zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 12:57 Uhr

Malente : Patientin wog nur noch 35 Kilo

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

In der Curtius-Klinik lernten Schüler, was eine ausgewogene, gesunde Ernährung bedeutet und welche Folgen Mangelernährung hat

„Gesunde Ernährung“ ist zurzeit für zwei 7. Klassen der Schule an den Auewiesen ein Schwerpunktthema. Wie ein gesunder Speiseplan aussieht und was die Folgen von Ess-Störungen sein können, erfuhren Schüler und ihre Naturwissenschaftslehrerin Sabine Steenken bei einem Besuch in der Curtius-Klinik.

In der werden unter anderem Menschen mit starkem Übergewicht sowie mit den Krankheitsbildern Anorexie (Magersucht) und Bulimie (Ess-Brechsucht) behandelt. Als eine der wenigen Kliniken in Schleswig-Holstein wurde das Haus 2014 mit dem Gütesiegel „Station Ernährung“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung auszeichnet.

Eine Vielzahl an Fragen der Siebtklässler betrafen Bulimie, auf die die Ökotrophologin Dr. Dominique Lange umfassende Antworten gab: Meistens trete die Magersucht bei Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren auf. Vorrangig seien es Frauen, allerdings gebe es eine steigende Tendenz bei Männern.

Gründe für Ess-Störungen könnten familiäre Hintergründe haben. Häufig sei es Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, der nicht dem Idealbild entspreche, das über die „Schönheitsindustrie“ vermittelt werde.

Folgen von Bulimie und damit einer Mangelversorgung seien brüchige Nägel, Haar- und Zahnausfall. Die Antwort auf die Frage, was das geringste Gewicht einer Bulimie-Patientin in der Klinik gewesen sei, machte die Schüler nachdenklich. Sie habe einen Body-Mass-Index (BMI ) von 13 gehabt und 35 Kilo gewogen.

„Je früher nach dem Ausbruch der Erkrankung eine Behandlung erfolgt, umso größer ist die Chance, geheilt zu werden“, sagte Lange. Allerdings sei das Erkennen das Schwierige, weil Essgestörte über Jahre ihre Erkrankung geheim hielten. Die Rückfall-Quote sei sehr hoch.

„Wenn einem etwas auffällt, sprecht es bei einer Person Eures Vertrauens an“, riet Dominique Lange. Betroffene könnten sich beim Hausarzt oder bei Beratungsstellen Hilfe holen.

„Die Eigenverantwortung ist das Wichtigste“, betonte der Küchenleiter Marco Fernes. Das gelte für die Patienten, die freiwillig in der Klinik sind ebenso wie bei jedem anderen. Bei Mangelerscheinung könne keiner leistungsfähig sein. Eine ausgewogene Ernährung und Bewegung sei Garant für ein gesundes Leben.

Die Patienten erhielten einen Leitfaden, wie sie sich am besten ernähren. Dazu gehöre Vollkornbrot oder
-brötchen, Margarine, magerer Aufschnitt, Müsli am Morgen und abends ergänzt um Rohkost. Und mittags reiche eine Tellerportion mit Fisch, Fleisch, Gemüse und Salat.
Zu Currywurst mit Pommes Frites und Hotdog, die auch ab und zu in der Klinik angeboten werden, hatte Marco Fernes eine klare Anmerkung: „Es ist nicht gesund, wenn man das jeden zweiten Tag isst.“

zur Startseite

von
erstellt am 14.Mär.2015 | 13:48 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen