Paustians kleines Island

„Die Porsche unter den kleinen Pferden“: Staatsprämienstute Smiller und ihre Herde sind so leistungsstark, dass der Präsident der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Claus Heller (rechts), Nils, Margit, Birgit und Matthias Paustian (von links) mit dem Ehrenpreis auszeichnete. Foto: Lea-Maria Schmitt
„Die Porsche unter den kleinen Pferden“: Staatsprämienstute Smiller und ihre Herde sind so leistungsstark, dass der Präsident der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Claus Heller (rechts), Nils, Margit, Birgit und Matthias Paustian (von links) mit dem Ehrenpreis auszeichnete. Foto: Lea-Maria Schmitt

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13. Juli 2009, 11:55 Uhr

Görnitz | "Smiller" schnaubt temperamentvoll, zeigt artig fünf Gangarten, ihre flauschige Mähne umweht frech die kleinen Islandpferdeohren. Die sechsjährige Staatsprämienstute von Birgit und Matthias Paustians "Barghof" zeigte Sonnabend vormittag beim Vorreiten, warum der Pferdezuchtbetrieb preiswürdig ist - und für beispielhafte Leistungen in der Tierzucht von der Landwirtschaftskammer geehrt wurde.

Leistungsfähigkeit, ein sehr gutes äußeres Erscheinungsbild, Erfolge auf Schauen sowie der Einfluss auf die breite Landeszucht - das ist laut dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer (LWK-SH), Claus Heller, entscheidend für den Preis der Kammer, der jährlich verliehen werde. Für Birgit Paustian machen diesen Erfolg aber nicht nur die Fachkenntnisse und der Mut zu neuen Paarungen aus, sondern auch der Rückhalt von Familie und Freunden. Am Sonnabend führten etwa die beiden Kinder Paustians die Pferde vor, während 200 Nachbarn und Freunde der Familie die Pferde vom Zaun der barghofschen Reitbahn aus bejubelten.

Der Zusammenhalt unter den Görnitzern ist so groß, dass schon so manch ein Fest als Folge einer erfolgreichen Meisterschaft gefeiert wurde. So auch, als das erfolgreichste Pferd der 90 Isländer des "Barghofs", Odin, 1997 die Bronzemedaille auf der Zuchtweltmeisterschaft der Islandpferde gewann. Der Hengst spielt mit mehr als 100 Nachkommen eine Rolle in der internationalen Zucht.

Ihren ersten Isländer hat die 54-jährige Birgit Paustian im Alter von 16 Jahren gekauft. Die Urtümlichkeit und Gangvielfalt "des Porsches unter den kleinen Pferden" hätten sie fasziniert.

Mit dem Umzug in die Gemeinde Grebin brachte sie 1972 das erste Islandpferd in den Kreis Plön. Hier lernte sie auch ihren Mann Matthias Paustian kennen. Den 82 Hektar großen Hof übernahm das Ehepaar 1984 von den Eltern Paustians und baute ihn in den 90-er Jahren von einem Milchviehbetrieb zu einem Gestüt um.

Seitdem kommen hier jährlich etwa 15 Fohlen zur Welt, die entweder verkauft oder für die Zucht genutzt werden. Birgit Paustian unterrichtet an der Landesberufsschule für Pferdewirte und kann dort weitergeben, was ihr selbst die größte Freude ist.

Ihren Pferden richtet sie den Lebensraum mit besonders viel Kreativität ein. Die Koppeln sind uneben, bisweilen steinig, sandig oder gepflastert; Tränken, Schlaf- und Futterstellen sind weit voneinander entfernt. So sind die Tiere stets in Bewegung, und der vielfältige Boden lässt sie ihre isländische Heimat nachempfinden. Gehalten werden die Islandpferde in Herden, sodass auch die älteren Pferde genug Unterhaltung haben, um nicht "einzurosten". Später möchten die Kinder der Paustians den Familienbetrieb übernehmen, in dem momentan nur eine Auszubildende hilft.

Die Islandpferde haben ein Stockmaß von 130 bis 145 Zentimeter und zeichnen sich durch ihren kräftigen Körper sowie ihre ausdauernde Art aus. Die robusten Pferde sind sehr selbstständig und verlässlich. Neben den drei Grundgangarten beherrschen sie auch noch den Tölt und den Pass. Mittlerweile gibt es in Deutschland 75.000 Isländer.

Gratuliert wurde Birgit Paustian auch vom Vorsitzenden des Pferdestammbuchs Schleswig-Holstein, Hans-Heinrich Stien. Ihr erstes Pferd hat sie hier schließlich schon 1971 als Zuchtpferd eintragen lassen. Der Vorsitzende des Islandpferde-Reiter- und Züchterverband, Friedel Schwardtmann, lobte Familie Paustian dafür, solche Enthusiasten zu sein, und der Grebiner Bürgermeister Hans-Werner Sohn fasste das Erfolgsgeheimnis des "Barghof" so zusammen: "Heute feiern Paustians nicht nur den Preis der Landwirtschaftskammer, sondern auch die silberne Hochzeit und das 25-jährige Betriebsjubiläum." Die Gratulanten waren sich einig, dass es Paustians geschafft hätten, Familie und Beruf, Verpflichtung und Freude zu vereinen.

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