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Amtsgericht Eutin : Patienten gequält: Altenpfleger zu 16 Monaten Haft verurteilt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bisher hatte sich der 59-Jährige nichts zu Schulden kommen lassen. Doch nun wogen die Vorwürfe schwer.

Eutin | Der Rechtsmediziner sprach von „massiver Gewaltanwendung“, die drei Patienten im Middelburger Pflegezentrum vor knapp einem Jahr zugefügt worden waren, und das Eutiner Amtsgericht hatte am Mittwoch keine Zweifel, wer dafür verantwortlich war: In knapp vier Stunden Verhandlung wurde ein 59-jähriger Altenpfleger aus Schleswig-Holstein zu 16 Monaten Haft verurteilt. Da er bislang unbescholten war, setzte Amtsrichter Otto Witt die Strafe drei Jahre zur Bewährung aus. Außerdem muss der Verurteilte 3000 Euro an den „Weißen Ring“ zahlen.

Der examinierte Pfleger gehörte nicht zum Personal des Pflege- und Therapiezentrums: Wegen akuten Personalmangels durch Krankmeldungen sei er über eine Firma als Aushilfe engagiert worden, berichtete die damalige Verwaltungsleiterin im Zeugenstand.

Der 59-Jährige, der vor Gericht seinen Verteidiger für sich sprechen ließ, hatte allein Nachtdienst auf einer Station mit pflegebedürftigen, bettlägerigen Patienten. Das sei üblich und auf dieser Station auch zu schaffen, sagten Altenpflegerinnen, die seit Jahrzehnten in dem Haus tätig sind. Im übrigen gebe es ein Notfallsystem, mit dem bei Bedarf Kräfte von anderen Stationen gerufen werden könnten.

Das hatte der 59-Jährige nicht getan, obwohl er nach Überzeugung des Richters erheblich überfordert gewesen sein müsse. Ein Wachdienst-Mitarbeiter hatte während eines Kontrollganges in dem Gebäude gehört, wie der 59-Jährigen einen Patienten beleidigt und vorgehalten habe, in die Windel gemacht zu haben.

An dem Mann wie an zwei Frauen – alle körperlich stark eingeschränkt – wurden am Oberkörper starke und großflächige Hämatome gefunden. Die Tat wiege schwer, weil die Qualen der Patienten langfristig angehalten hätten: Bei einer Frau und dem misshandelten Mann sein die Folgen bis heute wahrnehmbar, sagten die Pflegerinnen.

Nach der Entdeckung der Misshandlungen sei der Mann nicht mehr eingesetzt und Anzeige bei der Polizei erstattet worden, hieß es. Und alle Zeugen betonten: So etwas habe es im Hause noch nie gegeben.

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erstellt am 19.Apr.2017 | 13:47 Uhr

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