im Kellersee (Seglerverein), im Dieksee (Badestelle Timmdorf), im Großen Plöner See (Fischerei Reese), in der Schwentine (Plöner Brückenbereich Appelwarder) sowie im Postsee, in Preetz und am Auslauf in Kiel-Oppendorf.

Teilweise sind die Pegelstände online bis 1869 (Preetz) zurück zu verfolgen. Im Kellersee und im Postsee kann man die Wassertände ab 1953 sehen, im Großen Plöner See seit 1969. „Viele Pegel nutzen wir für die Berichterstattung der EU-Wasserrahmenrichtlinie“, sagte Heike Weber. Das so genannte Landesmessnetz werde als positiver Nebenfeffekt aber auch immer wichtiger für die Hochwasservorhersagen in Verbindung mit den zunehmenden Starkregenfällen.

Die Kosten für die Möglichkeit der zuverlässinge online-Abfrage, die etwa seit einem Jahr schon für jedermann möglich ist, bezifferte Heike Weber mit rund 2000 Euro pro Pegel. Nutzer sind neben den Behörden auf Landes- und Kreisebene auch die Inhaber von Staurechten oder Planer, die an den Gewässern tätig sind.

Eutins Fischwirtschaftsmeisterin Sabine Schwarten ist eine der Inhaber der Staurechte der Schwentine. Sie kann damit verschiedene Wasserstände der Schwentine regulieren – zum Beispiel im Frühjahr den etwas höheren Wasserstand während der Laichzeit der Fische, später dem optimalen Einsatz des Fanggerätes oder aber auch zum Halten der vorgeschriebenen Staumarken. „Es muss auch für das Motorschiff ,Freischütz’ immer genug Wasser im See sein“, sagte Sabine Schwarten.

Dabei müsse sie immer den Rückhalt im Auge behalten. „Schließlich fließt die Schwentine durch die Verbauung im Bereich Malente dort nicht so schnell ab“, berichtet sie. Deshalb müssten die Seen davor auch dieses Wasser aufnehmen können. „Ich muss sehr mit Augenmaß arbeiten“, sagte die Fischerin vom Großen Eutiner See. Ihr Cousin, der Fischwirtschaftsmeister Helmut Schwarten hat das Staurecht im Bereich der Gremsmühle inne und muss ebenso gewissenhaft arbeiten. Auch er verlässt sich auf die online-Abfragen der Pegelstände für seine verantwortungsvolle Arbeit.

Wie der OHA bereits berichtete, gibt es Probleme bei der Regulierung der Wasserstände der Seen in der Holsteinischen Schweiz. Faktoren wie vermehrt extreme Wetterlagen, eine zunehmende Versiegelung der Landschaft und auch damit mehr Einträge von Oberflächenwasser erschweren die Regulierung. Hinzu kommen Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, die für Bewuchs in der Schwentine und damit verbunden einen schlechten Abfluss des Wassers in die Ostsee sorgen. Auch die neu eingebauten Sohlgleiten stoßen hier trotz der zusätzlich eingebauten Hochwasser-Entlastungsrinnen an ihre Grenzen.

Der Einbau von digital ablesbaren Pegeln wird von den Nutzern als große Erleichterung angesehen. Bisher war offenbar die Kommunikation zumindest verbesserungsbedürftig.

Wasserstände digital ablesen

Mit dem Browser ruft man die Internet-Seite www.umweltdaten.landsh.de/atlas/script/index.php auf. Unter Themenauswahl auf der linken Seite klickt man auf „Wasser“ und in das sich dann öffnende Fenster auf „Flüsse und Bäche“. In der wieder geöffneten Spalte macht man in dem leeren Kästchen links vor „Hydrologische Pegel“ einen Haken und klickt auf das kleine „i“ gleich daneben. Das „i“ wird rot. Jetzt wechselte man mit dem Coursor auf die Landkarte und klickt mit dem Pfeil auf das Gebiet, wo man die Pegel einsehen möchte. Die schwarzen Punkte signalisieren digital ablesbare Pegel. Mit weiteren Klicks auf die Karte kann man die Darstellung vergrößern. Um einen gewünschten Pegel abzulesen, muss man unter der Leiste „Abfragen“ über der Landkarte auf das „i“ drücken und dann wieder auf den gewünschten Pegel. Es springt eine Grafik auf, die die gewünschten Angaben liefert. Man den Pegel über einen längeren Zeitraum ablesen: auf dieser Grafik einfach auf „Download/Grafik“ klicken. Mit weiteren Klicks kann man auch andere Zeiträume teilweise schon ab 1969 abfragen.

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